26.08.2016
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Jobcenter: Mann verletzt Mitarbeiterin schwer

Das Jobcenter an der Luxemburger Straße.

Das Jobcenter an der Luxemburger Straße.

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dpa

Köln -

Im Jobcenter an der Luxemburger Straße sind am Dienstag zwei Mitarbeiter von einem Arbeitssuchenden schwer verletzt worden. Ein 23-Jähriger war laut Polizei gegen 9.20 Uhr in das Büro einer Beraterin gestürmt und hatte ohne Vorwarnung auf die 54 Jahre alte Frau eingeschlagen. Sie erlitt schwere Kopf- und Augenverletzungen und musste ins Krankenhaus. Ebenfalls am Kopf verletzt wurde ein Kollege der Beraterin, der zu Hilfe geeilt war.

Erst durch den Einsatz eines weiteren Jobsuchenden, der ebenfalls in dem Büro saß, konnte der junge Mann gebändigt werden. Er wurde festgenommen, kam aber mangels Haftgründen auf freien Fuß. „Zu seinen Motiven hat er sich nicht eingelassen“, sagte eine Polizeisprecherin.

Sicherheitsdienst verstärkt

Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ erfuhr, war der Mann offenbar ausgerastet, weil ihm Leistungen gekürzt werden sollten. Er soll sich geweigert haben, eine vom Jobcenter verordnete Maßnahme anzutreten. Eine Sprecherin des Jobcenters konnte dies nicht bestätigen. Das Jobcenter hat nach eigener Aussage nach dem Vorfall den Sicherheitsdienst verstärkt. Gegen den 23-Jährigen wurde Strafanzeige erstattet, er bekam Hausverbot.

Durch den tätlichen Angriff gerät die Debatte um die Sicherheit der Arbeitsvermittler wieder mehr in den Fokus. Nach Auskunft des Jobcenters ist die Zahl der Strafanzeigen rückläufig. Laut der Sprecherin wurde im vergangenen Jahr 40 Mal die Polizei eingeschaltet, acht Mal ging es um Körperverletzung oder tätliche Angriffe, vier Mal um Sachbeschädigung. „Wir sind bei dem Thema Sicherheit bundesweit Vorreiter“, sagte Olaf Wagner, Mitglied der Geschäftsführung des Jobcenters Köln.

Allerdings hat offenbar die Zahl der verbalen Übergriffe auf die Vermittler in den letzten Jahren zugenommen, das berichtet zumindest der Kölner Personalrat des Jobcenters. „Das geht teilweise so weit, dass die Kollegen sagen: »Ich kann nicht mehr, es wird zuviel« und darüber krank werden“, berichtet Gerd Zimmer, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung. Eine Frau, die anonym bleiben will, berichtet, dass sie als Mitarbeiterin des Jobcenters „immer in Angst leben muss.“

Aus Sicht von Gerd Zimmer gibt es zwei Gründe für das oft aggressive Verhalten der Arbeitslosen: Zum einen sei die räumliche Situation in den Jobcentern oftmals beengt und ungemütlich, zum anderen sorge die „politische Richtlinie, verstärkt zu sanktionieren“, bei vielen Kunden des Jobcenters dafür, dass sie ihren Ärger direkt an ihrem Betreuer auslassen. Zudem seien die Sicherheitsvorkehrungen zwar verbessert worden, nach wie vor aber „nicht zufriedenstellend.