24.08.2016
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„Alle für Kalle“: Die Räumung wird verschoben

Am Donnerstagmorgen haben sich rund 250 Unterstützer vor der Wohnung von Karl-Heinz Gerigk im Agnesviertel eingefunden.

Am Donnerstagmorgen haben sich rund 250 Unterstützer vor der Wohnung von Karl-Heinz Gerigk im Agnesviertel eingefunden.

Foto:

Krasniqi

Innenstadt -

Kurzfristiger Erfolg für die Aktion „Alle für Kalle“: Gerichtsvollzieher und Polizei haben die Räumung einer Wohnung im Agnesviertel vorerst abgeblasen. Dabei sah zunächst alles danach aus, als würde die Wohnung von Karl-Heinz Gerigk in der Fontanestraße 5 zwangsgeräumt werden.

Der Parkplatz am Lentpark war am Vormittag vollgeparkt mit Mannschaftsbussen der Polizei. Denn rund 300 Demonstranten protestierten unter dem Motto „Alle für Kalle“ gegen die Durchsetzung des Räumungstitels, den der Gläubiger - „Kalles“ Vermieter - erwirkt hatten. Nach 32 Jahren sollte die Mietwohnung wegen Eigenbedarfs an diesem Donnerstagmorgen geräumt werden.

Bereits gegen sieben Uhr hatten sich etwa hundert Unterstützer vor Kalles Wohnung eingefunden. Vorab hatten sie die Zufahrt zur Fontanestraße und den Zugang zu Gerigks Wohnung verbarrikadiert.

Pünktlich um acht Uhr war der Gerichtsvollzieher in Begleitung von vier Polizisten auf der Bildfläche erschienen. Die Präsenz der großen Anzahl an Polizeibussen auf dem Parkplatz am Lentpark ließ zunächst darauf schließen, dass man den oder anderen Blockierer festhalten wollte, sollte es zum Äußersten kommen. Zwischenzeitlich war die Einsatzleitung der am Lentpark stationierten Hundertschaft in der Fontanestraße aufgetaucht, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Mutmaßlich wurde bereits erwogen, den Protest mit deren Unterstützung aufzulösen.

Doch dann die Wendung: Nach Rücksprache mit dem Gläubiger hat der Gerichtsvollzieher entschieden, auf die Durchsetzung des Räumungstitels zunächst zu verzichten. Um eine Eskalation zu vermeiden, ziehen die Polizisten wieder ab. Nun wird ein neuer Termin anberaumt; dieser kann frühestens in zwei Wochen stattfinden.

Mieter Gerick harrte während der gesamten Protestaktion in seiner Wohnung aus und ließ sich nicht blicken.Ihm war eigenen Angaben zufolge stets daran gelegen, die Eskalation der Situation zu vermeiden.

Denn eines ist sicher: Unproblematisch wäre die Zwangsvollstreckung nicht vonstattengegangen: Denn der Hausflur der Fontanestraße 5 war im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Dach voll mit Protestlern. Rund 60 von ihnen harrten schon am frühen Morgen auf den Stufen aus und versperrten so den Durchgang zu Gerigks Wohnung. Vor dem Gebäude hatten sich rund 250 Demonstranten versammelt. Angesichts dieser Zahlen gingen Experten nicht davon aus, dass eine Hundertschaft für eine Räumung ausgereicht hätte.

Gerigks Fall steht für viele für die Verdrängung alteingesessener Mieter aus den Innenstädten, in denen Hausbesitzer mit Luxussanierungen Profite erzielen wollen. Sie glauben, dass der Eigenbedarf in diesem Fall nur vorgeschoben sein könnte.

Es gab Solidaritätsbekundungen auf vielen Transparenten in der Nachbarschaft, aber auch aus der autonomen Szene in Berlin. Sogar in El Salvador wurde eine Graffiti mit dem Slogan „Kalle bleibt“ gesichtet. (ksta)