29.07.2016
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Archäologen an Oper: Überreste von Römern und Dieben

Fundstücke Opernsanierung

Eine Büste aus dem 19. Jahrhundert wurde im Zuge der Opernsanierung aus dem Boden geholt.

Foto:

Peter Rakoczy

Köln -

Eine umgestürzte römische Wand, zusammenhängend vier mal zwei Meter groß und nur an einer Stelle von einer modernen Betonsäule aufgespießt – das haben die Archäologen in dieser Größe noch nie in einer Kölner Baugrube gefunden. Auf dem Gelände der Oper an der Krebsgasse hatten sie dieses Glück. Die Mauer wurde geborgen und soll bei der Neugestaltung des Römisch-Germanischen Museums eine Rolle spielen. Mit ihrer Hilfe kann man nämlich einen Wohnraum des römischen Köln mit Original-Fundstücken vom Bodenmosaik bis zur Wandbemalung beispielhaft rekonstruieren. Das Mauerstück und mehrere andere – teils kuriose – Fundstücke vom Bauplatz der städtischen Bühnen stellte Marcus Trier, Chef der Bodendenkmalpflege in Köln, jetzt vor.

Der Fund war eine Überraschung für die Archäologen. „Nach den Bauplänen waren beim Bau der Oper an dieser Stelle zahlreiche massive Punktfundamente in den Boden gesetzt worden, so dass wir kaum noch mit Funden aus der Römerzeit gerechnet hatten. Aber offenbar hat man die eine oder andere Säule weggelassen“, erläuterte Trier. So fanden seine Mitarbeiter Ende Januar nicht nur das große Mauerstück, sondern auch Fragmente einer Sockelzone. In einer Schlammschlacht unter widrigen Wetterbedingungen holten die Ausgräber aus drei Metern Tiefe insgesamt 150 Kisten mit Wandstücken von der Wende zum 2. Jahrhundert. Trier rechnet damit, dass die Restaurierung ein Jahr lang dauern wird.

Bei der Grabung auf dem Platz vor dem Eingang des Schauspielhauses bargen die Archäologen sehr viel jüngere Relikte. Hier tauchten dicht an dicht Keller der Vorkriegszeit auf, denn da, wo heute Offenbachplatz und Bühnen zu finden sind, stand bis zum Krieg ein Wohnquartier.

Häufig finden die Archäologen in solchen Kellern verschüttete Kohle- oder Weinvorräte. Zu den Fundstücken aus dem 19. und 20. Jahrhundert gehörten diesmal aber ein 60 Zentimeter hoher Frauenkopf aus Bronze, eine Hummel-Figur und eine Jugendstilvase aus Meißen. „Das Bild der Archäologie wandelt sich, und wir beschäftigen uns heute auch mit solchen Dingen“, sagt Trier, der den Frauenkopf restaurieren lassen will.

Bierkrüge eher von einem „Imi“

Einige der „erdfrischen Fundstücke“ beflügeln die Fantasie besonders. So bargen die Archäologen sechs Taschenuhren, die am Rand einer Zisterne versteckt waren. „Das riecht danach, dass ein Langfinger hier seine Beute versteckt hat“, meint Trier. Urkölsch dürfte es wohl in dem Haus zugegangen sein, aus dem ein Konvolut von Orden der Großen Kölner aus den Jahren 1898 bis 1926 auftauchte. Der Besitzer von zwei Bierkrügen wird dagegen eher ein „Imi“ aus dem Süden Deutschlands gewesen sei. Die Inschrift huldigt nämlich nicht dem Kölsch, sondern einem anderen Brauprodukt. „Hätt’ Adam bayrisch Bier besessen, hätt’ er den Apfel nicht gegessen“, heißt es da.

Die Chance, einen Platz im Römisch-Germanischen Museum zu bekommen, haben solche Funde natürlich nicht. Gewöhnlich werden Objekte aus dem Mittelalter und jüngeren Zeiten dem Stadtmuseum angeboten. Diesmal kommt allerdings auch eine andere Lösung infrage. Da man die alte Adresse des Fundortes kennt – die ehemaligen Häuser 33, 35 und 37 der Streitzeuggasse –, könnte man die damaligen Besitzer oder ihre Nachfahren vielleicht noch ermitteln. Dass diese sich selbst melden, erwartet Trier zumindest im Fall der Taschenuhren nicht.