29.08.2016
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Verkaufsoffener Sonntag: Massenandrang in der City

Auf dem Weihnachtsmarkt am Roncalliplatz musste der Nikolaus so manchen Weihnachtswunsch entgegennehmen.

Auf dem Weihnachtsmarkt am Roncalliplatz musste der Nikolaus so manchen Weihnachtswunsch entgegennehmen.

Foto:

Grönert

Innenstadt -

Ein Schwarzes Loch in der Astronomie ist ein Objekt, in das Materie hinein-, nicht aber wieder herausgelangen kann. Ein Schwarzes Loch in Köln ist ein mit Tannengrün umkleidetes Tor zum Roncalliplatz, das am helllichten Vormittag des 1. Adventssamstag Tausende Menschen verschluckt und buchstäblich niemanden wieder ausspuckt.

Vor dem Tor zum Weihnachtsmarkt herrscht dichtes Gedränge, dahinter wogt eine Menschenmenge durch die Budengasse, und es gibt nur eine Richtung: Hinein. Die Weihnachtsmarkt-Route durch Köln, die am Dom beginnt, zieht an diesem Morgen irdische Heerscharen aus halb Europa an. Voller Unternehmungslust stürzen sie sich ins dichteste Getümmel.

Chris Brooking, Manager der Wintringham Academy in Nordengland, zählt seine 38 Schützlinge noch einmal durch, bevor er sie ziehen lässt. Die 15- bis 16-jährigen Schüler sind die ganze Nacht hindurch Bus gefahren, um eine deutsche Großstadt und deutschen Budenzauber zu erleben.

Weihnachten sei hier so viel schöner, sind sich die erwachsenen Begleiter einig: nicht alles aus Plastik, sondern viel Holzdeko, handgemachtes Spielzeug, echtes Tannengrün - alles „so ge-mutelick“. Die Jugendlichen aus einem sozialen Brennpunkt, von denen viele sonst nie Gelegenheit zum Reisen haben, machen deutlich, wie sehr sie sich auf die Cologne Cathedral freuen – und auf Souvenirs in Form von Schokolade. Dann passiert die erwartungsfrohe Schar in leuchtend lila Collegejacken das Tor und ist verschwunden.

Ebenso geht es einer niederländischen Schülergruppe aus Maar Bergen, die bei der Ankunft mit dem Bus jubelnd das Signet eines international bekannten Hamburgerrestaurants an der Ecke, nicht aber den Dom begrüßt hat, wie die Lehrerin mit nachsichtigem Lächeln erklärt. Vertrautes schafft halt Orientierung in der großen Stadt.

Johann und Els, zwei der Schüler, erkundigen sich noch rasch nach der nächsten Filiale einer verbreiteten Kaffeehaus-Kette, ehe sie sich ins Getümmel stürzen. Am Ende dieses Tages werden sie außer dem Weihnachtsmarkt auch das Schokoladen- und das Senfmuseum gesehen haben.

Polnischer Nikolaus

Das Schokomuseum interessiert eine Wildschwein-, Elch- und Nikolausbemützte Frauenrunde nicht die Bohne. Bettina, Alex, Nadine und ihre Freundinnen arbeiten in einer Schokoladenfabrik und sind, wie jedes Jahr, aus Dillenburg per Bahn nach Köln gefahren, um sich durchs Glühweinangebot zu probieren. „So muss der Advent anfangen“, stellt Alex fest, „Geschenkekaufen kommt später“.

Ihre putzigen Kopfbedeckungen verlieren sich im Gewühl, ebenso wie die von Alesander, Rachel, Matthias, Daisy, Carmen und Andrea, die aus unterschiedlichen Ländern stammen, aber zusammen in Brüssel studieren und viereinhalb Stunden Fahrt auf sich genommen haben, um sich wie alle anderen im Schwarzen Loch zu verlieren.

Hier eine französische Rentnerclique, da eine japanische Familie. Hinein und weg. Viele lassen sich mit dem Nikolaus fotografieren, der am Tor steht und eine Sammelbüchse schwenkt, damit arme Kinder in Polen Weihnachtsgeschenke bekommen. „Hohoho“ tönt er jedes Mal, wenn wieder eine Frau oder ein Kind mit ihm fürs Familienalbum posieren will.

Der Mann muss einen nicht enden wollenden „Hohoho“-Vorrat haben, denn auf die Frage, für wie viele Bilder pro Stunde er Modell stehe, antwortet er mit charmantem Akzent: „Ich glaube, 2000“.

Ja, und wo sind die Kölner am ersten Adventssamstag? Schwer zu finden in der vergnügten Touristenmenge. Doch da: unverkennbar kölsche Tön. Ein paar Schritte vom Nikolaus entfernt spricht eine hochgewachsene Blondine ziemlich genervt in ihr Handy: „Sylvia, isch bin am Waade – wo blievste dann? Wie? Noch immer nit em Parkhuus? Isch han et dir doch jesaat: Fahr nit mem Auto, nimm am Stadion die Bahn“. Vielleicht ist der Weg zum Weihnachtsmarkt von Brüssel, Dünkirchen oder Wintringham her doch nicht so weit wie der aus Junkersdorf.


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