29.09.2016
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Gottesdienst-Zeiten: Experiment mit Messe am Mittag

Für die neue Gottesdienst-Zeit werben Plakate rund um die Kirche St. Michael am Brüsseler Platz.

Für die neue Gottesdienst-Zeit werben Plakate rund um die Kirche St. Michael am Brüsseler Platz.

Foto:

Goyert

Innenstadt -

„Jetzt schlägt’s 13!“ Die Plakate, gelbe Schrift auf blauem Grund, hängen rund um die Kirche St. Michael am Brüsseler Platz. Und sie werben für ein ungewöhnliches Projekt der katholischen Kirchengemeinde, ein Experiment: Seit kurzem beginnt der Sonntagsgottesdienst in St. Michael um 13 Uhr – so spät wie sonst nirgendwo in der Stadt. „Wir wollen mit dem Angebot auf die veränderten Lebensgewohnheiten der Menschen im Viertel reagieren“, sagt Klaus Werner Bußmann, Pfarrvikar in der Gemeinde St. Gereon, zu der auch St. Michael gehört.

Frühstück, Kirchgang, Mittagessen – diese Form der Sonntagskultur sei nicht mehr die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen, der Künstler, Designer, Modeschöpfer oder Medienschaffenden, von denen viele im Belgischen Viertel wohnen.

Die Mittags-Messe ist ein weiterer Schritt in dem Bemühen der Pfarrei, sich dem Viertel zu öffnen – was ihr mit dem inzwischen fest etablierten Kultur-Projekt „Art & Amen“ bereits gut gelungen ist. „Aber unser Angebot richtet sich natürlich nicht nur an unsere Gemeindemitglieder“, sagt Bußmann. „Es ist offen für die ganze Stadt.“ Der Wortgottesdienst findet nach den Worten des Geistlichen in einem „Stuhlkreis“ im Querschiff statt, die Eucharistiefeier dann am Altar. Geplant sei, auch neue musikalische Elemente einzubauen. „Wir wollen da ein bisschen experimentieren.“

Ein Geistlicher könnte alle drei Messen halten

Die Neuregelung hat laut Bußmann allerdings auch einen ganz praktischen Hintergrund: Durch die Entzerrung der Gottesdienstzeiten in den drei Kirchen St. Gereon, St. Michael und St. Alban könne zur Not ein Geistlicher alle drei Sonntagsmessen halten.

Nicht alle Gemeindemitglieder seien vom späteren Messbeginn begeistert gewesen, räumt der Pfarrvikar ein. Aber zum einen gebe es in St. Michael eine Messe am Samstag um 18 Uhr, zum anderen böten die umliegenden Kirchen Sonntagsmessen zu „gewohnten“ Zeiten an.

In den ersten Gottesdiensten zur Mittagszeit hat Bußmann nach seinen eigenen Worten bereits einige neue Gesichter entdeckt und ist mit den Besuchern ins Gespräch gekommen. Und die Werbung soll noch verstärkt werden: Bußmann will Handzettel in den umliegenden Kneipen verteilen.