31.07.2016
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Georgsviertel: Kritiker wollen Ort des Austauschs

Die Pläne für das Georgsviertel, von der Severinstraße her gesehen.

Die Pläne für das Georgsviertel, von der Severinstraße her gesehen.

Foto:

Goyert

Innenstadt -

Als „herbe Enttäuschung, wenn nicht sogar als Affront“ wertet die Initiative Archivkomplex das Ergebnis des Wettbewerbs für die Erweiterung der Kaiserin-Augusta-Schule und die Neugestaltung des Georgsviertels. Die Art und Weise, wie der Siegerentwurf des Leipziger Architekturbüros Zila das Thema eines Gedenkorts für das eingestürzte Stadtarchiv und die beiden Todesopfer behandle, ist in ihren Augen völlig unzureichend. „So mit seiner Geschichte umzugehen, kann sich eine Stadt mit einer so langen geschichtlichen Erfahrung wie Köln nicht erlauben“, sagt Künstlerin Barbara Thiess.

Das Büro Zila sieht an der Stelle des Stadtarchivs Wohnbebauung vor; zwischen dem neuen Block und der bestehenden Bebauung ist als „Ort der Erinnerung“ ein schmaler Baukörper vorgesehen, unter dem man hindurchgehen kann, um die neue Sporthalle des Gymnasiums und einen kleinen Gedenkgarten zu erreichen.

„Die Chance, hier einen ganz besonderen Ort zu schaffen, der Geschichte und Erinnerung mit zukünftigem öffentlichen Leben und Austausch vital verbindet, wird durch eine banale Blockrandbebauung verspielt“, heißt es in einer Erklärung von Archivkomplex, die bislang von rund 120 Kölnern unterschrieben wurde.

Eingequetschter Garten

Unterzeichner sind unter anderem Ex-Bundesminister Gerhart Baum, Schauspielintendantin Karin Beier, der Schriftsteller Dieter Wellershof und der katholische Pfarrer von St. Georg, Hermann-Josef Reuther. Das Gebäude an der Severinstraße wirke wie „eine hochgestellte Streichholzschachtel“, kritisiert Künstlerin Dorothee Joachim. Der Garten werde „zwischen dem aufragenden Appartementhaus und einer blockfüllenden Sportstätte eingequetscht“.

Wesentliche Anregungen aus einem Workshop, der vor dem Wettbewerb stattgefunden hatte, seien in keiner Weise berücksichtigt. Die Initiative hat keinen Gegenentwurf in der Schublade, aber sie fordert eine breite öffentliche und ausführliche Auseinandersetzung mit der künftigen Gestaltung des Einsturzorts. Völlig unstrittig ist für die Archivkomplex-Vertreter, dass die Schulneubauten „so schnell wie möglich“ errichtet werden müssten.

Keinerlei Zeitdruck

Aber eine Entscheidung über einen Gedenkort könne von diesen Plänen abgekoppelt werden. „Wir haben keinerlei Zeitdruck“, betont Architekt Peter Busmann. Das Grundstück müsse zudem in städtischer Hand bleiben und dürfe „keinesfalls trivialen Vermarktungsinteressen geopfert werden“.

Die Vertreter der Initiative wünschen sich kein Mahnmal, keinen reinen Ort der Trauer, sondern vielmehr einen zukunftsweisenden „Ort des Zusammenkommens, des Austauschs“. Künstlerin Thiess hat als eine Idee eine Art „Markthalle“ skizziert – oder als Alternative den Vorschlag, an der Einsturzstelle einen Krater zu belassen, der begrünt und seitlich mit unterirdischen Räumen ausgestattet wird, die für Veranstaltungen genutzt werden können.

www.archivkomplex.de