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Kein Dialog mehr: Krise um Kölner Moscheebau

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Immer noch nicht fertig: Die Zentralmoschee in Ehrenfeld Foto: Max Grönert
Die Ditib-Moschee sieht fertig aus, ist sie aber nicht. Wann der Bau beendet ist, weiß zurzeit niemand. Seit dem Führungswechsel im vergangenen Jahr herrscht Schweigen zwischen dem Ditib-Vorstand und Altoberbürgermeister Fritz Schramma.  Von
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Wenigstens einer hat eine konkrete Zusage der Moschee-Bauherrin in der Tasche: Walter Sorich vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik der Stadt Köln. In den Sommerferien werde der seit Monaten brachliegende Ausbau der Kreuzung Innere Kanalstraße/Venloer Straße in Ehrenfeld endlich weitergehen und damit eines der größten verkehrspolitischen Ärgernisse beseitigt. „Wir haben das mit der Türkisch-Islamischen Union Ditib verbindlich abgestimmt. Sie hat ihre ausstehenden Bauaufträge endlich erteilt“, sagt Sorich. Das habe ihm der neue Projektleiter für den Moscheebau, Selim Mercan, in die Hand versprochen.

Auf derart verbindliche Aussagen über den Fortschritt des Gesamtprojekts wartet Fritz Schramma dagegen seit Monaten vergeblich. Kölns Altoberbürgermeister, der immer ein Befürworter des Moscheebaus war und diesen auch gegen Widerstände in seiner eigenen Partei verteidigt hat, spricht wenige Tage vor dem traditionellen Fastenbrechen am 9. Juli, zu dem er als Mitglied des Moschee-Beirats eingeladen ist, von einer „erheblich erschwerten Kommunikation“. Seit dem Führungswechsel im Ditib-Vorstand im Oktober 2012 gebe es keinen direkten Dialog mehr. Und das liege nicht nur an den sprachlichen Problemen.

Reaktionäre Tendenz

Noch wolle er nicht so weit gehen und vom einem Kurswechsel sprechen, aber seit Izzet Er, ehemaliger Botschaftsrat der Türkei in Frankreich, den Vorsitz von Ali Dere übernommen habe, „scheint da eine reaktionäre Tendenz zu herrschen“, so Schramma. „Ich habe immer mal wieder um ein Vieraugengespräch gebeten, um mal etwas wärmer mit dem neuen Vorstand zu werden. Bisher ist das nicht zustande gekommen.“ Die türkische Regierung in Ankara lasse sich regelmäßig über den Fortgang des Moscheebaus berichten. „Wenn man die aktuelle Politik des Ministerpräsidenten Erdogan betrachtet, läuft da im Moment etwas völlig gegen den Strich.“

Die Ditib-Verantwortlichen und Fritz Schramma feiern 2005 mit Paul Böhm dessen preisgekrönten Architekten-Entwurf.
Die Ditib-Verantwortlichen und Fritz Schramma feiern 2005 mit Paul Böhm dessen preisgekrönten Architekten-Entwurf.
Foto: Archivbild Christian Knieps

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Schramma ist sicher, dass sich die Ditib vor einer Woche vor allem aus inhaltlichen Gründen von ihrem Architekten Orhan Gökkus getrennt hat. Gökkus hatte das Projekt vor zwei Jahren nach dem Zerwürfnis der Ditib mit Paul Böhm übernommen. Deshalb habe er ihm auch geraten, an die Öffentlichkeit zu gehen, so Schramma. Gökkus' Vorstellungen und Entwürfe für die Innenausstattung der Moschee mit modernen Darstellungen, die gemeinsam mit renommierten Künstlern erarbeitet wurden, seien von der Ditib offenbar nicht mehr gewollt. „Ich fand sie ausgezeichnet“, sagt Schramma. „Einfach passend für diesen Bau. Die Innenausstattung muss mit der Architektur korrespondieren.“ Die Bauherrin, die die Trennung von Gökkus damit begründet hatte, dass „der Bau schleppend verläuft und die vereinbarten Leistungsstände auf der Baustelle nicht erreicht werden“, müsse ihre Vorstellungen über die Gestaltung endlich darlegen. „Die Ditib kann ja sagen, wenn ihr das nicht gefällt. Aber sie muss diese Hinhaltetaktik aufgeben“, so Schramma.

Informationsrunde am Montag

Die von ihm geforderte Sondersitzung des Moschee-Beirats noch vor der Sommerpause („Wir hätten uns ja eine Stunde vor dem Fastenbrechen zusammensetzen können“), wird es zwar nicht geben, der Druck auf die Bauherrin ist inzwischen aber offenbar so groß geworden, dass sie dessen Mitglieder am kommenden Montag zu einer halbstündigen Informationsrunde eingeladen hat. Schramma befürchtet, dass diese Zeit nicht ausreichen wird, um alle Fragen zu beantworten. „Zur Not werde ich meine Fragen schriftlich hinterlegen und auf eine ausführliche Beantwortung drängen.“ Bis zur nächsten ordentlichen Sitzung des Moschee-Beirats am 30. September werde man sich jedenfalls nicht gedulden. „Wir würden nicht nur gerne die Wahrheit erfahren, warum die Ditib sich von ihrem Architekten getrennt hat.“

Das Fastenbrechen am Dienstag sei kein geeigneter Rahmen für politische Diskussionen, „aber an den Tischen wird auch beim Iftar-Essen die Frage, wann die Moschee endlich fertiggestellt wird, sicher eine Rolle spielen“.

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