31.05.2016
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Flüchtlinge in Köln: Kalker setzen Willkommenszeichen

Monika-Maria Clouth (2. v. l.) und Pastor Franz Meurer (r.) mit Bewohnern des Hotels

Monika-Maria Clouth (2. v. l.) und Pastor Franz Meurer (r.) mit Bewohnern des Hotels

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Bilder: NR

Kalk -

Seit einigen Wochen hat die Stadt im Arena-Hotel an der Vorsterstraße in Kalk Flüchtlinge und Asylsuchende aus Krisen- und Kriegsgebieten untergebracht – zumeist Syrer, Kurden und Armenier. In der Nachbarschaft ist darüber nicht lange diskutiert worden. Stattdessen hat sich schnell eine Anwohner-Initiative um Monika-Maria Clouth gebildet, in der sich bereits rund 30 Bürger engagieren. „Wir wollen die Flüchtlinge als neue Nachbarn begrüßen und ihnen die Eingewöhnung in den Alltag in Köln erleichtern. Es war nötig, direkt etwas zu unternehmen.“ Das sieht Pfarrer Franz Meurer ähnlich. „Am Anfang muss es schnell gehen. Nicht lange sprechen, sondern handeln.“ Obwohl seine Pfarrgemeinden eigentlich in Vingst und Höhenberg liegen, ist er mit seinem Hövi-Land-Team in den vergangen Tagen oft nach Kalk gekommen, um Flüchtlinge und Bürger zu unterstützten.

Blühende Oase

„Die Flüchtlinge sorgen mit dafür, dass sich das Viertel stabilisiert und schön wird“, sagt Meurer. Und das kann man sehen: Aus den vor Wochen noch verwahrlosten Beeten an der Kalk-Mülheimer Straße etwa sind kleine blühende Oasen geworden. Kiosk-Betreiberin Ewa Ersog und Nachbarin Gisela Kunze haben aus eigener Tasche Blumen und Grünpflanzen finanziert. „Als ich mit dem Spaten in der Hand loslegen wollte, kam eine Gruppe junger Männer und hat spontan geholfen“, sagt Kunze. „So etwas habe ich hier früher nicht erlebt.“

Das Beet der beiden Frauen war eine Initialzündung. Ersog: „Auf einmal fingen auch andere Anwohner und Ladenbesitzer an, die Beete vor ihren Türen schön herzurichten.“ Franz Meurer brachte noch einige Chrysanthemen vorbei, die gleich gepflanzt wurden. „Wenn die Umgebung stimmt, kann sich Nachbarschaft entwickeln“, so der Pastor.

So hat das Hövi-Land-Team auch die kleine Grünzone erneuert, die durch den Innenbereich hinter der Förderschule zur Kalker Hauptstraße führt. Heruntergekommene Beete wurden entmüllt und neu bepflanzt, die Wege hergerichtet und besprühte Mauern gesäubert und gestrichen.

An den Aufräumarbeiten beteiligte sich auch Homad Badereddin (53), der aus der umkämpften syrischen Stadt Aleppo geflohen ist. „Ich habe dort eine kleine Textilfabrik gehabt, die ist völlig zerstört.“ Nun will er möglichst schnell Deutsch lernen.

Genau wie viele andere Hotelgäste: Zumeist Einzelpersonen, aber auch Ehepaare sowie Familien mit Kindern. Mitglieder der Anwohner-Initiative begleiten die Flüchtlinge zur Lebensmittelausgabe an der Vingster Pfarrkirche St. Theodor oder auch zur „Pflanzstelle“ an der Neuerburgstraße, wo einmal in der Woche gemeinsam gekocht wird. Über die Initiativen der Bürger freuten sich auch Kalks Bezirksvertreter sowie die Mitarbeiter der Stadtverwaltung. „Die kurzfristige Anmietung des Hotels war nötig, um die Flüchtlinge beispielsweise nicht in Zelten unterbringen zu müssen“, sagte Stefan Ferber vom Amt für Wohnungswesen in der Bezirksvertretung. „In Kalk scheint das Projekt gut angelaufen zu sein. Die Bürger machen mit, es gibt eine gute Vernetzung.“

Individuelle Verträge

Einige der Flüchtlinge hätten bereits Deutschkurse belegt, und für alle Kinder sei ein Schulplatz gefunden worden. „Allerdings nicht immer in Kalk.“ Das Hotel an der Vorsterstraße mit 33 Zimmern und 75 Betten kann dreieinhalb Jahre lang genutzt werden. Es gibt jedoch keinen Mietvertrag zwischen der Stadt und dem Hotelbetreiber, die Flüchtlinge haben jeweils individuelle Verträge abgeschlossen – in Abstimmung mit dem Sozialamt. Die Zimmer verfügen über eigene Kochgelegenheiten und Sanitäreinrichtungen. Zudem ist eine Gemeinschaftsküche vorhanden, so dass eine Selbstverpflegung möglich ist.

Das Konzept will die Stadt auch bei weiteren Einrichtungen verfolgen. Ferber: „Bis zum Jahresende werden noch einige hundert Menschen nach Köln kommen – auch in den Bezirk Kalk.“ So werde gegenwärtig das ehemalige Klarissen-Kloster an der Kapellenstraße hergerichtet, in den spätestens zum nächsten Sommer Flüchtlinge einziehen sollen. Pfarrer Meurer: „Auch dort hilft schon ein Freiwilligen-Team aus dem Hövi-Land mit.“ Verzögern wird sich allerdings noch das Aufstellen von Containern am Pohlstadtsweg in Brück – wegen Lieferschwierigkeiten bei der Herstellerfirma. Ferber: „Dafür ist gegenwärtig der Februar 2015 angepeilt.“ Auch in Brück will man sich engagieren. Die Bürgergemeinschaft, die Kirchen und einige andere Vereine und Organisationen haben sich in dem Stadtteil bereits zusammengeschlossen. „Es ist eine schöne Situation, wenn die Leute fragen: »Wann kommen die Flüchtlinge denn endlich?«“, so Ferber.