26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Alteburger Straße: Ein Zebrastreifen ohne Genehmigung
15. January 2013
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Alteburger Straße: Ein Zebrastreifen ohne Genehmigung

Gefährlicher Eingriff: Der selbstgepinselte Zebrastreifen.

Gefährlicher Eingriff: Der selbstgepinselte Zebrastreifen.

Foto:

Süsser

Innenstadt -

Zebrastreifen ist nicht gleich Zebrastreifen: Es gibt die "echte" Markierung, die die Stadt mit einer Kaltplastik-Acrylfarbe auf die Fahrbahn aufbringen lässt. Und es gibt eine "illegale" Variante, zumindest auf der Alteburger Straße in Höhe Maternusstraße. Dort, nahe des Kreisverkehrs, ist ein Zebrastreifen zu sehen, dessen Farbe allmählich verblasst und für Autofahrer nicht wirklich gut zu erkennen ist.

"Man mag es gar nicht glauben", sagt Stefan Kemp vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik und zeigt sich irritiert. Das sei das Werk eines unbefugten Dritten. Denn an dieser Stelle sei kein Fußgängerüberweg vorgesehen, und es sei nie einer angeordnet worden. Für den Straßenexperten ist die unechte Markierung ein gefährlicher Eingriff in die Straßenordnung, denn sie sei nicht fachgerecht aufgemalt worden und erfülle keineswegs die Kriterien für einen echten Übergang. Dazu gehörten eine gute Reflexion und deutliche Sichtbarkeit auch in der Nacht sowie eine dauerhafte Haltbarkeit.

Bei diesem hier sei die Farbe zum Teil abgerieben. So eine unerlaubte Aktion habe er - in dieser Form - zum Glück noch nicht erlebt, sagt Stefan Kemp. Es würden schon mal Straßenschilder geklaut, aber diese Angelegenheit sei schon außergewöhnlich. Er habe inzwischen die Entfernung angeordnet. Und er überlege sich, ob er Strafanzeige gegen Unbekannt stellen werde.

Wie lange diese "unechten" Streifen schon vorhanden sind, ist unklar. "Mindestens drei Jahre", glaubt der Anwohner und Vater eines Schulkindes, Sebastian Schölzel. Er war es, der das Phänomen aufgedeckt hat. Vor einigen Wochen hatte er sich bei der Stadt beschwert, weil es kein übliches blaues Hinweisschild auf den Zebrastreifen gibt. Autofahrer könnten im Gegensatz zu den Fußgängern den Überweg schlecht erkennen und es komme öfter zu Missverständnissen, kritisierte er in einer E-Mail an die Stadtverwaltung. Vor kurzem erst sei ihm ein Autofahrer "blöd gekommen", als er sich als Fußgänger auf dem Zebrastreifen im Recht wähnte. "Wahrscheinlich hatte er den Überweg gar nicht gesehen", meint er.

Jeden Morgen würden viele Schulkinder auf dem Weg zur Grundschule an der Mainzer Straße an dieser Stelle über die Alteburger Straße laufen. Sebastian Schölzel hatte die Verwaltung schriftlich um ein Hinweisschild nahe dem Zebrastreifen gebeten, das Autofahrer auf das Fußgängervorrecht aufmerksam macht.

Dass die weißen Striche jetzt entfernt werden sollen, ist für Schölzel ein Schuss in den Ofen und nicht nachvollziehbar. "Dadurch wird sich die Situation für die Schulkinder nur verschlechtern", sagt der Fachanwalt für Strafrecht. Ein gesicherter Übergang sei dringend erforderlich, findet er. Außerdem sei an der Stelle eine Absenkung des Bordsteins vorhanden, die darauf hinweise, dass irgendwann einmal tatsächlich ein Zebrastreifen geplant gewesen sei. Auch die Schulleiterin Barbara Sengelhoff von der nahen KGS Mainzer Straße hält einen deutlich markierten Überweg für erforderlich. Der Bereich sei sehr unübersichtlich und werde häufig genutzt, meint sie.

Demgegenüber glaubt der städtische Straßenexperte nicht, dass dort eine Markierung nötig sei. Erst vor kurzem wurde der Bereich umgestaltet und es entstand ein Kreisverkehr. Ein Zebrastreifen habe nicht zur Debatte gestanden, sagt Kemp. Dennoch wolle er die Sache nochmal prüfen. Für die Anlage eines Zebrastreifens bestehen komplizierte Richtlinien. Es muss unter anderem eine bestimmte Mindestzahl von Fußgängern und von Autofahrern vorliegen. Empfohlen wird beispielsweise ein Überweg erst dann, wenn in einer Stunde mehr als 100 Fußgänger und mehr als 300 Fahrzeuge die Straße passieren.