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Instandhaltungswerk: Für den Standort Köln sprach alles

Die Antriebsradsätze der Modelle ICE 1 und 2 müssen alle 144 000 Kilometer gewartet werden – früher waren 576 000 Kilometer erlaubt. Foto: Berger
Die technische Überprüfung der Hochgeschwindigkeitsflotte gilt als sehr aufwändig. Das ist der Grund, warum die Bahn sich entschloss, 400 Millionen Euro in ein neues Instandhaltungswerk in Köln zu investieren.  Von
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Köln/Dortmund. 

Volker Poppelreuter bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Der Chef des Fernverkehrswerk der Deutschen Bahn in Dortmund hat in fast 25 Dienstjahren so ziemlich alles gelernt, was das pünktliche Bereitstellen von Zügen angeht. Und er war sich auch fürs Improvisieren nie zu schade. Deshalb kann es in Dortmund auch durchaus vorkommen, dass die vereisten Antriebseinheiten eines ICE mit heißer Luft aufgetaut werden, die aus einem überdimensionalen Plastikschlauch kommt.

Denn Poppelreuter und seine Mitarbeiter kennen Nacht für Nacht nur eine Regel: Ein Fernzug, der morgens von Dortmund auf die Reise geht, muss pünktlich sein. Weil sich jede Verspätung über den Tag hinschleppt und kaum noch aufzuholen ist.
Die Bahn hat im Fernverkehr ein Riesenproblem. Durch Lieferverzögerungen bei den Herstellern, verkürzte Wartungsintervalle und das Modernisierungsprogramm bei den IC-Waggons gibt es so gut wie keine Reserven mehr. Auch die Wartungskapazitäten in den sieben Fernverkehrswerken sind ausgereizt. In Nordrhein-Westfalen steht neben dem Dortmunder Werk mit drei Gleisen nur noch der Betriebsbahnhof am Gladbacher Wall in Köln mit zwei Gleisen zur Verfügung. Zu wenig für die alltäglichen Arbeiten wie die Reinigung der Zugeinheiten, das Auffüllen der Wasserbehälter, die Entsorgung der Toiletten, das Einsetzen neuer Sitzpolster. Allein die technische Überprüfung der Hochgeschwindigkeitsflotte mit den Ultraschalluntersuchungen der Achsen, der Kontrolle der Stromabnehmer und der Bordtechnik, mit dem Auswechseln von Achsen und Drehgestellen lässt Poppelreuter von einer „extremen Verdichtung der Arbeiten“ sprechen, wenn ein Zug erst einmal in seinem Werk steht.

Das ist der Grund, warum die Bahn sich entschlossen hat, 400 Millionen Euro in ein neues Instandhaltungswerk für Hochgeschwindigkeitszüge in Köln zu investieren. Es wird auf dem Gelände des ehemaligen Bundesbahnausbesserungswerks in Nippes entstehen und soll im Frühjahr 2017 den Betrieb aufnehmen. Zwischen sieben und 13 Zügen sollen pro Nacht auf vier Gleisen gewartet werden. Möglich sind bis zu 20 Züge.

ICE-Netz
Das ICE-Netz der Deutschen Bahn
Foto: ksta

Für den Standort Köln habe nahezu alles gesprochen, sagt Fernverkehrs-Vorstand Berthold Huber. Die zentrale Lage im Netz, die unmittelbare Nähe zum Hauptbahnhof, das Angebot an Fachkräften. Bis zu 400 Jobs, vom Wagenreiniger bis zum Fertigungsingenieur, könnten so in Nippes entstehen.
Das neue Werk soll als Einheit mit dem schon bestehenden Betriebsbahnhof am Gladbacher Wall geführt werden, dort sollen dann die Kontrollen und Kurz-Reparaturen durchgeführt werden. Man strebe auch an, mit dem benachbarten S-Bahn-Instandhaltungswerk zu kooperieren, das gerade für rund 24 Millionen Euro ebenfalls in Nippes gebaut wird.

Der Skepsis der Anwohner, die beiden Werke könnten vor allem nachts zusätzlichen Zuglärm verursachen, will die Bahn durch eine frühzeitige Bürgerbeteiligung entgegentreten. Der Start des Projekts war allerdings wenig gelungen. Man habe zum ersten Mal per Zufall durch Bürger von den Plänen der Bahn erfahren, kritisierte SPD-Bezirksvertreter Winfried Steinbach. Deshalb sei nicht verwunderlich, dass das Misstrauen überwiege. Inzwischen habe sich die Informationspolitik dahingehend verbessert, dass die Bahn in ständigem Kontakt mit Bezirksbürgermeister Bernd Schößler stehe. „Sobald die Pläne konkreter sind, werden wir zu weiteren Bürgerinformationen einladen“, sagt Bahnsprecherin Andrea Brandt. Ein Treffen fand bereits statt.
Heißluftschläuche wie in Dortmund wird es im Kölner Werk nicht geben. Die Erfahrungen, die man an den anderen Standorten bei der Wartung der Züge gemacht habe, flössen in den Neubau ein. Auf den jeweils 400 Meter langen Wartungsgleisen werde man alle Baureihen instand setzen. Möglicherweise auch jene ICE, die irgendwann mal von Köln bis London unterwegs sein werden.

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