29.09.2016
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Gewaltsame Übergriffe in der Silvesternacht: Touristen sagen Reisen nach Köln ab

Polizeikontrollen vor dem Kölner Hauptbahnhof.

Polizeikontrollen vor dem Kölner Hauptbahnhof.

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Thomas Banneyer

Die Welt schaut auf Köln seit den Vorfällen am Hauptbahnhof. Die Washington Post berichtete ebenso über die Übergriffe in der Silvesternacht wie die englische BBC und Fernsehsender aus Tokio.

Viele Touristen, die eine Reise an den Rhein planen, stellen sich die Frage: Ist Köln noch sicher? Das Image Kölns habe einen Knacks erlitten, sagt Josef Sommer, Geschäftsführer von Köln-Tourismus. Mails und Anrufe besorgter Touristen und Reiseveranstalter erreichen die 100-prozentige Tochter der Stadt, zuständig für eine möglichst positive Außen-Darstellung, derzeit reichlich. Auch Hotel-Stornierungen würden immer wieder angedroht, sagt Sommer.

Die Werbung für Köln ist derzeit ein Geschäft unter verschärften Bedingungen. Der Tourismus-Chef spricht von einer Gratwanderung. „Einerseits können wir als Tourismusorganisation nicht garantieren, dass so etwas nie wieder passiert, andererseits geht es uns darum, die Gäste zu beruhigen.“

Dass es ein langfristiger Schaden ist, den Köln zu verkraften hat, glaubt der Tourismus-Chef nicht: „Wir bauen darauf, dass die Behörden alles unternehmen, dass sich so etwas nicht wiederholt.“

Touristen verlieren Vertrauen

Bei manchen Touristen ist dieses Vertrauen bereits abhanden gekommen. Eine Gruppe aus dem Erzgebirge kündigte der Stadt am Mittwoch an, ihre geplante Sommerreise nach Köln abzusagen. „Sie werden verstehen, dass wir Leib und Leben nicht unter diesen Umständen auf das Spiel setzen.“

Christoph Becker, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Köln mit derzeit 1500 Mitgliedsbetrieben, berichtet von einer großen Unsicherheit. Nicht nur Privattouristen, auch Geschäftsreisende hinterfragten die Sicherheitslage in der Stadt.

Kölns Kleinkriminalität sei schon immer ein Thema gewesen, nach der Silvesternacht „wird das Negativ-Image potenziert“. Becker befürchtet, dass sich auch so mancher Karnevalsfan in diesem Jahr das Schunkeln im Schatten des Doms verkneift. Die schnelle Reaktion von Oberbürgermeisterin Henriette Reker sei zwar positiv, „aber kurz- bis mittelfristig ist Köln negativ besetzt“.

Lesen Sie im nächsten Abschnitt: Warum bei Kölner Unternehmerschaft Besorgnis herrscht.

Auch in der Kölner Unternehmerschaft herrscht Besorgnis, dass das Ansehen des Wirtschaftsstandorts Schaden nehmen könnte. „Wir hatten bereits mehrere Anrufe und Zuschriften in dieser Richtung“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Ulf Reichardt. „Wir hoffen jetzt, dass den klaren Worten von Politik, Behörden und Verwaltung auch klare Taten folgen.“

Eine Forderung, die auch die Unternehmerin Sandra von Möller teilt: „Ein Hauptbahnhof, wo täglich Tausende Geschäftsreisende ankommen, der aber nicht mehr sicher ist, schadet dem Wirtschaftsstandort“. Zudem schauten Unternehmen etwa bei Neuansiedlungen auch auf Sicherheit und darauf, ob eine Stadt die Probleme in den Griff bekommt.

Auch bei der Kölner Messe sieht man einen Imageschaden. „Natürlich haben die Geschehnisse dem guten Ruf Kölns als Messe- und Kongress-Standort weltweit weiteren Schaden zugefügt“, sagte Messechef Gerald Böse. „Wir erhalten viele Anfragen besorgter Aussteller und Besucher aus dem In- und Ausland, die wir mit Hinweis auf die durch die Koelnmesse und die Behörden eingeleiteten zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen derzeit guten Gewissens, aber mit einiger Mühe beruhigen können.“

Karnevalisten bleiben optimistisch

Um aber nachhaltigen Imageschaden und möglicherweise Besuchereinbußen zu vermeiden, müssten diese Anstrengungen schnell und sichtbar greifen. Dies setze ein Umdenken der Behörden voraus. Seit Jahren sei die Messe bemüht, für die Verkehrslenkung und die Sicherheit während unserer Großveranstaltungen mehr Einsatzkräfte zu erhalten, jedoch ohne Erfolg.

Die Kölner Karnevalisten äußern sich hinsichtlich der bevorstehenden jecken Tage vergleichsweise optimistisch: Seine Funktionäre äußern sich zwar betroffen und entsetzt über das Geschehene, wollen daraus aber keine unmittelbaren Konsequenzen für ihre Freiluftveranstaltungen im öffentlichen Raum ziehen. Festkomitee-Sprecherin Sigrid Krebs sagte, das Sicherheitsgefühl in der Stadt betreffe jeden einzelnen Bürger gleich und sei „kein Problem von Karnevalisten“.

Was die Organisation des Rosenmontagszuges angeht, der am 8. Februar stattfindet, sagte sie: „Wie jedes Jahr bereiten wir uns in regelmäßigen Arbeitstreffen mit Polizei und Ordnungsamt sorgfältig vor. Aber wir sehen keinen Grund, jetzt hektisch zu werden. Es gibt keine neue Lage und damit auch keinen Grund zur Panik.“

Auch Wilhelm Stoffel, Leiter der Schull- und Veedelszöch des Vereins Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums, „ad hoc keinen Anlass zur Besorgnis“. Die Angst Einzelner vor Menschenansammlungen sei verständlich. „Aber wir tun von unserer Seite alles, damit die Zöch sicher gehen.“ „Wir wollen fröhliche, unbelastete Züge – allein schon für die Tausenden Kinder, die sich das ganze Jahr auf sie vorbereiten und auf sie freuen.“ Auch das Traditionskorps der Altstädter, das traditionell das Bühnenprogramm zur Eröffnung des Straßenkarnevals an Weiberfastnacht verantwortet, sieht keinen Grund zum Aktionismus. „Unser Kartenvorverkauf ist ungebrochen“, so Sprecher Peter A. Schaaf.

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