27.07.2016
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Kunst in Köln 2020: Mehr Geld, mehr Platz für Kunst in Köln

Blick in die Sonderbund-Ausstellung im Wallraf

Blick in die Sonderbund-Ausstellung im Wallraf

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stefan worring

Köln -

Köln leuchtet: Auch wenn die legendären 80-er Jahre wohl so schnell nicht wieder kommen werden, ist Köln 2020 wieder eine echte Stadt der Kunst. Mit dem Museum Ludwig und dem Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud gibt es zwei Häuser mit internationaler Ausstrahlung, die Art Cologne gehört wieder zu den wichtigsten Kunstmessen der Welt, die Galerienszene hat sich nach dem kräftigen Aderlass der 90er Jahre erholt und auch das bürgerschaftliche Engagement für die Kunst ist nach wie vor tief in der Stadt verankert. In keinem anderen kulturellen Feld bieten sich so große Chancen für ein blühendes Jahr 2020. Aber die Möglichkeiten müssen auch erkannt und genutzt werden – Verzagtheit kann sich die traditionsreiche Kunststadt Köln nicht leisten.

Im Jahr 2020 wird die Stadt die stetig steigenden Kosten für Strom, Bewachung und Instandhaltung, unter denen ihre Museen ächzen, schon seit einigen Jahren ausgeglichen haben. So können sich die Kunsthäuser auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren. Auch die alte Forderung der Museumsdirektoren nach größerer Unabhängigkeit wurde gehört. Beim Wallraf-Richartz-Museum führt dies schon lange zu deutlich besseren Wirtschaftszahlen, jetzt erntet auch das Museum Ludwig die Früchte der neu gewonnenen Freiheit. Die Museen zahlen den Vertrauensvorschuss mit tollen Ausstellungen zurück, aber auch, indem sie sich noch stärker für alle Publikumsschichten öffnen – und die Bürger nehmen es dankbar an.

Fast 40 Jahre nach der legendären „Westkunst“-Ausstellung von 1981 richtet die Stadt Köln außerdem wieder ein weltweit beachtetes Großereignis für zeitgenössische Kunst aus. Als zentraler Ausstellungsort dient eine neue Josef-Haubrich-Kunsthalle im Rechtsrheinischen – die alte wurde 2002 ersatzlos abgerissen. All dies strahlt 2020 auf die anderen städtischen Kunstmuseen aus: Die großartigen Sammlungen des Museums für Angewandte Kunst, des Museums für Ostasiatische Kunst und des Museums Schnütgen glänzen endlich so, wie sie es verdienen.

Das alte Kirchturmdenken hat 2020 ausgedient – auch wenn Köln die schönsten Kirchtürme weit und breit zu bieten hat. Die Kunststadt Köln ist Teil der Kunstregion Rheinland und sucht, wie es die Art Cologne bereits seit Jahren erfolgreich praktiziert, in Marketingfragen das Gespräch mit ihren Nachbarn – und nimmt die Landesregierung in die Pflicht, sich stärker für seine Kunsthauptstädte zu engagieren. Neben dem großen Werbeauftritt behält Köln aber auch die bedeutenden „kleinen“ Institutionen im Blick: Im Jahr 2020 bezieht die Kunst- und Museumsbibliothek ein eigenes Haus, in dem sämtliche Bestände vereint sind und noch reichlich Platz für Zuwachs ist. Auch das Zentralarchiv des deutschen Kunsthandels wird nun so entschlossen unterstützt, dass selbst im Stillen niemand an einen Wegzug denkt.

Das bürgerschaftliche Engagement für die Kunst ist in Köln traditionell stark ausgeprägt – im Jahr 2020 holt hier auch das Engagement der politischen Parteien auf. Ein besonders trauriges Beispiel der Vergangenheit, der immer wieder aufgeschobene Erweiterungsbau für das Wallraf-Richartz-Museum, findet spätestens 2018 mit der Eröffnung ein glückliches Ende. Beinahe ist vergessen, dass erst der vom Wallraf-Stifterrat finanzierte Architekturwettbewerb die Wende zum Besseren brachte.

Ansonsten hat die Stadt das Zusammenspiel mit der Stiftung Ludwig auf sämtliche private Förderer übertragen. Wie beim Museum Ludwig stockt die Stadt die Zuwendungen der Stifter und Freundeskreise auch bei ihren anderen Museen jeweils um denselben Betrag auf. Um dieses Modell wird Köln im ganzen Land beneidet, weshalb private Sammler aus dem Rheinland ihre Schätze nicht mehr nach München tragen, sondern an Kölner Museen geben. Ähnliche Freude bereiten uns 2020 die Skulpturen im öffentlichen Raum: Bei der Erhaltung und Sichtbarmachung dieser allzu lange missachteten Kunstwerke ist die Stadt mit gutem Beispiel vorangegangen und hat das eine oder andere private Unternehmen erfolgreich daran erinnert, welche Schätze es vor aller Augen verkommen lässt. Insbesondere Otto Pienes bewegliche Skulptur am Wormland-Haus in der Hohe Straße ist nach Jahrzehnten des Stillstands wieder ein Blickfang.

Mit der Art Cologne, immerhin der ältesten Kunstmesse der Welt, geht es 2020 immer noch stetig bergauf – und das, obwohl Köln weder mit der Schweizer Steuerpolitik noch mit dem Flair von Paris und London konkurrieren kann. Messeleiter Daniel Hug ist mit seiner Politik der kleinen Schritte weiterhin erfolgreich und zieht die anderen Messen mit. Mit der auf gediegene Kunst und Antiquitäten ausgerichteten Cologne Fine Art und der privaten Einsteigermesse Art Fair deckt Köln die wichtigsten Segmente des Kunstmarkts ab.

Eine lebendige Kunstszene braucht Galerien – das ist die Lehre der 70er und 80er Jahre, als der blühende Kölner Kunsthandel viele junge Künstler in die Stadt lockte. Die Stadt unterstützt die Galerien deswegen 2020 nach Kräften – etwa bei der Suche nach Gewerbeflächen – und fördert vor allem die „dc open“, die gemeinsame Eröffnung der Kölner und Düsseldorfer Galerien im Herbst. Ähnlich wichtig für junge Künstler sind günstige Atelierräume und ausreichend Ausstellungsflächen – auch dafür ist 2020 gesorgt.


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