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Kardinal Rainer Woelki: „Ich bin jetzt ein Berliner“

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Berlins katholischer Erzbischof Rainer Maria Woelki  Foto: dpa
Der Berliner Kardinal Rainer Woelki sieht den Eucharistischen Kongress als Beitrag zum Dialogprozesss der Deutschen Bischofskonferenz. Im Interview spricht er über seine Erwartungen an die religiöse Großveranstaltung.  Von
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Herr Kardinal, wie übersetzen Sie den sperrigen Begriff „Eucharistischer Kongress“?
Kardinal Rainer Woelki: Als „Fest des Glaubens“. Es ist für Christen heute wichtig, Orte und Zeiten der Begegnung zu haben, an denen sie miteinander feiern, ihren Glauben und einander stärken können. Das verbinde ich in erster Linie mit den Tagen in Köln.

Begegnung und Stärkung im Glauben – mit diesen Stichworten wirbt regelmäßig auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken für seinen Katholikentag. Stimmt also der Eindruck einer Gegenveranstaltung der Bischöfe zum Katholikentag?
Woelki: Ich sehe den Kongress nicht in Konkurrenz, sondern als Beitrag zu dem mehrjährigen Dialogprozess, den die Deutsche Bischofskonferenz angestoßen hat. 2013 steht dieser Dialog unter dem Schwerpunkt „Liturgie“. Hier fügt sich der Eucharistische Kongress gut ein: Es geht um die Begegnung mit Jesus Christus, die das persönliche Glaubensleben stärken soll.

Kardinal Joachim Meisner hat im Erzbistum Köln den Dialogprozess zugunsten des Eucharistischen Kongresses ersatzlos gestrichen.
Woelki: Auch der Eucharistische Kongress ist ein Beitrag zum Dialogprozess. Ich will verschiedene Weisen des Dialogs nicht gegeneinander ausspielen. Unter dem Thema „Wo Glauben Raum gewinnt“ möchte ich im Erzbistum Berlin ein intensives Gespräch in Gang bringen – mit den Priestern, mit den Laienvertretern, mit Pfarrgemeinderäten – wie eine zukunftsorientierte Seelsorge gelingen kann und wie wir untereinander, aber auch mit den Menschen besser in Kontakt kommen, die wir zurzeit nicht erreichen. So habe ich jetzt zu Pfingsten eigens alle Katholiken im Erzbistum Berlin angeschrieben.

Kardinal Rainer Woelki, Jahrgang 1956, ist seit 2011 Erzbischof von Berlin. Der frühere Kölner Weihbischof gehört zum Lenkungsausschuss der Bischofskonferenz für den Kongress.

Inwiefern kann die Konzentration des Eucharistischen Kongresses auf Gottesdienst und Liturgie die Antwort sein auf Herausforderungen, wie sie etwa die Vertrauenskrise nach dem Missbrauchsskandal für die Kirche aufgeworfen hat?
Woelki: Weil für Christen die Frage nach Gott im Zentrum steht, ist der Kongress Teil der Antwort, aber sicher nicht die ganze Antwort. Papst Benedikt XVI. hat sinngemäß gesagt: Der Glaube hat in erster Linie mit Beziehung zu tun und erst in zweiter Linie mit Ethik und Moral. Insofern ist das Bemühen um eine vertiefte Gottesbeziehung einerseits und die Diskussion um kirchliche Strukturen und Normen andererseits kein „Entweder – oder“, sondern ein „Sowohl – als auch“.

Ist ein so schwer verständlicher Glaubensinhalt wie die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Brot der Eucharistiefeier überhaupt event-tauglich?
Woelki: Nein. Deswegen betrachte ich den Kongress auch nicht als Event oder als frommen Karneval. Verstand, Herz und Sinne sollen gleichermaßen angesprochen werden. Dafür gibt es ein vielfältiges Programm mit mehreren hundert Angeboten.

Ihr persönliches Highlight darin?
Woelki: Gewiss die Begegnung mit den Menschen in den Gottesdiensten und Katechesen, die ich halten werde, aber auch am Berliner Bistumsstand auf dem Neumarkt. Von Donnerstag bis Samstag werde ich auch selbst zwischen drei und fünf dort sein und ein „Hedwigsbrot“ verteilen. Die heilige Hedwig ist nämlich nicht nur die Patronin unserer Kathedrale, sie hat selbst für die Armen das Brot geteilt.

Das Interesse der Katholiken am Eucharistischen Kongress ist weit hinter den Erwartungen der Bischöfe zurückgeblieben. Was schließen Sie daraus?
Woelki: Wie viele wirklich kommen, werden wir dann in Köln erleben, „last minute“ werden sich sicherlich noch viele spontan für eine Teilnahme entscheiden. Ich halte es so, dass ich nicht auf die schaue, die fernbleiben, sondern auf alle, die da sind – in der Hoffnung, dass wir ein Stück froher und stärker nach Hause fahren, als wir hergekommen sind.

„Nach Hause fahren“, sagen Sie. Sie fühlen sich demnach schon gar nicht mehr als Kölner?
Woelki: „Ich bin jetzt ein Berliner“, sage ich dazu.  Aber ich freue mich, meine Heimat wiederzusehen und viele Freunde und Bekannte zu treffen, die mir in meinen Kölner Jahren ans Herz gewachsen sind.

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