28.07.2016
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Christuskirche: Nur der Turm bleibt stehen

Der Umbau der Kirche kostet 9,1 Millionen Euro. Nur der Turm wird stehen bleiben. BILD: peter RAKOCZY

Der Umbau der Kirche kostet 9,1 Millionen Euro. Nur der Turm wird stehen bleiben.

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Rakoczy

Köln -

Der Countdown läuft. Wer auf die Homepage der Initiative „Rettet die Christuskirche“ kommt, sieht eine rückwärts laufende Uhr, die die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden anzeigt, die es noch bis zum Teilabbruch des Gotteshauses dauert. 42 Tage werden es am heutigen Dienstag sein. Wenn die Kirche für den Umbau und Abbruch geschlossen wird, geht für die Initiative „ein Stück Stadtgeschichte verloren“, wie Sprecher Jürgen Keuler sagt.

Der Reihe nach: Vom 1. September an soll die evangelische Kirche an der Herwarthstraße in großen Teilen umgebaut werden. Vom heutigen Bau sollen lediglich der denkmalgeschützte Turm und das Untergeschoss übrig bleiben, das Kirchenschiff wird abgebrochen und durch zwei Gebäuderiegel ersetzt, in dem Wohnungen, Geschäfte, ein Betraum für 200 Menschen und Kirchenbüros untergebracht werden.

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Den Weg frei gemacht für den Umbau haben Rat und Bezirksvertretung Innenstadt bereits im April mit einem Bebauungsplan. Jetzt fehlt der Gemeinde, die den Umbau in Eigenregie durchführt, nur noch die Unterschrift der Stadt unter dem Bauantrag. Der wird aber fristgerecht erfolgen, meint die Kirche. „Wir liegen voll im Zeitplan“, sagt Mathias Bonhoeffer, Presbyteriumsvorsitzender der evangelischen Kirche Köln.

Sensible Angelehenheit

Geht aus Sicht der Gemeinde alles gut, wird im September zunächst die Orgel ausgelagert, ab Oktober könnten Sträucher und Bäume gerodet werden. Anschließend sollen die Abbrucharbeiten beginnen und eine Grube für die geplante Tiefgarage mit 28 Stellplätzen ausgehoben werden. Insgesamt rechnet Bonhoeffer mit einer Bauzeit von 18 Monaten. Knifflig könnten die Arbeiten rund um die denkmalgeschützte Empore werden, um die die Bauarbeiten herum durchgeführt werden.

Der 9,1 Millionen Euro teure Umbau, den die Gemeinde aus eigenen Mitteln und Krediten finanziert, sei nötig, weil die Kirche in die Jahre gekommen sei, so Bonhoeffer. Das Dach sei reparaturbedürftig, Böden und Wände ebenso, von der mangelnden Dämmung gar nicht zu sprechen. Seit den 70er Jahren habe die Gemeinde nur Flickschusterei am Bau betrieben, weil man die Christuskirche ohnehin habe umgestalten wollen.

Der Umbau einer Kirche ist für viele Gemeindemitglieder eine sensible Angelegenheit. „Wir tun mit dem Umbau Menschen weh“, sagt Bonhoeffer. Menschen, deren Eltern Bombennächte in der Kirche verbracht haben, Menschen, die im Schatten der Christuskirche aufgewachsen sind. „Aber es gab keine Alternative. Wir hatten schon darüber diskutiert, den Standort ganz aufzugeben.“ Da sei der Umbau die bessere Lösung.

Kritik an hochpreisigen Wohnungen

Nicht alle Anwohner sehen das so. Die Initiative „Rettet die Christuskirche“ hatte im vergangenen Jahr bereits 750 Unterschriften gesammelt und Bezirksbürgermeister Andreas Hupke übergeben, um den Abbruch des Kirchenschiffs zu verhindern. Eine Online-Petition haben mehr als 500 Menschen unterzeichnet, die Facebook-Seite wird von mehr als 300 Internetnutzern unterstützt. „Die Kirche hat ihren eigenen Charme“, so Sprecher Keuler. Immerhin sei die 1894 errichtete Kirche, deren Kirchenschiff nach einem Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg 1951 wieder aufgebaut wurde, die erste evangelische Kirche gewesen, die von Gemeindegeldern errichtet wurde. Statt des Teilabbruchs hätte man die Kirche lieber umfassend sanieren sollen.

Die Initiative wirft der Kirche auch vor, keinen Platz für sozialen Wohnungsbau zu schaffen. Stattdessen würden hochpreisige Wohnungen errichtet, die für 13 bis 15 Euro pro Quadratmeter vermietet würden. Bonhoeffer wiederum betont, dass die Gemeinde das Geld dringend für karitative Projekte benötige. Selbst die Initiative glaubt mittlerweile kaum noch, die Gemeinde umstimmen zu können. Die Uhr für den Abbruch des Kirchenschiffs wird also weiter laufen.