30.08.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt
Kölner Stadt-Anzeiger | Deutz-Rundgang: Die Schäl Sick wird schick
21. March 2013
http://www.ksta.de/5576270
©

Deutz-Rundgang: Die Schäl Sick wird schick

Umsehen in Deutz - mit herrlichem Blick auf den Dom.

Umsehen in Deutz - mit herrlichem Blick auf den Dom.

Foto:

Koll

Deutz -

In der Kasemattenstraße kommen Hans Josef Bosbach die Gedanken an den Geigenunterricht in den Sinn. Im Schulorchester hatte er gespielt, zwischen 1956 und 1959. Damals besuchte er die Oberstufe des Gymnasiums an der Schaurtestraße, und durch die Kasemattenstraße ist er früher häufig gegangen. Dass die Straße nach einer preußischen Befestigung von 1816 benannt ist, wusste Bosbach allerdings nicht.

Das erfährt der Ruheständler aus Overath, als er schon fast zwei Stunden lang mit Stadtführerin Ute Fendel unterwegs ist. Sie bringt ihm und 14 weiteren Teilnehmern eines Rundgangs Deutz nahe. Für elf Euro haben sie sich Tickets bei Köln-Tourismus besorgt, schauen sich nun den rechtsrheinischen Stadtteil an, der zur Kölner Innenstadt zählt. Motto der Tour: „Die Schäl Sick wird schick“ - es geht um Strukturwandel, um alte Industrieanlagen und um neue Architektur.

Annexion eines Bahnhof

Das verdeutlicht Fendel etwa am sogenannten Köln-Triangle, dem Turm, der vom Fuße der Hohenzollernbrücke aus 103,20 Meter in den Himmel ragt. „Ältere Kölner sagen noch LVR-Turm“, weiß Fendel. „Das liegt daran, dass er von 2004 bis 2006 im Auftrag der rheinischen Versorgungskasse gebaut worden war, die zum Landschaftsverband Rheinland gehört.“ Allerdings heiße das Gebäude wegen der Architektur offiziell Köln-Triangle. „Der Turm besteht aus drei nach außen gewölbten Fassaden. Ein Symbol für die Form eines Wankelmotors.“

Einen zweiten Motor hatte Fendel für den Start des Veedelsrundgangs gewählt: Den Otto-Motor, an den das Otto-Denkmal vor dem Deutzer Bahnhof erinnert. „Den Motor hat Nikolaus Otto zwar am Eigelstein entwickelt, aber da dort kein Platz für die Fertigung war, ist er für die Produktion nach Deutz gegangen“, sagt Fendel. Und dann weist sie auf den Namen des Bahnhofs hin: Köln Messe/Deutz steht über dem Haupteingang. „Neulich“, erzählt Fendel, „habe ich am Automaten versucht, mir eine Fahrkarte nach Deutz zu ziehen, aber das hat nicht geklappt.“ Sie hatte den Namen des Bahnhofs ohne den Messe-Zusatz eingegeben. „Wir haben keinen Deutzer Bahnhof mehr, die Messe hat ihn annektiert. Solche Alltags-Kleinigkeiten faszinieren mich“, scherzt Fendel.

Per du mit Deutz

Wegen solcher Details nehmen Maike Bihn und Stephan Manteuffel am Rundgang teil. „Wir möchten unseren Stadtteil besser kennenlernen und auf Dinge aufmerksam werden, die man im Alltag nicht so mitbekommt“, sagt Manteuffel. Wie die Gedenktafel am Eingang des früheren Bahnhofs Deutz-Tief an der Messe-Seite der Station. Die Tafel erinnert an die mehr als 1500 Sinti und Roma sowie mehr als 1100 Juden, die von dem nationalsozialistischen Regime von Deutz aus deportiert worden sind. „Über diese Treppe gingen viele Menschen in den Tod“, heißt es in der Inschrift.

Seit elf Jahren arbeitet Fendel als Stadtführerin. Was die Architekturhistorikerin an der Aufgabe reizt? „Ich habe mit Menschen zu tun, das hält die Arbeit lebendig, und ich habe einfach Freude daran, meine Stadt zu zeigen.“

So auch die Abkürzung zum Tanzbrunnen, die am Eingang zum HDI-Gebäude am Charles-de-Gaulles-Platz 1 beginnt. Durch diesen Teil des Messekomplexes führt ein öffentlicher überdachter Weg, bepflanzt mit Bambus und Kamelien. Bihn: „Den probieren wir beim nächsten Konzert aus.“

Inspiration für Radtouren

Anregungen für den Sommer holt sich auch Monika Hössler bei dem Rundgang. Die Bayenthalerin radelt gern und sammelt auf solchen Touren neue Ideen: „Ich werde im Sommer an die Deutzer Freiheit zurückkehren und mir die alten Gässchen in Ruhe anschauen.“

Die verbindet Fendel mit Anekdoten wie der über die Kneipe „Zur guten Quelle“ - einst eine von elf Brauereien auf der Deutzer Freiheit. In ihnen entstand das sogenannte Deutzer Dollbier, vor dem der Erzbischof ausdrücklich warnte. „Die Braumeister stellten das Bier aus Kräutern her, nicht aus Hopfen“, erläutert Fendel. Das habe dem Kirchenoberen nicht gepasst, denn so umgingen die Deutzer das Braumonopol der Stadt. „Und das“, berichtet Fendel, „verwaltete der Erzbischof.“


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?