30.07.2016
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Prozess: Lebensgefährliche Stiche im Lokal

Symbolbild

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dpa

Kalk -

Als „unangenehme Angelegenheit“ bezeichnete Mario T. den Vorfall, für den er sich seit Montag vor der 11. Großen Hilfsstrafkammer des Kölner Landgerichts verantworten muss. Oberstaatsanwalt Alf Willwacher nennt ihn jedoch versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung. Was genau am Ostersamstag dieses Jahres in einer italienischen Gaststätte in Kalk passiert ist, blieb am ersten Prozesstag in der Aussage des 25-jährigen Angeklagten verschwommen. Er wiederholte, an die Kernphase des Tatgeschehens könne er sich kaum erinnern.

Über den Vater hergezogen

Am Abend jenes Tages gegen 22.30 Uhr betrat Mario T. das Lokal in der Wipperfürther Straße. Schon angetrunken stellte er sich an den Tresen. Bald geriet er in Streit mit einem 43 Jahre alten Gast, den er seit vielen Jahren kannte. Der habe, wie bei einem vorherigen Besuch schon der Inhaber der Gaststätte, mit üblen, beleidigenden Worten über seinen Vater hergezogen, gab Mario T. vor Gericht an; schließlich habe der 43-Jährige ihn auch damit provoziert, dass er ihn „geschubst“ habe. Das mutmaßliche Opfer, Pizzabäcker Fabrizio L. (Namen geändert), sagte dagegen im Zeugenstand, der Angeklagte habe sich unvermittelt und aggressiv in sein Gespräch mit dem Wirt eingemischt, das Schimpfwort „inutile“ (so viel wie Nichtsnutz) benutzt und dann sogar Todesdrohungen ausgestoßen. Wer auch immer das Vorgeplänkel angezettelt haben mag – irgendwann zückte Mario T. der Anklage zufolge ein Taschenmesser und stach auf seinen Kontrahenten ein, vier Mal, traf ihn unter anderem unterhalb des linken Ohrs und an der Vorderseite des Halses. „Fluchtartig“, ohne sich um den Verwundeten zu kümmern, soll er das Lokal verlassen haben. Anzahl und Platzierung der Stiche zeigten, dass er den Tod des Opfers „zumindest billigend in Kauf genommen“ habe, sagte Willwacher.

„Ich spiele damit“

„Ich bin angegriffen worden und habe mich bedroht gefühlt“, übersetzte der Dolmetscher; zugleich gab Mario T. aber zu, er habe sich nicht in einer Notwehrsituation gefühlt. Warum er das kleine Klappmesser bei sich hatte? „Um Flaschen zu öffnen“, und: „Ich spiele damit.“ Keinesfalls sei es seine Absicht gewesen, Fabrizio L. umzubringen. Nach der Tat ging er nach Hause und steckte seine blutbefleckte Kleidung in die Waschmaschine. Bald darauf erschien die Polizei.

Für Irritation sorgte Willwachers Hinweis, beim Angeklagten sei nicht das Taschenmesser, sondern – außer einem Päckchen Speed – ein langes Küchenmesser gefunden worden, und zwar in der Unterhose. Mario T. korrigierte: „In einem Strumpf.“ Warum diese Bewaffnung? Er habe sich gegen mögliche Angreifer wappnen wollen. Bis heute zu leiden hat Fabrizio L.: Ihn verfolgten nach der Messerattacke Angst und Alpträume, sagte er. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.