26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Reaktionen nach den Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof: Keine Angst unter den Reisenden
07. January 2016
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Reaktionen nach den Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof: Keine Angst unter den Reisenden

Polizisten nehmen am Kölner Hauptbahnhof einen mutmaßlichen Gepäckdieb fest.

Polizisten nehmen am Kölner Hauptbahnhof einen mutmaßlichen Gepäckdieb fest.

Foto:

Arton Krasniqi

Köln -

Schon seit Monaten stehen Gruppen junger Männer im Fokus der Polizei, weil sie am Kölner Hauptbahnhof Reisekoffer und Fotoausrüstungen stehlen. Und jetzt, da in der Silvesternacht zahlreiche Frauen auf dem Bahnhofsvorplatz sexuell belästigt wurden, sprechen die Behörden sogar von einer neuen Kategorie der Straftaten am Drehkreuz der Stadt (siehe „Eine neue Dimension der Gewalt“).

Die Verunsicherung ist groß: Und doch ist am Ort des Geschehens nicht viel mehr zu spüren als die übliche Hektik. Reisende orientieren sich in der Bahnhofsvorhalle, warten auf den Gleisen. In kleinen Gruppen durchstreifen Sicherheitsleute der Deutschen Bahn die Gänge. Alles wirkt normal an diesem Montagmittag.

Geteilte Meinungen

Am Kiosk auf Gleis 10 bestellt sich Monika Faatz einen Kaffee. Ihr Portemonnaie legt sie unbeachtet neben sich. Von den Übergriffen in der Silvesternacht und den vermehrten Diebstählen hat die Kölnerin nichts mitbekommen. „Wenn mir einer was klaut, wird er es wohl nötiger haben als ich“, sagt sie. „Ich fühle mich hier sehr sicher.“

Eine Ansicht, die sie mit Monika Hehnes teilt. Die 71-Jährige hat zuletzt in London gelebt, 2014 ist sie zurück nach Köln gekommen. Fast täglich steigt sie am Hauptbahnhof um. „Ich denke da nicht so viel drüber nach“, sagt sie. „Ich weiß doch, dass wir nicht in einer heilen Welt leben.“ Trotzdem meide sie den Bahnhof während großer Veranstaltungen. „Dann passiert mir auch nichts.“

Yasemin Temur sieht das alles etwas kritischer. Die 34-Jährige arbeitet seit zehn Jahren am Hauptbahnhof. An diesem Montag steht sie im Snack Point, dem Kiosk inmitten der Bahnhofshalle. „Ich kriege hier viel mit“, erzählt sie und berichtet von Diebstählen und Schlägereien. „Das ist alles mehr geworden in den letzten zwei Jahren.“ Trotz der Umstände fühle sie unter den Reisenden jedoch keine größere Unsicherheit, sagt sie, „alles normal“.

Ihr Kollege Patrick Canlas stimmt ihr zu. „Wir müssen den Kunden aber immer wieder sagen, dass sie ihre Taschen näher zu sich stellen sollen“, sagt er. „Die Diebe sind einfach so schnell.“

Für Jenny Lentes, Mitarbeiterin der Buchhandlung Ludwig, gehört das, was Temur und Canlas beschreiben, zum „üblichen Bahnhofgeschehen“. „Im Drei- bis Vier-Tages-Takt kommt hier jemand rein und fragt, wie er zur Polizei kommt.“

Deswegen habe man vor ein paar Monaten auch mehr Sicherheitspersonal eingestellt, berichtet sie. Heute ist niemand da. „Es ist Montag“, sagt Lentes. Am Wochenende sei das anders.