27.08.2016
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Zwangsräumung im Agnesviertel: Alle für Kalle!

Karl-Heinz Gerigk muss aus seiner Wohnung an der Fontanestraße ausziehen.

Karl-Heinz Gerigk muss aus seiner Wohnung an der Fontanestraße ausziehen.

Foto:

Michael Bause

Innenstadt -

Karl-Heinz Gerigk ist zu einer Symbolfigur für eine bundesweite Protestbewegung geworden. Der 54-jährige städtische Angestellte soll nach 30 Jahren seine preiswerte Wohnung in der Kölner Innenstadt verlassen, sein Vermieter hat Eigenbedarf angemeldet, im Internet aber eine Luxus-Sanierung und den Weiterverkauf der Wohnung angekündigt.

Gerigks Fall steht für manchen für die Verdrängung alteingesessener Mieter aus den Innenstädten, in denen Hausbesitzer mit Luxussanierungen Profite erzielen wollen. Er ist die Galionsfigur von Bewegungen wie "Wohnraum für alle" oder "Recht auf Stadt". Es gibt Solidaritätsbekundungen auf vielen Transparenten in der Nachbarschaft, aber auch aus der autonomen Szene in Berlin. Sogar in El Salvador wurde eine Graffiti mit dem Slogan „Kalle bleibt“ gesichtet.

Karl-Heinz Gerigk hatte vor einigen Monaten auf einer Diskussionsveranstaltung zur Zukunft der Stadt seine Geschichte erzählt. Danach entwickelte sich eine Dynamik, die er mittlerweile selbst nicht mehr überblicken kann. Er habe den Überblick verloren, wer sich zurzeit alles für ihn engagieren möchte. Nicht in jeder Gesellschaft fühle er sich gleichermaßen wohl. Er wolle sich nicht vor jeden Karren spannen lassen, sagt er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Er möchte Randale im Viertel verhindern, wenn in der nächsten Woche ein Gerichtsvollzieher den Schlusspunkt in einem mehr als sechs Jahre dauernden Streit mit seinem Vermieter setzen wird.   Das Gericht hat zweimal gegen Gerigk entschieden, seine Kündigung wegen Eigenbedarfs des Vermieters ist rechtens.

Zweifel an den Absichten des Wohnungseigentümers waren aufgekommen, als die alte Dachgeschosswohnung ohne Heizung zusammen mit einer Nachbarwohnung im Internet als sanierte Eigentumswohnung zum Kauf angeboten worden war. Rund 350.000 Euro sollte eine Wohnung kosten.

Gerigks Nachbarn zogen freiwillig aus, die Wohnung wurde saniert und verkauft. Gerigk  glaubt, dass mit seiner Wohnung das Gleiche geschehen soll und der Eigenbedarf nur vorgetäuscht wird. Dies vor Gericht zu beweisen war nicht möglich. Der Eigentümer sagte aus, dass die Wohnungen im Internet erschienen sind, um Kunden für andere Projekte zu werben. Außerdem halfen ihm Zeugen, die angaben, dass er tatsächlich selber einziehen wolle.