28.09.2016
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Kölner Oper: Bernd Streitberger: „Das Projekt ist wirklich auf Grund gelaufen“

Köln -

Herr Streitberger, die Sanierung der Bühnen ist entgleist. Sie haben sich als ehemaliger Baudezernent entschieden, ab dem 1. Mai die Verantwortung für die Baustelle zu übernehmen. Warum tun Sie sich das an?

Ich habe nicht lange darüber nachgedacht. Das ist ein spannendes Projekt. Man hätte sicher auch jemanden von außen bekommen, der gut ist, aber er wäre im besten Fall zum 1. Oktober da und würde viel mehr Zeit benötigen. Er müsste sich komplett neu reinfinden und müsste aus Selbstschutz alles auf null drehen. Bei mir ist es hingegen so, dass ich das Projekt, die Beteiligten, die Stadt und den politischen Betrieb kenne. Insofern habe ich bessere Startbedingungen. Das ist natürlich trotzdem eine gigantische Aufgabe. Das Projekt ist wirklich auf Grund gelaufen – das kann man wohl so sagen.

Was war denn die Ursache dafür, dass das Projekt so gescheitert ist?

Wir werden jetzt die Kompetenz der Projektleitung und der Bauherrschaft zusammenführen. Das ist einer der Gründe, warum es in der Vergangenheit nicht so gut lief. Die Bauherrschaft lag bei den Bühnen, die nicht über eine eigene Baukompetenz verfügen und es gab eine Projektleitung bei der Gebäudewirtschaft, die nicht die Bauherrschaft innehatte. Da treffen auch unterschiedliche Philosophien aufeinander. Es gab mit Sicherheit Kommunikationsunterschiede und Entscheidungswege, die zu lang und zu umständlich waren. Ein anderer Grund ist das öffentliche Vergabewesen. Das ist unglaublich anfällig für Störungen. Sie bekommen Beschwerden und Sie können nicht ohne weiteres Bewerber ausschließen, von denen Sie wissen, dass Sie sie eigentlich nicht haben wollen. Nach meiner bisherigen Kenntnis hat es auch Planungsfehler gegeben. Ich werde das alles fein säuberlich aufarbeiten.

Das Projekt hinterließ in den ersten zwei Jahren einen sehr guten Eindruck. Warum ist trotzdem so viel schiefgelaufen?

Der ehemalige Kulturdezernent Georg Quander und ich glauben, dass wir eine saubere Baustelle hinterlassen haben. Im Nachblick denke ich, dass wir intuitiv gespürt haben, dass es das Problem der geteilten Zuständigkeit zwischen Bauherrschaft und Projektleitung gab. Das haben wir durch persönlichen Einsatz aufgefangen. Herr Quander und ich hatten immer eine lange Agenda, und wir haben Entscheidungen getroffen. Das war nach unserem fast zeitgleichen Ausscheiden wohl nicht mehr so. Es kommt jemand Neues, findet eine Form vor, interpretiert die aber möglicherweise anders.

Können Sie etwas zum neuen Zeit- und Kostenplan sagen?

Ich muss jetzt erst mal eine ganz umfassende Bestandsaufnahme machen. Ich werde nicht vor Ende dieses Jahres verbindliche Termine und Kosten nennen. Ich muss das erst durchdringen und eine eigene Strategie entwickeln. Ich werde den Hut aufhaben, und ich werde ein Team haben. Das ist sehr wichtig – einer alleine nutzt gar nichts.

Werden Sie für diese Aufgabe neues Personal erhalten?

Ich wünsche mir, dass die beteiligten Mitarbeiter der Gebäudewirtschaft an Bord bleiben. Das Gleiche gilt für die Beteiligten auf Seiten der Bühnen. Dann sollen noch neue Kräfte hinzukommen. Sie alle will ich zu einem Team formen. Meine Idealvorstellung wäre, dass ich insgesamt etwa 15 Mitarbeiter habe. Ich will auch gerne junge Leute dabeihaben, aber ein paar alte Hasen brauche ich natürlich auch.


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