28.07.2016
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Festakt: Lernen im Container ist passé

Jungen und Mädchen aus der zweiten Stufe trommeln zur Eröffnung der sanierten und umgebauten Grundschule Weimarer Straße.

Jungen und Mädchen aus der zweiten Stufe trommeln zur Eröffnung der sanierten und umgebauten Grundschule Weimarer Straße.

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Ramme

Höhenberg -

Höhenberg. Mehr als ein Jahr lang hatten die Pänz der Grundschule Weimarer Straße behelfsmäßig in Containern Rechnen, Schreiben und Lesen gelernt. Diese für alle Beteiligten unangenehmen Zeiten sind nun vorbei: Mit einem großen Schulfest feierten einige hundert Lehrer, Schüler und Eltern ihre vollständig sanierte Schule. Auch ehemalige Grundschüler sowie einige längst pensionierte oder an andere Schulen versetzte Lehrer sind zu dem Fest auf den neugestalteten Schulhof gekommen, auf dem bis vor kurzem noch die provisorischen Container-Bauten zu sehen waren. „Das ist jetzt die schönste Schule von ganz Köln“, sagte Kalks Bezirksbürgermeister Markus Thiele, ehe er mit Nick Jordan aus der vierten Klasse feierlich das rote Band zerschnitt.

Der Aussage Thieles stimmten die zahlreichen vielen Festbesucher zu – darunter auch Architekt Hans Schlösser, der SPD-Landtagsabgeordnete Stephan Gatter sowie der katholische Pastor Franz Meurer und sein evangelischer Kollege Jörg Wolke. Sie hatten Blumen und Bücher mitgebracht und gemeinsam das renovierte Gebäude gesegnet. Wolke: „Das wichtigste ist, dass die Kinder hier künftig eine schöne Zeit haben.“
Darauf hofft auch Petra Esser, die seit 1992 die Grundschule leitet. „Nach der Generalsanierung besitzt unsere Schule jetzt einen Neubaustatus.“ Rund 4,2 Millionen Euro hat die Stadt investiert, um alle Teile der Einrichtung (Schulgebäude, Milchhaus, Turnhalle) baulich und technisch auf den neuesten Stand zu bringen. Aktuelle Bestimmungen zum Brandschutz sowie die Vorgaben zum barrierefreien Bauen sind ebenfalls umgesetzt worden.
Vollständig ausgewechselt hatte man im Zuge der Generalsanierung zudem die Dämmung des Gebäudes und die Heizungstechnik. Das Land NRW hat für die energetische Erneuerung – Gebäude und die Turnhalle haben moderne Isolierglasfenster erhalten – ebenfalls einen Zuschuss in Höhe von drei Millionen Euro beigesteuert.

„Die Modernisierung unserer Schule passt gut ins modernisierte Veedel“, sagt Schulleiterin Esser. Denn so wie die meisten Wohnhäuser in direkter Nachbarschaft, die weitgehend aus den 1920er Jahren stammen, steht auch die Schule unter Denkmalschutz: Aufgrund der typischen Architektur der 1950er Jahre.

Nachdem die Vorgängerschule im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, ist der jetzige Bau im Jahr 1955 eröffnet worden – damals noch als katholische Volksschule. Esser: Wegen des Denkmalschutzes haben wir zwar keine zusätzlichen Räume erhalten, aber das Gebäude ist von außen und von innen wunderschön geworden. Es hat heute wieder so helle Farben, wie vor 55 Jahren.“ Der Charme der 50er Jahre sei weiterhin erkennbar.

Für zusätzliche Unterrichtsräume hatte sich auch die SPD in der Kalker Bezirksvertretung eingesetzt. Die Verwaltung wies die Forderung allerdings zurück. Das Vorhaben sei „im vorhandene Gebäude nicht zu realisieren“, so die Begründung. Falls mehr Räume gebraucht würden, müsse man die Fachräume „einer multifunktionalen Nutzung zuführen“.

Im laufenden Schuljahr besuchen rund 230 Mädchen und Jungen die Schule, die vor einigen Jahren noch um den sogenannten offenen Ganztagsbetrieb ergänzt worden ist – darunter auch rund 42 behinderte Kinder. „Die gegenwärtig überall geforderte Inklusion ist für uns nichts Neues. Das läuft hier schon seit fast fünf Jahren“, sagt Schulleiterin Esser. Ein Großteil der Grundschüler stamme aus Migrantenfamilien. Esser: „Die meisten davon arbeiten im Deutschunterricht in speziellen Förderprogrammen mit.“

Weiterer Förderschwerpunkt der Schule ist die Musik. Das bekamen die Gäste beim Fest zu hören: Jungen und Mädchen der zweiten Klasse begeisterten mit afrikanischen und indianischen Trommelrhythmen, die sie mit ihren Klassenlehrerinnen Ina Winterhoff und Barbara Verbücheln im Rahmen eine zweijährigen Musikprojektes gelernt hatten.

„Mittlerweile können die Kinder die Noten, die sie singen, in Notenschrift übertragen. Das ist nicht einfach“, sagt Dirk Neumann. Der Kirchenmusiker der Vingster Pfarre St. Theodor war am Projekt beteiligt und hofft auf eine Fortsetzung. Denn die Pädagogen hätten festgestellt, dass die Musik sich positiv auf Sprachverhalten, Konzentration und Motivation der Schüler auswirke. Pfarrer Meurer kündigte an: „Die Stiftung Pro-Hövi wird die Musikprojekte auch künftig fördern.“