26.06.2016
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Amok-Alarm am Gymnasium Kreuzgasse: Die Angst vor dem Attentäter

Die Polizei hatte die Schule evakuiert, schwer bewaffnete SEK-Beamte haben das Gebäude durchkämmt.

Die Polizei hatte die Schule evakuiert, schwer bewaffnete SEK-Beamte haben das Gebäude durchkämmt.

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michael bause

Köln -

Die fünfte Unterrichtsstunde näherte sich am Montag gegen 12.15 Uhr dem Ende, als Streifenwagen mit Blaulicht vor dem Gymnasium Kreuzgasse an der Vogelsanger Straße bremsten. Polizisten in schusssicheren Westen eilten mit gezogenen Waffen ins Gebäude. Auf der Wiese vor der Schule setzte ein Hubschrauber ein Spezialeinsatzkommando (SEK) ab. Amok-Alarm im Grüngürtel.

Um kurz nach zwölf Uhr hatten sich vier Sechstklässler an eine Lehrerin gewandt und geschildert, sie hätten auf dem Flur im dritten Obergeschoss einen Mann mit einem schwarzen Mantel gesehen. Der Fremde hätte einen Gegenstand in der Hand gehalten, der ausgesehen hätte wie eine Pistole. Die Lehrerin rief die Polizei.

Unsicherheit und Angst

Zweieinhalb Stunden später, gegen 14.45 Uhr, gab die Einsatzleitung Entwarnung: kein Verdächtiger gefunden, kein Schuss gefallen, niemand verletzt. Unklar bleibt vorerst, ob der Unbekannte vor Eintreffen der Polizei geflüchtet war, ob die Schüler sich geirrt haben oder ob sie sich die Geschichte womöglich sogar nur ausgedacht haben.

Zunächst jedoch herrschte Unsicherheit und teilweise Angst unter Schülern wie Lehrern. „Ein Polizist kam plötzlich in die Klasse und sagte, es sei Amok-Alarm, wir sollten alle drin bleiben und abschließen“, schilderte eine Schülerin. Die Lehrerin tat das und habe alle aufgefordert, von den Fenstern wegzubleiben. Manche hätten ihre Handys herausgeholt und sich im Internet darüber informiert, was an ihrer Schule eigentlich los ist.

Nach etwa zwanzig Minuten sei erneut ein Polizist gekommen. „Es klopfte an der Tür und jemand rief »Aufmachen, Polizei«“, schilderte die Schülerin. „Die Lehrerin öffnete, obwohl ja niemand von uns wusste, ob das tatsächlich ein Polizist war oder vielleicht sogar der Amokläufer.“ Ein Problem, das sich aber auch künftig schwerlich lösen lasse, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten hätten keine Schlüssel zu den Klassenräumen. Der Polizist habe die Jugendlichen dann aus dem Gebäude geführt bis zum Schulhof, erzählt die Schülerin weiter. „Von da an sollten wir dann alleine weitergehen bis auf die Wiese zu den anderen.“

Amok-Angst am Gymnasium Kreuzgasse
Köln, 20.10.14: Mehrere Schüler sehen einen dunkel-gekleideten Mann mit einer Faustfeuerwaffe. Sofort alarmiert eine Lehrerin den Notruf. Die Polizei brachte die Schüler in Sicherheit und durchsuchte bei einem Großeinsatz das gesamte Schulgelände.

Viele Schüler glaubten zuerst an eine Übung oder einen Scherz. „Am Wochenende ist hier wohl eingebrochen worden, ich dachte, die Polizei sei deshalb hier“, sagt der 17-jährige Alexander. „Wir üben zweimal im Jahr Feuer- und Amok-Alarm, aber heute gab es kein Alarm-Klingelzeichen.“ Das berichten auch andere Schüler und Lehrer.

Faszination über den Großeinsatz

Auch Kinder und Jugendliche, die eine Freistunde hatten oder mitten in der Fünf-Minuten-Pause vor der sechsten Unterrichtsstunde von dem Einsatz erfuhren, rannten aus dem Gebäude und sammelten sich auf der Wiese gegenüber. Einige weinten, wurden von Mitschülern oder Lehrern getröstet. Viele riefen Freunde oder Eltern an, manche mit Tränen in den Augen. Bei anderen überwog die Faszination über den Großeinsatz – vor allem über den Polizeihubschrauber. Michi (11) filmte ihn mit seinem Handy. „Das zeige ich meinem Bruder“, sagte er. Ein wenig Angst habe er aber zuerst schon gehabt, als er nicht wusste, was los war.

Während sich auf der Wiese Feuerwehrmänner und Mitarbeitern des Schulpsychologischen Dienstes um die teils geschockten Kinder und Jugendlichen kümmerten, traf ein SEK im Gymnasium auf einen Mann, den die Beamten zunächst nicht zuordnen konnten. Sie hielten ihn in Schach – bis sich herausstellte, dass der Verdächtige ein Sportlehrer ist, der von dem Alarm offenbar noch nichts mitbekommen hatte.

Am heutigen Dienstag findet der Unterricht an Gymnasium Kreuzgasse zur gewohnten Uhrzeit statt. Ab 7.30 Uhr stehen Schulpsychologen bereit. Auch Schuldezernentin Agnes Klein will vor Ort sein und eine Nachbetrachtung mit den Lehrern halten.