28.07.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Konzert im Gloria: Inga Rumpf mit BAP ohne Chef

Eine Hamburger Seemannstochter, die Rockgeschichte geschrieben hat, rockte das Gloria in Köln. Und die Band an der Seite der charismatischen Inga Rumpf war keine geringere als BAP.

Eine Hamburger Seemannstochter, die Rockgeschichte geschrieben hat, rockte das Gloria in Köln. Und die Band an der Seite der charismatischen Inga Rumpf war keine geringere als BAP.

Foto:

michael bause

Köln -

Als 14-Jähriger war Helmut Krumminga, so erinnert sich der gebürtige Ostfriese, hin und weg, als er die LP „Atlantis live at Fabrik“ mit der charismatischen Sängerin Inga Rumpf hörte. „Wenn mir damals einer gesagt hätte, dass ich mein Zimmer und den Dual-Plattenspieler verlassen würde und mit ihr mal in Großstädten auftreten und sogar ein Duett singen würde...“ Tja, wer das damals gesagt hätte, hätte Recht behalten: Am Dienstagabend standen die beiden gemeinsam auf der Bühne des Gloria, und nicht nur die. Mit von der außergewöhnlichen Blues-Rock-Soul-Funk-Gospel-Folk- und auch Spaß-Partie waren außer Krumminga an der Gitarre Werner Kopal (Bass), Michael Nass (Keyboards) und Jürgen Zöller (Drums) – mit anderen Worten: BAP ohne den Chef.

Den Jüngeren unter den Lesern muss man vielleicht kurz erklären, wer Inga Rumpf ist. Das ist relativ leicht: Sie hat deutsche Rock-Geschichte geschrieben; war ab 1965 eine der Sängerinnen des Folk-inspirierten Kollektivs City-Preachers, in dem unter anderem Udo Lindenberg trommelte und Jean-Jacques Kravetz für die Tasten zuständig war. Daraus entwickelte sich 1970 die Band Frumpy, die dann 1972 in Atlantis aufging – alle drei Formationen hatten Kult-Status in der Rock- und Blues-Szene, und das zu einem großen Teil wegen Inga Rumpf.

Duett von Rumpf und Krumminga

Und so ließ die Hamburger Seemanns-Tochter, die heute nahe Bremen lebt, am Dienstagabend jene Zeit nicht nur des musikalischen Aufbruchs Revue passieren – jene Zeit auch „der ersten Jeans und des ersten Joints“. „Wollt ihr Frumpy? Na, dann werdet ihr heute Abend gut bedient“, versprach sie zu Beginn. Und dieses Versprechen hielten sie und die Band: Klassiker wie „Friends“ und „How the Gypsy was born“, mal funky, mal rockig, packten das durchweg etwas gereiftere Publikum genau am Nostalgie-Nerv. „No cross, no crown“ (Ingas Interpretation für nicht ganz so Bibelfeste: „No risc, no fun“) feierte ihre Liebe zum Gospel. Nicht zu vergessen das Duett von Rumpf und Krumminga – passenderweise „Love hurts“. Zwischendurch griff Inga zur Slide-Gitarre und blueste, was das Zeug hielt. Und immer wieder: reichlich Zeit für Gitarren-Soli von Krumminga, der sich richtig austoben konnte, etwa bei Bowie's „Heroes“ oder James Brown's „It's a man's world“.

„Na, hat's da nicht gejuckt?“

So grandios dieser Abend bis dahin auch war – das i-Tüpfelchen, zumindest in Sachen Spaß, setzte Drummer Jürgen Zöller zu Beginn der Zugabe. Tut dieser Zappelphilipp doch, als würde er sich die Gebiss-Prothese in den Mund schieben, tritt ans Mikro und bringt singenderweise John Lennon's „Stand by me“ zu Gehör – umwerfend. Zum Schluss  noch Dylans „Like a Rolling Stone“ (mit Zöller dann doch besser wieder am Schlagzeug). Wenn man weiß, dass Wolfgang Niedecken auch im Saal ist und sich erinnert, dass der doch gerüchteweise eine gewisse Nähe zu Bob Dylan verspürt - man könnte denken, wär' doch schön, wenn er als Überraschungsgast eine Strophe mitsingen würde. Tut er aber nicht. Und zwinkert auf die Frage „Na, hat's da nicht gejuckt?“ verschmitzt: „Schon, aber man muss die Jungs ja auch mal was alleine machen lassen.“


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?