27.09.2016
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Kita-Ausbau: Protest gegen Überbelegung

Für Qualität, gegen Überlastung: Beschäftigte von Kindertagesstätten zogen mit Trillerpfeilen und Transparenten durch die Innenstadt.

Für Qualität, gegen Überlastung: Beschäftigte von Kindertagesstätten zogen mit Trillerpfeilen und Transparenten durch die Innenstadt.

Foto:

Michael Bause

Innenstadt -

Rund 2000 Mitarbeiter der städtischen Kitas und Eltern haben am Freitag in Köln ihrem Ärger über den Ausbau der Betreuungsplätze für unter Dreijährige Luft gemacht. Bei einer Demonstration zogen sie am Mittag vom Staatenhaus an der Messe über den Ottoplatz und die Deutzer Brücke zum Alter Markt. Der Autoverkehr musste wegen der Sperrung der Strecke zeitweise umgeleitet werden.

Ab dem 1. August besteht für Eltern ein Rechtsanspruch auf einen U3-Platz in einer Kita. Die Beschäftigten befürchten, dass die zusätzlichen Kapazitäten auf ihre Kosten geschaffen werden, indem die Gruppen überbelegt werden. Unter anderem soll die Stadt Kita-Plätze eingerechnet haben, obwohl die dafür benötigten Gebäude noch gar nicht errichtet wurden. Die Demonstranten hielten Transparente mit Sätzen wie „Gruppe voll, Windel voll, Nase voll“ hoch und wiederholten immer wieder laut rufend „Wir sind hier, wir sind laut, weil man keine Kitas baut“.

Auf dem gut gefüllten Alter Markt fand unter den Fenstern des Rathauses eine Kundgebung der Gewerkschaft Verdi statt. „Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung die Lasten immer weiter nach unten zu den Kommunen schiebt“, sagte Sabine Bruns, Personalratsvorsitzende der städtischen Kitas. Der Stadt warf sie vor, seit 2006 von dem Rechtsanspruch gewusst, aber dennoch erst 2012 eine spezielle Arbeitsgruppe für das Thema eingerichtet zu haben. Petra Höfels vom Jugendamtselternbeirat, der die Interessen der Eltern mit Kita-Kindern vertritt, erklärte sich solidarisch mit den Kita-Mitarbeitern und lehnte eine Überbelegung der Kitas kategorisch ab.

Unterstützt wurden die Demonstranten vom Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske, der eine Neufassung des Kita-Gesetzes in NRW forderte: „Wir wollen keine Verkleinerung der Gruppen, aber mehr Fachkräfte.“ Eine Gruppenstärke von über 20 Kindern müsse zudem ausgeschlossen werden. Gleichzeitig rief er dazu auf, den Beruf der Erzieher aufzuwerten und die Ausbildungskapazitäten zu erhöhen. Die Erzieher und Pflegekräfte befänden sich bereits jetzt in einem gesundheitlich bedenklichen Bereich, da sie deutlich überbelastet seien. Hinzu kämen prekäre Beschäftigungsverhältnisse mit befristeten Verträgen und Teilzeit-Arbeit.

Bildungsdezernentin Agnes Klein hatte betont, dass eine U-3-Abdeckung von 40 Prozent zum 1. August ausschließlich erreicht werde, indem zusätzliche Plätze geschaffen wurden. Eine Überbelegung habe die Stadt nicht eingerechnet. Sie räumte allerdings ein, dass derzeit mit dem Personalrat über eine Erweiterung der Gruppen verhandelt wird, um einen Puffer über die 40-Prozent-Abdeckung hinaus zu schaffen.


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