26.08.2016
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Korruption im Rheinland: Millionenschaden durch Bestechung

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Patric Fouad

Köln -

Ein braunes Ringbuch, Din-A-5-Format, karierte Blätter. Die Seiten handschriftlich nummeriert. Kein Eselsohr, kein Schmutzfleck. Die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft nennen das kleine Buch nur „die Kladde“. Ihr Inhalt ist brisant.

Wenn es stimmt, was die Fahnder hinter ein paar Zahlen, Daten, Namen und Eurobeträgen vermuten, könnte „die Kladde“ der Hauptbeweis sein für einen der größten Korruptionsfälle im Rheinland der vergangenen Jahrzehnte. Denn der Skandal, den der „Kölner Stadt-Anzeiger“ im November 2011 aufgedeckt hatte, zieht immer weitere Kreise.

Einzelne Mitarbeiter teils namhafter Unternehmen aus der Region sollen Scheinrechnungen einer Kölner Zulieferfirma für Industriebedarf abgezeichnet haben. Als Belohnung sollen sie Geschenke erhalten haben, zum Beispiel Fernseher, Bangkirai-Gartenmöbel, Autoersatzteile und Spielekonsolen. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln gegen mehr als zehn Beschuldigte. 35 Anwälte sind mit dem Verfahren beschäftigt.

Gingen die Ermittler vor eineinhalb Jahren noch von einigen Hunderttausend Euro Schaden aus, scheint jetzt klar: Es geht um viel mehr. Es geht um Millionen.

Geschädigt wurden mutmaßlich nicht nur die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) Köln. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat die Staatsanwaltschaft in den vergangenen Monaten sieben weitere Unternehmen ermittelt, die betroffen sein könnten, darunter die ehemalige Bayer-Sparte Dralon in Dormagen und die Erftstädter Firma Nowotnik, die die Kiesgruben in Kerpen-Blatzheim und Erftstadt-Blessem betreibt. Ob weitere Firmen betrogen wurden, ist unklar – die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, ein Ende ist nicht in Sicht.
Seit eineinhalb Jahren trägt die Staatsanwaltschaft Beweise zusammen, immer wieder ergaben sich neue Erkenntnisse, wurden weitere Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt. Mit einer Anklage rechnet die Staatsanwaltschaft nicht vor dem Herbst.


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