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Kölner CDU-Chef : Petelkau erwägt Ratskandidatur

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CDU-Parteichef Bernd Petelkau. Foto: Worring
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Winrich Granitzka will zur Kommunalwahl im Mai 2014 nicht wieder antreten. Die Suche nach einem Nachfolger soll erst nach den Bundestagswahlen beginnen. Parteichef Bernd Petelkau meldet bereits Interesse an.  Von
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Das jüngste Ereignis, das der Nachrichten-Ticker auf der Internet-Seite Winrich Granitzkas vermeldet, ist so ganz jung nicht: eine Ankündigung für den Girls' Day am 26. April 2012. Einen Tag lang hat sich der CDU-Fraktionsvorsitzende damals von drei Schülerinnen begleiten lassen, ein Schnupperkurs in Stadtpolitik. Ob im kommunalpolitischen Leben des CDU-Manns seit 13 Monaten nichts Berichtenswertes mehr geschehen sein sollte? Das wäre schade. Aber viel eher ist wohl von einer nachlässigen Pflege seines Internet-Aufritts auszugehen.

Vielleicht auch deshalb, weil Granitzka auf Werbung in eigener Sache verzichten kann – der leitende Polizeidirektor im Ruhestand wird zur Kommunalwahl im Mai 2014 nicht wieder antreten. Noch sei es müßig, über mögliche Nachfolger zu spekulieren, heißt es bei den CDU-Oberen. Die Suche nach dem künftigen Fraktionschef werde erst nach der Bundestagswahl im kommenden Herbst beginnen. Das klingt nachvollziehbar; vor allem, weil der Ausgang der Abstimmung nicht ohne Folgen für die Besetzung der Unionsfraktion bleiben wird. Zwei der erfahrensten Mitglieder, Gisela Manderla und Karsten Möring, kandidieren für Berlin. Den Umfragen zufolge haben sie durchaus gute Aussichten. Im Falle ihrer Wahl würden beide für die Nachfolge Granitzkas ausscheiden.

Dabei gilt gerade der 63-jährige Verkehrsexperte Möring, Leiter des Porzer Gymnasiums, aus mehreren Gründen als geeigneter Anwärter auf den Spitzenposten in der Fraktion. Wie Granitzka hat er den Ruf eines loyalen, verbindlichen Politikers; kein Haudrauf, sondern ein abwägender Charakter. Möring gehört em Rat seit 1999 an, fünf Jahre länger als Granitzka. Der Oberstudiendirektor aus Rodenkirchen verfüge über mehr politische Schläue, er denke strategischer, heißt es.

Ein nicht zu unterschätzender Gesichtspunkt ist die Zeitfrage. Wer kann es sich überhaupt leisten, dem Ehrenamt einen Großteil seines Arbeitstages zu widmen? In einer Millionenstadt, die mit dem Etat eines kleineren Bundeslandeslandes wirtschaftet, erfordert der Posten an der Spitze einer großen Fraktion professionellen Einsatz. Möring wird im Sommer 2014 das Pensionsalter erreichen – und hätte damit freie Bahn. Jüngere Talente, die beruflich nicht unabhängig sind oder für eine Familie sorgen müssen, dürften dagegen wenig Aussichten haben. Das gilt für Niklas Kienitz (37), der in der Immobilienwirtschaft arbeitet, ebenso wie für den Gymnasiallehrer Helge Schlieben (41). Beide würden der Kölner Union, die ihr Profil schärfen will, Entwicklungsmöglichkeiten über mehrere Wahlperioden hinweg bieten. Möring dagegen wäre als Übergangschef zu betrachten.

Andere Namen, die im Zusammenhang mit der Nachfolge Granitzkas zu hören sind, sind dessen Stellvertreter Henk van Benthem und Ralph Elster. Von dem promovierten Biologen Elster, Jahrgang 1963, heißt es, er könne in kulturpolitischen Debatten Mehrheiten gegen Granitzka organisieren. Es sei jedoch fraglich, ob ihm die Mannschaft auch dann noch folgen würde, wenn es um mehr gehe, als Unzufriedenheit mit dem Kapitän auszudrücken. Dem 62-jährigen Versicherungsmakler van Benthem wird ein politischer Traumjob außerhalb des Rathauses nachgesagt – Bezirksbürgermeister in Porz. Allenfalls geringe Chancen auf den Spitzenposten dürfte die selbstständige Modeschneiderin Birgit Gordes haben, die Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU. Ähnliches gilt für die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ursula Gärtner, eine Diplom-Volkswirtin aus dem Agnesviertel.

Petelkau könnte der starke Mann werden

CDU-Parteichef Bernd Petelkau erwartet von dem künftigen Fraktionsführer „Enthusiasmus für die Stadt Köln“. Die neue Nummer eins müsse „die Fähigkeit haben, über Parteigrenzen hinweg Zukunftskonzepte zu entwickeln“. Die Finanzkrise Kölns werde sich nur mit einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit bewältigen lassen. Am 23. November wird die CDU ihre Kandidaten für den Stadtrat wählen. Petelkau schließt nicht aus, dass er sich selber um einen Sitz bemühen wird. Nachdem er von mehreren Seiten ermuntert worden sei, befinde er sich derzeit „in einem Abwägungsprozess“. Es gehe darum, „was für die Partei und die Fraktion das Sinnvollste ist“. Sollte der 48-Jährige, der dem Rat schon einmal von 1999 bis 2004 angehörte, ein Mandat erhalten, stünde er weit oben auf der Liste für Führungspositionen in der Fraktion.

Vor seiner Wahl zum Parteichef vor gut einem Jahr hatte Petelkau betont, kein öffentliches Mandat anzustreben. Er wolle sich nicht um innerparteiliche Listenplätze bewerben, das werde ihm innerparteiliche Unabhängigkeit bewahren. Seine damalige Äußerung habe sich weniger auf eine Kandidatur für den Stadtrat bezogen, für ein Ehrenamt also, sagt Petelkau heute. Doch auch er wird sich die Zeitfrage stellen; der vierfache Familienvater aus Lindenthal arbeitet bei der Commerzbank in Frankfurt.

Im Gegensatz zur Kölner SPD, deren Fraktionsvorsitzende dank eines Sitzes im Landtag stets Berufspolitiker sind, lehnt die CDU Doppelmandate ab. Vereinzelt ist über Ausnahmeregelungen nachgedacht worden. Möglicherweise wird das Thema an Bedeutung gewinnen, falls der Kreis möglicher Granitzka-Nachfolger allzu stark schrumpfen sollte. Der Auftrag bleibt einstweilen bestehen: Die Volkspartei CDU im Kölner Rathaus wieder zu einem gewichtigen Akteur zu machen.

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