28.08.2016
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„Alle für Kalle“: Initiativen rufen zur Blockade auf

Kalle Gerigk steht vor der Zwangsräumung seiner Wohnung in der Fontanestraße und erhält viel Unterstützung von seinen Nachbarn.

Kalle Gerigk steht vor der Zwangsräumung seiner Wohnung in der Fontanestraße und erhält viel Unterstützung von seinen Nachbarn.

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Michael Bause

Köln -

Der Gerichtsvollzieher stand schon am vergangenen Freitag vor der Tür.

Er wolle bloß mal mit ihm reden, hat er zu Karl-Heinz Gerigk gesagt. Ob sich die Zwangsräumung seiner Wohnung in der Fontanestraße 5 im Agnesviertel, in der der 54-Jährige seit fast 32 Jahren wohnt, nicht ein oder zwei Tage vor dem geplanten Termin am kommenden Donnerstag um acht Uhr geräuschlos über die Bühne bringen lasse.

Verunsicherung ist groß

Das will Karl-Heinz Gerigk, den alle nur Kalle nennen, nach einem sechs Jahre währenden Rechtsstreit mit dem neuen Eigentümer seiner Wohnung dann doch nicht. Der hatte Eigenbedarf angemeldet.

Im Laufe der Jahre hat Gerigk zwei Prozesse verloren, und auch wenn seine Verunsicherung groß ist, was ihn am Donnerstag erwartet – klein beigeben wird er nicht und zur Not mit der Matratze unter dem Arm erhobenen Hauptes seine Wohnung verlassen.

Gleich mehrere Initiativen wie „Recht auf die Stadt“ und „Wohnraum für alle“ haben sich zur Kampagne „Alle für Kalle“ zusammengeschlossen.

„Wir werden uns am Morgen des 20. Februar dem einbestellten Gerichtsvollzieher mit einer Blockade in den Weg stellen und so die geplante Zwangsräumung öffentlich und wirksam verhindern“, sagt Valerie Kirschbaum, die sich selbst als Aktivistin der Kampagne bezeichnet. Es sei „nicht länger hinnehmbar, dass Menschen ihre Wohnungen verlieren, weil Eigentum Vorfahrt genießt“.

Das alles findet Gerigk zwar gut; dass sein Viertel, in dem er so lange zu Hause ist, in der Nacht zum Donnerstag dagegen großräumig abgesperrt werden könnte, um die Zwangsräumung seiner Wohnung durchführen zu können, verunsichert ihn. Vorübergehend könne er bei Freunden unterkommen.

Sein Anwalt hat einen Antrag auf Aufschub der Räumung gestellt. Eine Antwort hat er noch nicht erhalten.