28.07.2016
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„Decke Pitter“: Im Wettlauf mit dem Petersdom

Decker Pitter

Die Bronzeglocke war und ist für die Kölner immer auch ein Gemeinschaftssymbol.

Foto:

Worring

Köln -

Eigentlich hat Norbert Feldhoff (73), seit 2004 Kölner Dompropst, sein Mobiltelefon immer ausgeschaltet. „Da geht jeder Anruf ins Leere“, sagt er. In den vergangenen Tagen aber war es sein wichtigster Begleiter. Feldhoff ließ es nicht aus den Augen.

Denn sobald in Rom der weiße Rauch aus dem Schornstein Sixtinischen Kapelle stieg, sollte das schwarze Handy läuten. Und so geschah es – um kurz nach sieben am Mittwochabend war der neue Papst gewählt, und das tiefe Geläut des „Decken Pitter“ erklang über den Häusern der Stadt. Bei der Papstwahl vor acht Jahren hatte der „Dicke Pitter“ früher als die Glocken im Petersdom geläutet - das gelang diesmal nicht ganz. Am Mittwoch war Feldhoff eine Minute zu spät.

Telefonkette organisiert

Auf gleich drei Informanten konnte Feldhoff zählen. Beim ersten Anzeichen eines weißen Rauchwölkchens sollten sie ihn anrufen, das war abgemacht. „Wer diese Menschen sind, verrate ich natürlich nicht“, sagt er. Warum das alles so wichtig ist? Der „Decke Pitter“ sollte möglichst als eine der ersten Glocken weltweit die Wahl des neuen Oberhaupts der katholischen Kirche verkünden. Feldhoff hat darin einen sportlichen Ehrgeiz entwickelt – und deshalb eine Telefonkette organisiert.

Der Dompropst rief in der Sakristei an, die in den Tagen der Papstwahl immer besetzt war. Der Küster eilte zur Schalttafel, drückte den Knopf ganz links und brachte so den „Decken Pitter“ zum Schwingen. Feldhoff hatte sich auf alle Eventualitäten eingestellt: Hätte der neue Pontifex schon tagsüber festgestanden, hätte das Personal des Domturms erst die Touristen aus der Glockenstube führen müssen. Denn der „Decke Pitter“ ist ganz schön laut. „Ohne Gehörschutz kann man nicht danebenstehen.“

Im Vatikan, vermutete Feldhoff, würden die Glocken erst läuten, wenn auch der Name des neuen Papstes feststeht. So lange sollten die Kölner nicht warten.
Welches Kirchengeläut auf der Welt am Mittwochabend nun das schnellste war, lässt sich wohl niemals feststellen. „Wir wollen schnell sein, weil mir das Spaß macht. Bei Ratzingers Wahl vor acht Jahren lagen wir auch vor dem Vatikan.“

Das strenge Wahlverfahren kam dem Dompropst sehr entgegen. Weil auch Kardinäle mal ruhen müssen, konnte Feldhoffs Handy grundsätzlich nur gegen halb elf und halb eins am Vormittag oder halb sechs und halb acht am Abend klingeln.

Zum Apostolischen Pronotar ernannt

Bei allem Ehrgeiz – nervös ist er wegen des Glocken-Rennens nicht gewesen. „Ich hatte schon ganz andere Situationen in meinen Leben. Bei der Wahl kann ich ganz gelassen bleiben“, sagte er noch am Mittwochvormittag.

Die beiden vergangenen Päpste kannte Feldhoff, der 2015 sein goldenes Priesterjubiläum feiert, persönlich. Johannes Paul II. ernannte ihn zum Apostolischen Pronotar und übernachtete während eines Köln-Besuchs in seinem Haus. „Er hat in meinem Bett geschlafen.“

Benedikt XVI. war sein Professor an der Uni Bonn. Über den Neuen wollte Feldhoff keine Spekulationen anstellen. Aber das Wichtigste war zunächst ohnehin, dass der „Decke Pitter“ zu dessen Ehren läutete. Und zwar so früh wie möglich.


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