25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Konzert in Köln: David Garrett schwebt durch die Lanxess-Arena
25. October 2014
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Konzert in Köln: David Garrett schwebt durch die Lanxess-Arena

David Garrett

David Garrett

Foto:

michael bause

Köln -

Eine Revolution hat David Garrett nicht nötig. Am Samstagabend spielt der Geiger in der ausverkauften Lanxess-Arena vor 14.000 Zuschauern sein neues Crossover-Programm „Classic Revolution“. Zu „Let Me Entertain You“ schwebt Garrett von der Decke herab auf die Bühne. Längst steht er an der Spitze des Musikgeschäfts, doch auf der Bühne inszeniert er sich als Revolutionär, der in einer opulenten Show großzügig sein Pulver verschießt.

Begleitet von seiner fünfköpfigen Band und der Neuen Philharmonie Frankfurt covert Garrett rund zweieinhalb Stunden lang Pop- und Rocksongs wie Miley Cyrus‘ "Wrecking Ball"; interpretiert Klassisches wie das "Lacrimosa" aus dem Mozart-Requiem und spielt Eigenkompositionen, die er zum Teil mit seinem Bandleader, dem Gitarristen Franck van der Heijden, geschrieben hat.

Dazu werfen sechs Tänzer des Fernsehballetts die Beine in die Luft, Flammenwerfer am Bühnenrand speien Feuer und zu „The Well-Dressed Guitar“ von Deep Purple sprühen die Funken sogar aus Garretts Geige. Aus seinen zum Dutt geknoteten langen Haaren lösen sich beim hingebungsvollen Spiel des Klassikrockers immer mehr Strähnen, die Garrett schließlich im Getöse einer Windmaschine wehen lässt.

Mit dem renommierten israelischen Dirigenten Zubin Mehta und dem Israel Philharmonic Orchestra hat Garrett gerade ein neues Klassik-Album veröffentlicht. Für „Timeless“ hat er Violinkonzerte von Johannes Brahms und Max Bruch eingespielt. Aber an diesem Abend in der Lanxess-Arena verortet Garrett sein Reich zwischen Kuschelrock und Gassenhauer-Klassik.

Ob „La Bamba“ oder Carl Orffs „Carmina Burana": Alles, was eingängig ist, taugt als Nationalhymne in Garretts Reich der Mitte, das zwischen ernster und unterhaltender Musik liegt und von dem die Wege in alle Richtungen gleich kurz sind: „Born in the USA“ geigt der gebürtige Aachener und wenig später das russische Volkslied „Babuschka“. Ein DJ spielt elektronische Beats ein, ein Hauch von Russendisko weht durch die Lanxess-Arena.

In seinem Crossover-Programm bedient David Garrett viele Geschmäcker und selbst wenn vieles an diesem Abend unheimlich dick aufgetragen ist, kann man vor seinem Können und seiner Show guten Gewissens das tun, was seine Fernsehballett-Tänzer im Takt zu „New York, New York“ vormachen: den Hut ziehen.