25.07.2016
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Klangprobe feat. Katortz: Rauer Rock gegen die digitale Flut

Stefan Schwartz (v.l.), Karsten Nordhausen und Toshi Trebess sind Katortz.

Stefan Schwartz (v.l.), Karsten Nordhausen und Toshi Trebess sind Katortz.

Foto:

Grönert

Köln -

„Wir haben alles gesehen“, so heißt die Debütscheibe des progressiven Stoner Rock Trios Katortz. Das klingt überheblich und resigniert zugleich. Lauscht man den kritischen Texten von Sänger und Gitarrist Toshi Trebess alias To, dann entpuppt sich der Titel schnell als ironisch verpackter Seitenhieb auf Menschen, die im digitalen Überfluss leben, die deshalb nichts mehr schockieren kann, weil sie bereits im Schockzustand verharren. „Die digitale Informationsflut, die tagtäglich über uns hereinbricht, ist gewaltig, allgegenwärtig und kaum zu verarbeiten“, findet Trebess. „Es geht heutzutage nur noch um schnelle Kommunikation, man ist überall erreichbar und alles ist immer verfügbar.“ Im Titelsong singt er: „Wir haben alles gesehen, ihr wisst ja sicher, was wir meinen. Wir können nicht widerstehen, wir wollen Schweigegeld in großen Scheinen.“

Ein Hang zu psychedelischer Musik

Begleitet von einer feist groovenden Rhythmusfraktion und den bluesig-psychedelischen Klängen einer E-Gitarre rollt das Stück langsam aber gewaltig aus den Boxen. Eindringlich werden jene kritisiert, die nicht müde werden, die digitale Welt als das Non plus ultra der technologischen Evolutionsleiter zu verkaufen. Aber auch Menschen, die „trotz mangelnden Talents in Castingshows mit den letzten Peinlichkeiten auftreten“, bekommen ihr Fett weg in den Texten der 2010 gegründeten Formation.

Musikalisch lässt sich das Trio indes nicht von der Gegenwart inspirieren, sondern von den Klängen der 1960er und 1970er Jahre. „Die Beatles sind für uns sehr wichtig, bei mir als Songwriter sind sie sogar allgegenwärtig“, schildert Trebess. „Wir haben alle drei aber auch einen Hang zu psychedelischer Musik, zudem lassen wir uns vom Sound, von der Musikästhetik der 1970er Jahre beeinflussen.“ Erdig und rau, wuchtig und treibend kommen die Songs der Debütplatte daher, vielschichtig und sphärisch sind sie obendrein. Auch aktuellere Formationen wie die US-amerikanische Alternative Rock Combo Queens of the Stone Age haben ihre Spuren bei Katortz hinterlassen. Generell klingt die Kölner Combo sehr amerikanisch, die deutschen Texte passen trotzdem hervorragend ins Konzept.

Lieber auf Deutsch

„Ich habe früher englische Texte geschrieben, das aber gehasst, weil ich mich damit nicht so gut ausdrücken konnte“, sagt Toshi Trebess. „Auf Deutsch zu texten ist zwar besser, allerdings auch nicht unbedingt leichter, weil dabei der Grat zwischen Peinlichkeit und coolen Texten doch ziemlich schmal ist.“

Auf diesem Grat flanieren Katortz indes mit schlafwandlerischer Sicherheit: Die ruppigen Gedankenfetzen und bitterbösen Ansagen sind bar jeder Peinlichkeit. Zudem verbinden die Herren ihre harschen Bestandsaufnahmen mit einer Musik, die wunderbar unzeitgemäß ist. Und gerade deshalb zeitlos gut.


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