24.07.2016
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Hintergrund verschleiert: „Pro Köln“-Sitzung abgesagt

Die Polizei musste nicht eingreifen, da es zwischen den Linksextremen und den wenigen „Pro Köln“-Anhängern zu keiner Auseinandersetzung kam.

Die Polizei musste nicht eingreifen, da es zwischen den Linksextremen und den wenigen „Pro Köln“-Anhängern zu keiner Auseinandersetzung kam.

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dpa

Merheim -

Wolfgang Niechziol hat in seinem Brauhaus „Goldener Pflug“ in Merheim keinen Platz für Mitglieder der rechtsextremen Partei „Pro Köln“. Am Sonntag wollte die Partei ihre Mitgliederversammlung in dem Lokal veranstalten – angemeldet war die aber als Mittagessen für 60 Personen. Als der Wirt erfuhr, wer tatsächlich hinter der Reservierung steckt, stornierte er sie kurzerhand.

„Vor zehn Tagen hat ein Ehepaar eine Gesellschaft angemeldet, sie wollten eine Speisekarte, die habe ich ihnen mitgegeben“, erzählt Wolfgang Niechziol. Am Sonntagmorgen erhielt der Wirt einen Anruf. „Wissen Sie eigentlich, wer heute bei Ihnen zu Gast ist?“, fragte jemand. Als der 60-Jährige von dem Anrufer erfuhr, dass „Pro Köln“ sein Brauhaus reserviert hatte, rief er die Nummer an, die das Ehepaar hinterlassen hatte und sagte die Reservierung ab. „Die haben unter Vorspiegelung falscher Tatsachen reserviert – das habe ich dem Mann am Telefon auch gesagt“, sagt der Wirt. Der Mann, der reserviert hatte, habe ihm am Telefon gedroht: „Machen Sie sich auf etwas gefasst, spätestens um 14 Uhr stehen 60 Leute vor der Tür.“ Der Wirt informierte die Polizei. Es kamen aber keine 60 Rechtsextremen. Dafür aber etwa 30 Linksautonome. „Das waren junge Leute mit roten Fahnen, die auf dem Bürgersteig vor dem Brauhaus warteten“, sagt Niechziol. Inzwischen waren auch Dutzende Polizisten vor Ort. „Es blieb aber alles friedlich“, sagte ein Polizeisprecher. Sechs Rechte waren es schließlich, die zur Mitgliederversammlung wollten – und wieder abziehen mussten.

Friedlicher Protest

Pro-Köln-Vorsitzender Markus Beisicht bezeichnet den Vorfall in einer Pressemitteilung als „Skandal“ und „Anschlag auf die Demokratie“. In dem Schreiben heißt es: „Kurz vor Versammlungsbeginn stürmten 40 bis 50 Linksextremisten das Lokal und blockierten alle Eingänge.“ Der Wirt sei deshalb „völlig verängstigt“ gewesen und habe die „weitere Nutzung seiner Räumlichkeiten untersagt“. Wolfgang Niechziol sagt: „Völliger Blödsinn. Das war ein ganz friedlicher Protest.“ Die Linken hätten später auf seiner Terrasse noch etwas getrunken. „Mein Brauhaus ist ein Lokal für Jung und Alt. Mit Pro Köln will ich nichts zu tun haben.“