30.06.2016
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Nach 25 Jahren in den Ruhestand: Doorman Wignarajah macht im Hyatt die Tür zu

Joseph Wignarajah geht nach 25 Jahren in Rente. (Bild: Goyert)

Joseph Wignarajah geht nach 25 Jahren in Rente. (Bild: Goyert)

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martina goyert

Köln -

Er traf sie alle. Ob Michael Jackson, Billy Idol oder Harrison Ford. Ob Lana del Rey, Phil Collins oder Bruce Springsteen. Joseph Wignarajah ist der „Doorman“ des Hyatt Regency. Seit dem 10. März 1989, einem guten Jahr nach der Eröffnung des Hauses, begrüßt er die Gäste am Eingang, fährt ihre Autos in die Garage, erledigt kleine Gefälligkeiten. Für seine Kollegen ist er eine Institution. Weil er schon immer da war. Ihnen gezeigt hat, worauf es in einem Fünfsternehotel ankommt, was es bedeutet, aufmerksam zu sein. Und weil er Geschichten von Stars erzählen kann, die auch seine eigenen sind. Am kommenden Freitag wird Wignarajah, den alle nur „Joe“ nennen, das letzte Mal an der Türe stehen. Der 65-Jährige geht in den Ruhestand.

„Shirley, es ist zwei Uhr, ich muss ins Bett“

Wignarajah spricht mit leichtem Akzent, leise, bedacht. All die Geschichten, die sich in seinem Kopf sammeln, sprudeln nicht einfach aus ihm heraus. Er geht sensibel damit um, sieht die Stars nicht als Stars. Über den Rummel, der veranstaltet wird, wenn die internationale Prominenz in der Stadt ist, kann er nur lächeln. „Ich sehe diese Leute einfach als Menschen“, sagt er, „die eben irgendeine besondere Begabung haben.“ Da macht er auch bei Michael Jackson keine Ausnahme. Den habe er einst in die Buchhandlung König begleitet, Architekturbücher sollten es sein. „Frag Joe ob er mit will“, hatte Jackson ausrichten lassen. Im Auto hätten sie dann über die Familie und seine Herkunft gesprochen. Wignarajah stammt aus Sri Lanka, dem ehemaligen Ceylon. „Am Tag der Abreise habe ich ihm dann eine kleine Schachtel gegeben und gesagt: «Gib die deiner Mutter und sag, dass sie von Joe sind»“, erzählt er. Darin: Diamantenohrringe. Ein indischer Milliardär hatte ihm die Ohrringe geschenkt – als „Mitbringsel“ für seine Tochter. „Aber die war da erst drei“, Wignarajah lacht. „Was sollte die denn damit?“ Und plötzlich gerät der 65-Jährige dann doch ins Plaudern. Mit Udo Lindenberg habe er mal die Nacht in der Filmdose verbracht, zu zweit seien sie dann ins Café Central spaziert. Mit Billy Idol sei er im Bruegel versackt. Und Shirley Bassey habe er mal zum Konzert nach Düsseldorf begleitet. Einen anschließenden Restaurantbesuch habe er dann mit den Worten beendet: „Shirley, es ist zwei Uhr, ich muss ins Bett.“

Er redet in Ereignissen

Joseph Wignarajah bewegt sich langsam durch die Hotellobby. Er humpelt ein bisschen weil sein Knie schmerzt. Wenn er aus seinem Leben erzählt, geht es nicht um Daten. Jahreszahlen merkt er sich nicht. Er redet in Ereignissen, vom ersten Irakkrieg oder der Geiselnahme in der iranischen Botschaft 1979. Nach Deutschland kam der Vater zweier Töchter 1972, im Jahr der Olympischen Spiele – mit dem Auto. Und mit Bussen und Zügen, fügt er dann doch hinzu. Durch Indien, Afghanistan, den Iran, Istanbul und Österreich sei er nach München gereist, wo er „hängenblieb“. 1990 zog er dann nach Köln, pendelte die erste Zeit zu seiner Arbeitsstätte. Heute wohnt er am Rathenauplatz. Als Wagenmeister, wie man seinen Beruf übersetzen würde, arbeitet Wignarajah erst seit seiner Anstellung im Hyatt. Für ihn ist es einer der wichtigsten Berufe im Hotel. „Wenn der Anfang nicht klappt, kommen die Gäste nicht zurück.“ Seine Kollegen werden ihren „Joe“ vermissen. Der Mann, der ihnen beigebracht hat, den Knopf am Aufzug noch vor dem Gast zu drücken. Und der, der immer irgendwo steckte, weil er sich um die Begehrlichkeiten eines Reisenden kümmerte. Er aber freut sich auf den Ruhestand. „Ich will jetzt erstmal meine Ruhe haben“, sagt er lächelnd. Dann soll es irgendwann nach Südindien gehen – wegen dem Klima. Und weil es in Kanyakumari die schönsten Sonnenaufgänge geben soll.