01.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Karneval in Köln: Polizeischutz für „Charlie Hebdo“-Wagen im Rosenmontagszug
27. January 2015
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Karneval in Köln: Polizeischutz für „Charlie Hebdo“-Wagen im Rosenmontagszug

Skizze des geplanten Wagens für den Rosenmontagszug

Skizze des geplanten Wagens für den Rosenmontagszug

Köln -

Mehrere Karnevalsgesellschaften sehen den Plan des Festkomitees, einen Persiflage-Wagen zu den Pariser Terroranschlägen im Rosenmontagszug mitfahren zu lassen, offenbar mit großer Sorge. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ sollen sich gleich mehrere Gruppen weigern, im Zug unmittelbar vor oder hinter dem „Charlie Hebdo“-Wagen zu laufen – aus Angst, Ziel eines möglichen Attentats zu werden. Der Wagen zeigt einen schwarz gekleideten Terroristen mit einem Sprengstoffgürtel, der mit einer Schusswaffe auf einen Clown zielt. Doch der hält mit einem Bleistift dagegen und das Maschinengewehr geht kaputt.

Auch bei der Polizei beschäftigt man sich mit solchen Szenarien. Behördensprecher Christoph Gilles betont allerdings: „Wir prüfen die Gefährdungslage fortlaufend und haben derzeit keinerlei Hinweise auf eine konkrete Gefahr.“ Ob und inwieweit die Polizei während des Zuges Schutzmaßnahmen ergreift, wollte Gilles nicht kommentieren. „Dazu äußern wir uns nicht.“

Gespräch mit dem Staatsschutz

Aber wie zu erfahren war, erwägt die Behörde unter anderem, den „Charlie Hebdo“-Wagen unauffällig von getarnten Beamten eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) begleiten zu lassen. Bei der Polizei ließ Zugleiter Christoph Kuckelkorn sich kürzlich in einem Hintergrundgespräch von Spezialisten der Abteilung Staatsschutz beraten.

„Das ist aber nichts Neues und nichts Ungewöhnliches. Das machen wir doch inzwischen in jedem Jahr“, sagte Kuckelkorn dazu. Zumindest seit in der Session 2009 ein Wagen mitrollte, der sich mit dem US-Gefangenlager Guantanamo beschäftigte. „Der Rosenmontagszug ist ein Millionen-Zuschauer-Event“, so Kuckelkorn. „Da wollen wir kein Risiko eingehen.“ Ihm seien keine Befürchtungen im Zusammenhang mit dem „Charlie“-Wagen bekannt. Im Gegenteil, so Kuckelkorn: „Gleich mehrere Gesellschaften haben sich bei der Zugleitung beworben, diesen Wagen mitführen zu dürfen.“ Offiziell will Kuckelkorn den Standort des umstrittenen Wagens im Zug erst am kommenden Freitag bekanntgeben, wenn er bei die Motive und Festwagen des gesamten Zuges vorstellt.

Allerdings ist die Entscheidung hinter den Kulissen längst gefallen. „Wir von der Kölnischen KG machen das“, sagte deren Präsident Johannes Kaußen am Rande einer Mädchensitzung im Sartory. Man stehe als Gesellschaft voll hinter dem Thema. Die Darstellung der Problematik sei gut gelöst und sehr ansprechend. „Wir sind stolz, dass wir vom Festkomitee diesen Wagen erhalten haben, und da machen wir einen Knaller draus.“ Geplant ist, dass die Mitglieder der KG-Gruppe im Zoch von Start bis hinter die WDR-Kameras auf der Severinstraße alle Charlie-Chaplin-Masken tragen. Kaußen: „Bei geringsten Hinweisen auf eine Gefahrensituation werden wir reagieren.“