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Kleiderstube: Schöne Sachen statt Billigzeugs

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Marianne Arndt
Marianne Arndt hat das Projekt, das ohne ehrenamtliches Engagement nicht denkbar wäre, ins Leben gerufen. (Bild: Christoph Hennes)
Buchheim

Der eine braucht einen schicken Anzug, um bei einem Vorstellungsgespräch eine gute Figur zu machen, der andere einen Anorak, einen Pullover oder eine Hose für das eigene Kind, das wieder aus den alten Sachen herausgewachsen ist. Für kleines Geld fündig werden beide in der Kleiderstube „Jacke wie Hose“, die die katholische Kirchengemeinde St. Clemens & Mauritius seit etwa anderthalb Jahren in der Wichheimer Straße in Buchheim unterhält, in den Räumen einer ehemaligen Bäckerei.

Noch ist viel Winterware in den Regalen und an den drehbaren Rundständern zu sehen, doch bald werde sie durch Kleidung ersetzt, die für wärmere Zeiten geeignet ist, stellt Marianne Arndt in Aussicht. Sie ist verantwortlich für die gesamte Caritasarbeit in der Gemeinde und Initiatorin des Projekts. „Es gibt doch noch viele Leute, die viel haben“, hat sie festgestellt: „Wir werden zugeschüttet mit Kleidung“.

Kleiderstube
In der ehemaligen Bäckerei Steindor in der Wichheimer Straße ist im November 2010 die Kleiderstube eröffnet worden. (Bild: Christoph Hennes)

Die komme nicht nur aus der Gemeinde, sondern ebenso aus Stadtteilen wie Dellbrück und Holweide und auch „von der anderen Rheinseite“. Vorne im Laden finden sich das Angebot für Frauen und Kinder, gebrauchte Schuhe und einiges an Spielzeug, im mittleren Trakt ist das Büro mit Lager untergebracht, und der Hinterraum ist für Herrenoberbekleidung reserviert.

„Das ist zum Teil sehr hochwertige Kleidung“, sagt Marianne Arndt, während sie als Beispiel einen neu aussehenden grünen Damenmantel hochhält, „und wir sind sehr dankbar dafür“. Das, was sie „Schrott“ nennt, werde ohnehin nur sehr selten vorbeigebracht. Textilien, die dennoch zu verschmutzt sind oder geflickt werden müssten, wandern in Säcke, die sich im Lagerraum sammeln. Sind ein paar Dutzend zusammen, gehen sie an die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Entweder werden sie in deren Behindertenwerkstätten aufgearbeitet oder aber zu Stoffwolle geschreddert, die weiter verwendet werden kann.

„Ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet“ – dieses Jesus-Wort aus dem Matthäus-Evangelium zitiert Marianne Arndt und fügt die eigenen Worte hinzu: „Hier sollen Menschen mit Würde reingehen und sich für geringes Geld schöne Sachen holen können.“ Etwa einen Mantel, der nur zwischen drei und fünf Euro kostet, oder einen Herrenanzug mit Weste für lediglich vier bis acht Euro. Oder einen äußerst preiswerten Kinderblouson, der wie ungetragen wirkt. Ein zusätzlicher Zweck der Auswahl von „schönen Sachen“ sei, „ dass sich die Leute nicht bei Textildiscountern chemisches Billigzeug holen müssen“, sagt Marianne Arndt.

Bedient werden die Kunden von 15 ehrenamtlichen Helferinnen, die sich im Dienst abwechseln; die Leitung hat Ursula Herm. Weitere ehrenamtliche Mitarbeiterinnen werden gesucht. Voraussetzung für deren Tätigkeit ist nach den Worten der Gemeindereferentin „ein Gefühl für Menschen und ein Gefühl fürs Material“, also sowohl für dieKundschaft als auch für die Textilien. Der Erlös, der mit dem Verkauf der gespendeten Kleidung erzielt wird, kommt der Caritasarbeit in der Gemeinde zugute.

Mit der Kleiderstube werde „kirchliches Engagement ganz lebendig“, sagt Marianne Arndt. Die Einrichtung ergänzt die Palette der karitativen Angebote in der rechtsrheinischen Pfarrgemeinde – Angebote, die ebenfalls nicht möglich wären, wenn das weggeworfen würde, wovon andere noch profitieren können. So sorgen ehrenamtliche Mitarbeiter, einige Lebensmittelmärkte und -produzenten und auch die „Kölner Tafel“ dafür, dass an zwei Kirchen wöchentlich Essen an Bedürftige ausgegeben wird, am Dienstag in St. Mauritius und am Donnerstag in St. Antonius. Mit der Ausgabe verbunden sind ein „Kaffeetreff“ und eine Caritas-Sprechstunde. Engagiert ist die Gemeinde überdies in der Nachbarschaftshilfe „Kölsch Hätz“, die von Protestanten und Katholiken gemeinsam getragen wird.

Damit die Kleiderkammer mit ihrem ungewöhnlich preisgünstigen Angebot nicht von Geschäftemachern ausgenutzt werden kann, werden Kundenkarten geführt. Mit ihnen lässt sich kontrollieren, ob jemand regelmäßig kommt, um Kleidung in großer Stückzahl abzunehmen; denn das legt den Verdacht nahe, dass er vorhat, die billig erworbene Ware zum Beispiel auf Flohmärkten teurer weiterzuverkaufen. Alle anderen Kunden dagegen sind willkommen, und keiner von ihnen muss seine Bedürftigkeit nachweisen. „Hier kann jeder herkommen, sich in Ruhe umschauen und entscheiden, ob etwas passt“ , sagt Marianne Arndt. Der Laden in Buchheim scheint sich etabliert zu haben: „Wir werden sehr gut besucht.“

Jacke wie Hose, Wichheimer Str. 22, Öffnungszeiten montags 10-13 Uhr und mittwochs 15-18 Uhr ; in dieser Zeit ist das Geschäft unter 01578/956 97 61 zu erreichen

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