27.09.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Kongress in Köln: Den Geisterjägern auf der Spur

Zaubershow mit Ralf Weber

Zaubershow mit Ralf Weber

Foto:

Christoph Hennes

Innenstadt -

Wer ein findiger Geisterjäger werden will, benötigt erst einmal allerlei technisches Gerät: einen Gaußmeter zum Beispiel, mit dem elektromagnetische Wellen wahrgenommen werden können. Oder ein simples Diktiergerät, das in Radiorauschen Stimmen aus dem Jenseits einfangen soll. Dazu Nachtsichtgeräte, Fotoapparate und Videokameras. 30 Geisterjäger-Teams gibt es in Deutschland, durchschnittlich bearbeiten sie einmal im Monat einen Fall. Autor und Diplom-Psychologe Sebastian Bartoschek hat in den vergangenen Monaten sechs Ghostbuster-Mannschaften bei der Arbeit in angeblichen Spukhäusern beobachtet. Mehr als ein paar Orbs haben die Ghostbusters allerdings nie auf Fotos festhalten können – unerklärliche weiße Flecken, die sich später als Schmutzflecken auf den Foto-Objektiven entpuppten.

Bartoschek gehörte zu den Referenten beim Bundeskongress der GWUP im Komed im Mediapark. Die GWUP, das ist die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ – ein Verband von Skeptikern mit 1100 Mitgliedern in Deutschland. 250 von ihnen waren nach Köln gekommen, um sich kritisch mit Geistern, Aberglauben und alternativer Medizin auseinanderzusetzen. Der 1987 gegründete Verband wurde durch seine Wünschelruten-Tests bekannt: Jährlich können Wünschelruten-Gänger ihr Können bei einem Skeptiker-Treffen in Bayern testen lassen – und 10 000 Euro gewinnen. „Geschafft hat das noch niemand“, sagt der Kölner Skeptiker-Chef Rouven Schaefer. „Viele haben anschließend Tränen in den Augen, weil sie zuvor wirklich an ihre Fähigkeiten geglaubt haben.“

Moderne Großstadt-Grusel-Legenden

Auch beim Kongress ging es um zahlreiche Nischenthemen, über die sich trefflich streiten lässt: Jan Oude-Aost referierte über „Pseudomedizin bei Autismus“, Heike Dierbach warnte vor „Seelenpfuschern“, die mit dubiosen Psycho-Methoden Patienten schädigten. Alexa und Alexander Waschkau berichteten über moderne Großstadt-Grusel-Legenden: Geschichten von Bloody Marys, Frauen mit blutigen Fratzen, die Jugendliche bei Pyjama-Partys bedrohen sollen. Oder vom Slender Man, einer gesichtslosen, hageren Gestalt, die Kinder verschleppen soll, und mittlerweile im Internet über eine beträchtliche Fangemeinde verfügt. „Legenden haben zu allen Zeiten Konjunktur.“, sagt Alexa Waschkau. „Durch das Internet verbreiten sie sich aber viel schneller.“

Auch in Deutschland blüht der Glaube ans Irrationale: Immerhin glauben einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (2005) 42 Prozent der Bundesbürger an die glückbringenden Eigenschaften von Kleeblättern, und immerhin 25 Prozent fürchten sich vor schwarzen Katzen. Wer in der Suchmaschine Google das Stichwort „Esoterik-Berater“ eingibt, erhält 173 000 Treffer. Kein Wunder also, dass auf Esoterik-Messen Bernsteine, die Krebs heilen sollen, für Hunderte von Euro verkauft werden, und die Esoterik-Industrie einen Millionen-Umsatz macht. Zum Beispiel mit dem Grander-Wasser, dem der Tiroler Vertreiber Johann Grander therapeutische Eigenschaften zuschreibt. Wissenschaftlich belegt worden sei das bislang nicht, so der Kölner Skeptiker Schaefer.

Die größten Skeptiker seien übrigens Kinder, sagte der Kriminologe Mark Benecke, der als Referent zum Kongress eingeladen war. „Wenn man die abends ins Bett schickt, fragen sie nur »Warum?«