29.09.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

„Hooligans gegen Salafisten“ in Köln: Polizei muss sich mit Wasserwerfern gegen Demonstranten wehren

Die Polizei geht auf dem Breslauer Platz mit Wasserwerfern gegen die Randalierer vor.

Die Polizei geht auf dem Breslauer Platz mit Wasserwerfern gegen die Randalierer vor.

Foto:

REUTERS

Innenstadt -

Flaschen und Steine fliegen in Richtung der Polizisten, Bengalos werden gezündet, ein Mob schwarz vermummter Hooligans versucht eine Wand von Polizisten zu durchbrechen – die Situation eskaliert, kurz bevor der Aufzug der Hooligans am Sonntagnachmittag den Ebertplatz erreicht.

Die Polizei setzt zwei Wasserwerfer ein, die Beamten gehen mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Demonstranten vor. Immer wieder kommt es zu Verfolgungsjagden, schon längst ist der Aufzug der Gruppe „Hooligans gegen Salafisten“ keine homogene Masse mehr. Per Lautsprecher versucht die Polizei, die Demonstranten zurück auf den eigentlichen Aufzugsweg zu bewegen.

Rund 3000 als gewaltbereit geltende Fußballfans und zahlreiche Anhänger dieser relativ neuen Gruppe hatten sich zunächst am Breslauer Platz versammelt, um gegen radikale Islamisten zu demonstrieren. Immer wieder gibt es „Ausländer raus“-Rufe, Hetzparolen gegen Salafisten, patriotische Gesänge. Ein Programm gibt es nicht – außer einem Auftritt der Neonaziband „Kategorie C“.

Hooligans demonstrieren auf Breslauer Platz
Köln, 26.10.14: Tausende Hooligans demonstrieren auf dem Breslauer Platz. Kravalle sind vorprogrammiert.

Alkohol fließt reichlich

Schon die Ansage der Polizei, dass die Gruppierung 40 Ordner stellen solle, gerät zum Problem. „Die Ordner dürfen nicht vorbestraft und nicht als Gewalttäter registriert sein“, sagt ein Sprecher der Hooligans. Großes Gelächter. „Na ja“, sagt einer. „Normalerweise kloppen wir uns gegenseitig auf die Fresse – hier sind wir jetzt vereint.“ Der Mann hat vier Flaschen Bier in seinen Händen. Alkohol fließt an diesem Nachmittag in rauen Mengen, doch auf dem Platz bleibt zunächst trotzdem alles friedlich.

Polizei Köln zur "Hooligan-Demo"
Köln, 26.10.14: Polizeisprecher Christoph Gilles erzählt wie die Kölner Polizei sich auf die Demo vorbereitet hat.

Vereint hatten sich die Hooligans auch mit einschlägig bekannten Neonazis. Siegfried Borchardt („SS-Siggi“) ist nach Köln gekommen, Mitglied der Partei „Die Rechte“ und vor allem in Dortmund aktiv. Eine ganze Reihe seiner Parteimitglieder sind dabei, auch Pro-NRW-Vize Dominik Horst Roeseler, der die Kundgebung angemeldet hatte, sich dann aber auf Druck seiner Partei von der Gruppe offiziell distanziert hatte, ist da. „Ich bin privat hier“, sagt er auf dem Breslauer Platz.

Als sich der Demonstrationszug in Richtung Turiner Straße in Bewegung setzt, wird die Stimmung aggressiver. Die schwarz Vermummten pöbeln gegen Passanten, Polizisten und Journalisten. Die Polizei hat sämtliche Nebenstraßen abgesperrt, die zum Demonstrationsweg hinführen, damit keine Gegendemonstranten zu den Hooligans gelangen können. Doch die linken Gegner sind hier ohnehin nicht das Problem. Immer wieder zünden die Rechten Böller und werfen sie in Richtung der Polizisten.

Regelrechte Jagdszenen

Kurz vor dem Ebertplatz dann eskaliert die Situation. Regelrechte Jagdszenen spielen sich ab, der Demonstrationszug ist abrupt beendet. Nun geht es nur noch darum, die Hooligans irgendwie zurück zum Bahnhof zu geleiten. Die Bilanz der Polizei am Abend: 17 Festnahmen, 45 Verletzte, 44 von ihnen sind Polizisten, einer von ihnen wurde schwer verletzt.

Gegendemo auf dem Bahnhofsvorplatz
Köln, 26.10.14: Zahlreiche Menschen haben sich auf dem Bahnhofsvorplatz versammelt, um gegen die Hooligans und Neonazis zu demonstrieren.

Auch am Breslauer Platz, auf dem die Gruppe am Ende der abgebrochenen Demo wieder zusammenkommt, gibt es bis zum Abend immer wieder Auseinandersetzungen, dabei wird sogar ein Kastenwagen der Polizei umgekippt. Die Polizei sperrt zeitweise den Platz ab, wer zum Hauptbahnhof will, hat Pech gehabt. Auch hier setzen die Beamten noch einmal Wasserwerfer ein. Gegen 19 Uhr vermeldet ein Polizeisprecher: „Im Moment beruhigt sich die Lage, wir sorgen dafür, dass die Teilnehmer abreisen.“ Während der Abreise soll es zumindest in einem Zug laut dem Bericht einer Reisenden zu gespenstischen Szenen gekommen sein.

Die Hooligans hatten vorher auf der Facebook-Seite des Bündnisses massiv mobil gemacht für die Veranstaltung in Köln: „Dortmund toppen“, hieß es da. In Dortmund sind Ende September um die 300 Demonstranten zusammengekommen. Getoppt haben sie diese Zahl nun in Köln. Es war die größte Demo des Bündnisses, die es bisher bundesweit gab.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?