25.07.2016
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Stadtentwicklung: Kaufhof-Projekt steht auf der Kippe

Das gesamte Grundstück soll bebaut werden: Mit Einzelhandel im Gebäude an der Kalker Hauptstraße und Studentenwohnungen auf dem Parkplatz an der Sieversstraße.

Das gesamte Grundstück soll bebaut werden: Mit Einzelhandel im Gebäude an der Kalker Hauptstraße und Studentenwohnungen auf dem Parkplatz an der Sieversstraße.

Foto:

Ramme

Kalk -

Die Pläne zum Um- und Neubau des ehemaligen Kaufhofgeländes stehen derzeit noch auf der Kippe. Probleme mit Bebauungsplan und Denkmalschutz könnten das gesamte Projekt platzen lassen. Doch Kalks Bezirksvertreter wollen dies verhindern. „Für die Weiterentwicklung der Hauptstraße ist die zukünftige Nutzung der ehemaligen Kaufhof-Immobilie von entscheidender Bedeutung“, sagt SPD-Fraktionschef Oliver Krems. „Das vorliegende Konzept mit Einzelhandel, Wohnungen, Studentenappartements und Parkgarage finde ich dem Grunde nach überzeugend“, sagt er.

Krems hofft auf eine baldige Einigung zwischen Verwaltung und Investoren. „Dabei erwarte ich, dass der Denkmalschutz die zukünftige Entwicklung der Kalker Hauptstraße nicht behindert. Ein dauerhaft leerstehendes Gebäude hat auch als Denkmal keine Zukunft. Man muss akzeptable Kompromisse finden.“ Auch die anderen Bezirksvertreter waren von den Pläne zum Um-und Neubau der Kaufhof-Immobilie recht angetan.

„Wir begrüßen, dass sich an dem Stadtort etwas tut“, sagte Jürgen Schuiszill (CDU). „Einen Leerstand kann man über einen längeren Zeitraum nicht ertragen. Als Vertreter der holländischen Unternehmensgruppe Ten Brinke, die den seit vergangenen Sommer leerstehenden Kaufhof im Frühjahr erworben hat, waren Bruno Wojatschek (Standortentwicklung) und Axel-Marc Lenzen (Vermietung) angereist, um den Bezirksvertretern das umfangreiche Grundstückskonzept vorzustellen.

Nach Plänen des Kölner Architekten Hans-Peter Kottmair, der in Kalk schon das Polizeipräsidium und das zugehörige Parkhaus sowie den Music-Store entworfen hat, könnte das gesamte Gelände des ehemaligen Warenhauses sowie der dahinter zur Sieversstraße gelegene Parkplatz neu bebaut werden. Im Basement und im Erdgeschoss ist auf rund 5500 bis 6000 Quadratmetern Einzelhandel vorgesehen.

Als Hauptmieter will Rewe einsteigen, die Handelskette plant dort einen im Vergleich zu der Filiale in den Köln-Arcaden weitaus größeren Supermarkt. Daneben sind kleinere Fachmärkte vorgesehen. Lenzen: „Keine Billigläden, sondern mittelpreisige Label, die breites Publikum anziehen.“ Da sieht man sich durchaus in Konkurrenz zu den Arcaden. „Die suchen zurzeit ja auch neue Mieter.“

Die Fassade ist ein gewohntes Bild

Im ersten und zweiten Stock sollen Parkplätze entstehen. Eine Ebene ist für Kunden (Wojatschek: „Mit rund 180 Stellplätzen ebenso viele, wie der Kaufhof früher hatte“), eine Ebene für die Mieter vorgesehen. In einem begrünten Dachgeschoss sollen zwei oder drei Wohnblocks mit bis zu 30 Wohnungen und zur Sieversstraße hin 100 bis 120 Studenten-Appartements entstehen. Da die Anfahrt zum Parkhaus und die Anlieferung zu den Geschäften „eingehaust“ und von der Sieverstraße aus angelegt ist, rechnet Wojatschek ebenfalls mit geringerer Lärmbelastung als früher.

Die Fassade zur Kalker Hauptstraße mit dem markanten Flugdach will man erhalten – oder nach Abbruch und Neubau originalgetreu wieder aufbauen. Wojatschek: „Die Fassade ist ein gewohntes Bild für die Kalker. Und gar nicht so unattraktiv.“ Den Bedenken einiger Bezirksvertreter, dass es an der Kreuzung mit der Rolshover Straße erhebliche Verkehrsprobleme geben könnte, stellte Wojatschek ein Gutachten entgegen. „Die Kreuzung ist zwar stark belastet, aber der Verkehr ist durchaus sauber abzuwickeln.“

Eine Umsetzung des Konzepts sei in gut zwei Jahren machbar. Weihnachten 2015 oder im Frühjahr 2016 könnte man eröffnen. Allerdings hakt die schnelle Realisierung derzeit an zwei Punkten. So ist unklar, ob für das Gelände – so die Meinung eines Teils der Stadtverwaltung – ein neues Bauleitplanverfahren erforderlich ist. Das würde Verzögerungen von zwei bis drei Jahren mit sich ziehen. Allerdings sind Kalks Bezirksvertreter optimistisch. Krems: „Das Objekt passt sich in die Umgebung ein. Wenn die Verwaltung mitspielt, ist kein neuer Bebauungsplan erforderlich.“

Gebäude fällt unter Denkmalschutz

Weitaus schwieriger gestalten sich die Probleme mit dem Denkmalschutz. Das gesamte Gebäude fällt darunter. So will Stadtkonservator Thomas Werner die Bebauung des Hintergeländes nicht verhindern, die Pläne in Bezug auf das Denkmal bezeichnet er allerdings als „nicht akzeptabel“. Der Investor will die Auflagen des Konservators aber nicht erfüllen. Wojatschek: „Der geforderte Wärmeschutz ist so nicht machbar. Zudem müssen fast alle Leitungen aufwendig ausgetauscht werden, da in den Ummantelungen aus den 1960er- und 1970er Jahren Asbest nachgewiesen wurde. Auch der Brandschutz erfordert heute völlig andere und besser Fluchtwege.“

Bislang zeigt sich der Stadtkonservator wenig kompromissbereit: „Dann geht es eben nicht.“ Wenn es nicht geht, kann Ten Brinke das Objekt laut Kaufvertrag an den früheren Eigentümer, die Metro-Kaufhof-Gruppe, zurückgeben. Dann passiert dort erstmal nichts.

Noch hoffen die Bezirksvertreter auf ein Einlenken der Denkmalschützer. Heinz Peter Fischer von den Linken: „Bei der Bahndirektion am Rhein hat es zehn Jahre gedauert, bis der Denkmalschutz eingelenkt hat. Vielleicht geht es in Kalk ja schneller.“ Auch die SPD-Stadtverordnete Susana dos Santos-Hermann hat wenig Verständnis für die harte Haltung des Konservators. „Der Denkmalschutz ist eine der letzten demokratiefreien Zonen. Die können da schalten und walten, wie sie wollen.“ In Kalk gehe es darum, ob dem Denkmalschutz oder der Stadtentwicklung Vorrang gegeben wird.


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