25.07.2016
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Prof. Hiltrud Kier: „Warum die Wunde so schnell schließen?“

Die frühere Stadtkonservatorin Hiltrud Kier.

Die frühere Stadtkonservatorin Hiltrud Kier.

Foto:

Max Grönert

Die frühere Stadtkonservatorin Hiltrud Kier regt einen umfassenden Ideen-Wettbewerb zur künftigen Gestaltung des ehemaligen Archivgeländes an der Severinstraße an.

Die städtische Planung sieht bislang vor, die Wiederbebauung des Grundstückes nach Schließung des U-Bahn-Lochs anzugehen. Zunächst sollen Erweiterungswünsche des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums und der Kaiserin-Augusta-Schule (etwa in Form einer allgemein nutzbaren Turn- oder Multifunktionshalle) berücksichtigt werden, zudem ist eine „maßstäblich sich einfügende Wohnbebauung“ mit integriertem Gedenkraum im Gespräch, die das Viertel „mit neuem Leben“ erfüllen soll – so hat sich zumindest der frühere Baudezernent Bernd Streitberger nach einem Workshop im Sommer 2011 geäußert.

Kier, Vorstandsmitglied des Fördervereins „Freunde des Historischen Archivs“, stellt dagegen in einem Thesenpapier die Frage, ob der Einsturz des Stadtarchivs mit einer derartigen Bebauung angemessen bewältigt werde: „Warum die Wunde so schnell schließen?“ Das Bewusstsein, dass der Einsturz eine Katastrophe ungeheuren Ausmaßes darstellt, „ist in Köln noch immer präsent, stärker, als dies sonst bei normalen Unglücksfällen zu beobachten ist.“ Kier will die Verantwortlichen in der Verwaltung dahin bringen, planerische Wettbewerbe für dieses „besondere Grundstück“ auszuloben, „um im produktiven Sinn die Fähigkeit der Kölner zu Trauer und Einsicht zu dokumentieren“.

Schließlich würden in dieser Stadt „viele Wettbewerbe durchgeführt, Gutachten in Auftrag gegeben, die tatsächliche Aktivitäten ersetzen oder verschleiern sollen“, glaubt Kier.

Die Stadt Köln habe nicht zuletzt eine Verpflichtung gegenüber den beiden jungen Menschen, die bei der Katastrophe am 3. März 2009 ums Leben gekommen sind. Der „absolut unnötige Bau“ der U-Bahn-Linie habe zudem zu viele historische Bauten in Mitleidenschaft gezogen, das Rathaus, die Kirchen St. Maria im Kapitol, St. Georg, St. Johann Baptist und St. Severin.

„Der sorglose Umgang der Planer mit den historischen Bauten fand seinen Höhepunkt mit der Anlage der besonders tiefen Grube in der Severinstraße zwischen Historischem Archiv und Friedrich-Wilhelm-Gymnasium.“

Eine Gedenkstätte des Archiveinsturzes müsse von „beeindruckender Qualität“ sein wie etwa die Ruine von Alt-St. Alban oder der Kreuzhof von St. Georg, die an die Toten der Kriege erinnerten – auf jeden Fall deutlich über einen „integrierten Gedenkraum“ hinausgingen.