28.09.2016
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Klangprobe feat. The Postantike: Nichts Tanzbares im Repertoire

Frauke Schneider, Daniel Angermann und Daniel Hyngar sind „The Postantike“.

Frauke Schneider, Daniel Angermann und Daniel Hyngar sind „The Postantike“.

Foto:

Rösgen

Köln -

Dunkel, fast schwarz beginnt der Videoclip zum Stück „Macbeth“. Zu synthetischen Klängen zucken Blitze, und Nebel wabert durchs Bild. Eine dunkelhaarige Frau beginnt einen trance-artigen Tanz. Gesang setzt ein – tief und bedeutungsschwer. Sänger Daniel Hyngar zitiert Textzeilen aus William Shakespeares Drama Macbeth.

Leichte Kost ist es nicht, was die junge Band „The Postantike“ ihrer Fangemeinde serviert. Der Sound der dreiköpfigen Band wird bestimmt vom Klang einer Korg-Wavestation, ein Synthesizer. Zusammen mit der Stimme Daniel Hyngars werden sofort Erinnerungen an die 1980er Jahre wach. Etwa an Tears for Fears, an Human League oder Depeche Mode. Als New Wave oder auch Post Punk wurde diese Musikrichtung bezeichnet.

Ist diese Ära für die 24, 25 und 31 Jahre alten Musiker etwa schon so weit weg, dass sie schon „Antike“ ist? Was den Namen „Postantike“ vielleicht erklären würde. „Nein“, sagt Daniel Hyngar. Mit Ironie habe das nichts zu tun. Er berichtet von den philosophischen Gesprächen mit Daniel Angermann und Frauke Schneider. Es ging dabei um die Antike, speziell das griechische Altertum. „Im Grunde wurde vor 2500 Jahren alles schon einmal gedacht und erschaffen. Ob in der Kunst, Literatur oder Architektur“, sagt Angermann. Seither wiederhole sich alles immer wieder, lautete die Schlussfolgerung. „Wir leben also in der Postantike“, so Hyngar.

Musiker mit Design-Studium

Das Design-Studium haben alle drei Bandmitglieder gemeinsam. Angermann (31) hat es bereits abgeschlossen und ein eigenes Büro, Daniel Hyngar und Frauke Schneider stehen vor dem Abschluss an der Ecosign-Akademie in Ehrenfeld. „Die Musik begreifen wir als weitere Ausdrucksmöglichkeit für unsere kreativen Ideen und unsere Gedankenwelt“, sagt Schneider. Jedes der bisher produzierten Stücke ist als Gesamtkunstwerk mit einem Videoclip zu sehen. Nebel und Lichteffekte werden als Ausdrucksmittel verstanden. Viele der Filme sind in Schwarz-Weiß gehalten. Alle Clips haben – wie eingangs beschrieben – eine düstere, beinahe depressive Grundstimmung gemein. Die Kompositionen selbst werden in einem gemeinsamen Prozess langsam und intuitiv entwickelt.

„Dass wir grundsätzlich depressiv sind, sehen wir selbst eigentlich nicht, es gibt durchaus Bilder und Textpassagen, in denen Hoffnung zum Ausdruck gebracht wird“, findet Daniel Hyngar. „Aber wir werden tatsächlich oft gefragt, wieso wir nichts Tanzbares im Repertoire haben“, sagt Daniel Angermann. Auf „Teufel komm ’raus“ will die Band das aber nicht. „Wir wollen glaubwürdig sein. Wir beschäftigen uns eben mit anderen Dingen als mit fröhlicher Tanzmusik, die eine heile Welt vorgaukeln würde“, sagt Frauke Schneider. Daniel Angermann ergänzt, dass die Band ihr Publikum lieber mit einer eher minimalistischen Show aus Licht und Klang zum Staunen bringen möchte als zum Hüpfen.

Konsequenterweise werden die Stücke auf der Bühne nahezu statisch vorgetragen. Die Musiker verzichten auf Gesten, Posen und auch auf ein auffälliges Bühnenoutfit. Daniel Angermann, Komponist der meisten Stücke, bleibt bei Live-Auftritten ganz im Hintergrund. „Ich bediene den Computer“, erklärt er. Keyboarderin Frauke Schneider improvisiert über die eingespielten Samples und die elektronischen Schlagzeugklänge, während Daniel Hyngar mit unverkennbarer Gesangsausbildung und Chorerfahrung den Liedern stimmlich seinen Stempel aufdrückt.


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