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Kölner Haie: Haie-Fans hungrig auf Meisterschaft

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Hai mit Haut und Haar: Andreas Cicek pflegt seine große Liebe zum Kölner Eishockey Club und hofft auf die Meisterschaft. Foto: Martina Goyert
Die erste Meisterschaft der Kölner Haie erlebte Andreas Cicek 1977 live im Stadion mit. Nun hofft er KEC-Fan auf einen erneuten Erfolg seines Teams. Um 14.30 Uhr beginnt das vierte Spiel der Finalserie gegen die Eisbären Berlin.  Von
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Zu behaupten, Andreas Cicek sei ein wortkarger Mensch, wäre falsch. Die Geschichte über sein erstes Trikot – dem von Haie-Legende Udo Kießling („eines meiner größten Idole“) – schmückt er genauso ausdauernd aus wie die über Haie-Legende Andi Lupzig („der konnte nicht Eishockey spielen, war ein Wahnsinnsklopper, aber ein Riesenidol“). Oder jene über Haie-Legende Mirko Lüdemann („eines meiner größten Idole“). Lustig ist die Geschichte mit den Stars von damals im Wiener Steffie vor ein paar Jahren, jeder Spieler mit eigener Flasche Whiskey oder Wodka am Tresen, dazu wilde Verbrüderungsszenen.

Traurig wird es, wenn er von seinem letzten Gespräch mit Haie-Keeper Robert Müller spricht, der im Mai 2009 an Krebs starb. Stolz schwingt mit, als er das T-Shirt mit den Lettern „Wir sind Haie!“ zeigt, das er mit anderen Fans 2010 auf der Schildergasse verkaufte, als die Haie kurz vor der Insolvenz standen. Die Augen des 46-Jährigen blinken bubenhaft, wenn er von seinem Verein und seinen Helden erzählt, jeder Spieler kommt bei ihm glorios gut weg, überhaupt ist Cicek das Gegenteil eines bissigen Typen. Unter Haie-Fans kennt man ihn als: „Der leeve Jung“.

Ausgehungerte Fans

Wortkarg wird Andreas Cicek, Sohn eines gebürtigen Türken und einer Holländerin, mindestens 100 Prozent Kölner, wenn es um das Warum geht. Warum der KEC und nicht der glorreiche 1. FC Köln? Warum Eishockey, Halle, zwei oder drei Spiele die Woche, kleiner Puck, den man nur schwer sieht? Die Schultern des stattlichen Mannes gehen hoch, das frisch rasierte Kinn sinkt Richtung Brust. „Das ist einfach so“, sagt er, „irgendwo zieht einen die Liebe hin.“

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Andreas Cicek glaubt einfach an die Kölner Haie, wie er an seine Freundin Bettina glaubt oder an seine Fähigkeiten, etwas verkaufen zu können. Er ist Vertriebler, einer seiner größten Coups war natürlich ein Hai: der baumelt jetzt blitzend und zähnefletschend an der Decke, es ist ein Lampen-Hai. Sollte 798 Euro kosten im Möbelhaus, war ein Vorführmodell, Cicek bekam ihn für 350. Eine Saison mit den Haien kommt ihn deutlich teurer. „375 Euro für die Dauerkarte plus 20 Euro für Essen und Trinken pro Spiel, dazu die vielen Auswärtsspiele, ich komme locker auf 2000 Euro pro Jahr, wahrscheinlich mehr.“ Die Schultern gehen hoch, kurzes Schweigen: „So ist das bei einer Liebe.“ Auch die treueste Liebe bedarf der Erwiderung. Am liebsten ist Cicek als Anerkennung wie jedem Fan der Erfolg. Bei der ersten Meisterschaft des Clubs 1977 war er zum ersten Mal im Stadion, er wollte dann auch Eishockey spielen, machte ein Probetraining bei den Haien, aber der Sport war zu teuer. „1500 Mark für eine komplette Ausrüstung, dafür war zu Hause kein Geld da.“ Die Meisterschaften 1984, 1986, 1987, 1988, 1995 und 2002 erlebte als Dauerkarteninhaber, „ich zehre noch von der Meisterschaft 2002, wir zehren alle noch davon, aber wir sind sehr ausgehungert“.

Jetzt soll der Erfolgshunger endlich gestillt werden. Zwar liegen die Eisbären in der Finalserie vorn nach dem 3:4-Sieg gegen die Haie am Freitagabend.

Geplante Heldenfahrt

Cicek wird sich wie vor jedem Playoff-Spiel, das die Haie gewonnen haben, gründlich rasieren (anders als viele Kumpels, die sich seit Beginn der Finalspiele einen Bart wachsen lassen), er wird wieder das Trikot von Jon Landry überstreifen, eines von 15, die den Kleiderschrank überfrachten, er wird ein paar Kölsch trinken und auf den Anpfiff warten, um dann vor Anspannung schweigsam oder „in der Wortwahl nicht politisch korrekt“ zu werden.

Wenn es geschafft ist, wovon er „zu 100 Prozent überzeugt ist“, wird die Rückfahrt nach Köln zur Heldenfahrt. Oft wird beim Lachen Ciceks spitzer Schneidezahn zu sehen sein, der natürlich super als Hai-Zahn durchgeht. Und wenn nicht? „Mund abputzen, weitermachen“, sagt Cicek. Und ein bisschen traurig schweigen.

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