24.07.2016
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Pussy-Riot-Aktion: Protestler stürmen den Dom

Zwei Demonstranten halten am Sonntag auf dem Platz vor dem Koelner Dom ein Transparent mit der Aufschrift "Free Pussy Riot And All Prisoners".

Zwei Demonstranten halten am Sonntag auf dem Platz vor dem Koelner Dom ein Transparent mit der Aufschrift "Free Pussy Riot And All Prisoners".

Foto:

dapd

Köln -

Sympathiebekundungen für die russische Punkband Pussy Riot erlebten am Sonntagmorgen Besucher des Gottesdienstes im Kölner Dom: Drei maskierte Sympathisanten der in Moskau zu zwei Jahren Lager verurteilten Frauen stürmten ihrer Darstellung nach bunt kostümiert in Richtung Altar. Mit gebetsartigen Gesten und lauten Parolen versuchten sie, die Eucharistiefeier zu unterbrechen. Weiter hieß es, dass die Domschweizer die beiden Männer im Alter von 23 und 35 Jahren sowie eine 20-jährige Frau nach wenigen Minuten nach draußen abdrängen konnten. Weihbischof Heiner Koch, der den Gottesdienst hielt, blieb während der Aktion am Altar stehen. Anschließend erklärte er, man nehme die Anliegen auch dieser Menschen und der Menschen in Russland mit in das Gebet auf. Vor dem Dom setzten die Drei ihre Protestaktion mit einem Transparent „Free Pussy Riot“ fort.

Wie die Kölner Polizei mitteilte, wurde gegen die Störer Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, Hausfriedensbruch und wegen Störung der Religionsausübung gestellt. Außerdem wurden ihnen Platzverweise erteilt.

Dompropst Norbert Feldhoff hatte bereits vor einigen Tagen angekündigt, eine Aktion wie die von Pussy Rioot hätte auch im Kölner Dom Konsequenzen. Die Domschweizer würden das Treiben unterbinden und die Leute der Polizei übergeben: „Die Würde des Doms zwingt uns, dagegen vorzugehen“, sagte der Dom-Hausherr. Der Straftatbestand wäre „Störung einer religiösen Stätte“, erklärte Staatskirchenrechtler Professor Ansgar Hense. Möglich sei eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

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Im Kölner Dom habe es in den letzten Jahrzehnten mehrere Zwischenfälle gegeben, sagte Feldhoff. So fand einmal ein nicht angemeldetes Foto-Shooting statt. „Wir haben Nackte auf dem Altar gehabt.“ Der Fotograf war 1997 zu einer Bewährungsstrafe von vier Monaten und einer Geldbuße von umgerechnet rund 1500 Euro verurteilt worden. Das männliche Model musste umgerechnet 1800 Euro zahlen, das weibliche Model kam mit einer Verwarnung davon.

Ein Moskauer Bezirksgericht hatte die drei „Pussy Riot“-Musikerinnen am Freitag wegen „Rowdytums aus Motiven des religiösen Hasses“ zu zwei Jahren Straflager verurteilt. Sie hatten im Februar mit einem „Punkgebet“ in der russisch-orthodoxen Hauptkirche in Moskau gegen Wladimir Putin demonstriert, der damals für das Präsidentenamt kandidierte. Das Urteil stieß international auf Kritik. (kna, dpa)