23.07.2016
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Stadtbibliothek Köln: Neues Medienlabor für Bücherei

Diplom-Bibliothekarin Christine Kern verleiht längst nicht mehr nur Bücher. Nun sind auch noch elektrische Gitarren dazugekommen.

Diplom-Bibliothekarin Christine Kern verleiht längst nicht mehr nur Bücher. Nun sind auch noch elektrische Gitarren dazugekommen.

Foto:

Christoph Hennes

Köln -

Selbst wer des Englischen halbwegs mächtig ist, konnte bei der Präsentation für die Presse am Donnerstag kaum folgen, doch dafür bei den Vorführungen umso mehr staunen. Etwa über den 3-D-Drucker, der Vorlagen wie etwa Fotos in wenigen Minuten als plastisches Modell aus Polymilchsäure auswirft. Oder den neuesten Sonic Chair – eine Art Kopfhörer zum Hineinsetzen, der nach außen Töne wie eine akustische Insel fast komplett schluckt und nach innen mittels Körperschall spürbar macht.

Auch wer bislang weder Englisch noch die neueste Computertechnik versteht, soll hier beides im wahrsten Wortsinn begreifen und demnächst von versierteren Mitbürgern erklärt bekommen: Die Zentralbibliothek hat ihre „4“ (ehemals: vierte Etage) zu einem beeindruckenden Medienlabor ausgebaut. 90 000 Euro hat das gekostet, wovon 70 000 die Stadt bezahlt hat. Die Restsumme kam aus EU-Töpfen sowie von Sponsoren wie zwei Softwarefirmen aus Köln.

Aus der ehemaligen Medienbibliothek ist ein großer Abenteuerspielplatz mit viel Raum zum Ausprobieren geworden für alle, die neugierig auf die Zukunft sind. „Die Idee ist, dass Kunden von anderen Kunden lernen, sie einander helfen und Workshops für andere geben“, sagte Hannelore Vogt, Direktorin der Stadtbibliothek. Den Auftakt machen mit Rebekka Hennig und Leon Beutel zwei Schüler der Kaiserin-Augusta-Schule am Tag der Publikumseröffnung der neuen „4“ diesen Samstag. Sie erklären Interessierten um 13.30 und 14.30 Uhr, wie sie mit dem iPad Musik machen. Alessandro Fama von der Band Moglebaum referiert zum Thema „Sampling – vom Loop zum Song mit dem Drumcomputer“ (11.30 Uhr), und Patrick Geiss erstellt die 3-D-Modelle (10.30/12.30 Uhr).

Hannelore Vogt nannte als ein Ziel, jedermann einen Zugang zu den Neuen Medien zu ermöglichen und die Menschen darüber miteinander in Verbindung zu bringen. „Wir wollen Informationsvermittler und Provider für Infrastruktur im digitalen Zeitalter sein.“ Dazu gehört neben der bekannten großen Sammlung an Musik, Filmen und Noten von nun an auch ein „Makerspace“ (Macherraum) mit einem Musikstudio samt E-Piano und -Gitarren zum Ausprobieren (gegen geringe Gebühr) sowie den technischen Möglichkeiten, die Songs gleich einzuspielen, abzumischen und sogar in Notenform ausgedruckt mit nach Hause zu nehmen. „Zielgruppe sind jüngere Menschen“, wie Vogt weiter sagte. „Musiker, Cineasten und Geeks – das sind Nerds, die Freunde haben.“ Doch die jüngste Abteilung soll ebenso die Generationen verbinden. „Wir wollen dahinkommen, dass hier die jüngere der älteren Generation etwa beim Digitalisieren von Familienfotos oder alter Vinyl-Schallplatten hilft“, was in dem neuen Bereich ebenfalls für Nutzer kostenlos möglich ist.