27.07.2016
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Verkehrschaos: Gerüstteile stürzen auf Severinsbrücke

Polizisten trugen die Bleche von der Straße, die Feuerwehr sicherte weitere Gerüstteile vor dem Absturz.

Polizisten trugen die Bleche von der Straße, die Feuerwehr sicherte weitere Gerüstteile vor dem Absturz.

Foto:

Arton Krasniqi

Innenstadt -

Er hatte die Mitte der Severinsbrücke fast erreicht, da sah der Autofahrer plötzlich drei dünne Metallplatten durch die Luft fliegen. „Ich habe sofort gebremst, ich wusste erst gar nicht, was das genau war“, schildert der Mann dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Verletzt wurde niemand, aber rund um die Severinsbrücke sowie auf den Zufahrten der anderen Kölner Rheinbrücken bildeten sich wegen der anschließenden Sperrung kilometerlange Staus bis in die Innenstadt.

Die je zwei Quadratmeter großen Stahlbleche waren gegen 12.15 Uhr von der Arbeitsplattform geweht worden, auf der bis vor wenigen Wochen noch das Baugerüst stand. Unter einer Lage Holzbohlen liegen jeweils ein Millimeter dünne Stahlbleche, die verhindern sollen, dass Regen auf die Fahrbahn tropft.

Unter den Stahlblechen liegt eine weitere Schicht Bohlen. Am frühen Mittwochmorgen hatten Arbeiter begonnen, die Plattform zurückzubauen – und zwar den Teil, der über die Straßenbahngleise führt. Dafür nutzten sie die Zeit zwischen 1.20 Uhr und 4.30 Uhr, in der keine Bahnen fahren.

Am Morgen verließen sie die Plattform, offenbar, weil der Wind stärker wurde. „Wegen des Sturms wurde tagsüber nicht gearbeitet“, bestätigt Stadt-Sprecher Jürgen Müllenberg. „Es ist zu vermuten, dass sie nicht darauf geachtet haben, dass alles gegen Wind gesichert war.“ So sollen die Männer an einer Stelle die obere Schicht Holzbohlen abgedeckt, die dünnen Stahlbleche aber nicht beschwert haben. Eine Windböe trug die Bleche davon, wehte sie auf die Fahrbahn und die Gleise.

Polizei forderte Autofahrer auf, zu wenden

Autofahrer riefen die Polizei. Beamte sperrten die Brücke in beide Richtungen. Auch der Bahnverkehr der Linien 3 und 4 wurde unterbrochen. Alle Autofahrer, die zu diesem Zeitpunkt auf der Brücke standen, waren eingeschlossen, denn weil weitere Gerüstteile herabzustürzen drohten, durfte niemand unter der Plattform herfahren. Nach eineinhalb Stunden forderte die Polizei die Autofahrer auf, zu wenden und die Brücke entgegen der Fahrtrichtung zu verlassen. Ein Verkehrschaos in der Südstadt sowie in der Umgebung von Zoobrücke, Deutzer und Mülheimer Brücke war die Folge.

Derweil begann die Feuerwehr, das Gerüst zu sichern. Das Amt für Brücken und Stadtbahnbau zitierte die Gerüstbaufirma zur Einsatzstelle, die die Arbeiten zu Ende führte. Gegen 14.45 Uhr hob die Polizei die Sperrung auf. „Wir werden mit der Firma darüber sprechen, wie das passieren konnte. Sie muss dafür sorgen, dass sich das nicht wiederholt“, sagte Müllenberg. Weil nichts beschädigt und niemand verletzt wurde, muss das Unternehmen wohl weder Schadenersatzforderungen noch eine Strafanzeige fürchten. Leidtragende waren dagegen Autofahrer und KVB-Kunden.