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Lanxessarena: Eric Clapton braucht keine große Show

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Im ausgewaschenen roten Polohemd und Altherrenjeans: Eric Clapton in der Lanxessarena. Foto: Max Grönert
Eric Clapton betritt die Bühne in Jeans und ausgewaschenem Polohemd. Ohne Hebebühne, ohne große Bühnenshow – und fängt einfach an zu spielen. Das Publikum jubelt trotzdem und der 68-Jährige liefert entspannt sein Programm ab.  Von
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Im ausgewaschenen roten Polohemd und Altherrenjeans, als schaute er gerade zum Boule-Spielen vorbei, schlendert Eric Clapton auf die Bühne der ausverkauften Lanxess-Arena. Das soll der Mann sein, von dem irgendein Spinner in den spinnerten 60er Jahren mal behauptet hat, er sei Gott? Dessen Gitarrenspiel vielen Tausenden, eigentlich doch ganz vernünftigen, Babyboomern als Ersatzreligion gedient hat?

Na, warum nicht? Sie jubeln ja auch so, alle 15.000, ohne dass er mit einem Aufzug aus der Unterbühne hervorgeschossen käme. Das sähe wohl ziemlich komisch aus, denn Clapton erinnert mit seiner schwarzen Hornbrille und dem stoischen Gesichtsausdruck weniger an einen Rockstar, als an Gary Oldmans grauen Geheimdienstchef in "Dame, König, As, Spion".

Und geht mit ebenso großem Understatement an die Arbeit. Spielt ein gemütlich dahertuckerndes "Hello Old Friend", ein ebenso tiefenentspanntes "My Father's Eyes". Dann wechselt er wenigstens zur elektrischen Gitarre, spielt zum soulig ausgekleideten Midtempo-Blues "Tell The Truth" sein erstes Solo, und zum nahezu funkigen "Gotta Get Over" - vom aktuellen Album - sein zweites, angenehm mitwippend, völlig unangeberisch.

"Old Sock" hat Clapton seine bislang letzte Veröffentlichung betitelt, mit vorauseilender Ironie. David Bowie, auch schon im Pensionsalter, hatte ihn so begrüßt. Die Socke sitzt, ehrlich gesagt hörten sich Clapton-Alben schon sehr lange nach miefigen Strümpfen an - und vielleicht muss man bis zu seiner Endsechziger-Supergroup Cream, vielleicht sogar bis zu den Yardbirds zurückgehen, will man den Mann mit dem Karl-May-mäßigen Beinamen Slowhand so etwas wie fiebrige Aufregung attestieren.

Heimliche britische Rockgeschichte versammelt

Jetzt, im 69. Lebensjahr gereicht Clapton dieses Nicht-Image zum Vorteil. Jetzt ist er so alt, wie die Blues-Riffs die er spielt, jetzt kann man rückhaltlos bewundern, wie er sie von schwerer Bürde befreit und in locker groovende Songs übersetzt. Der Schauwert in der Arena ist nicht die Lightshow aus zwei Reihen ineffektiver LED-Screens, sondern Claptons Band, mit der sich die heimliche britische Rockgeschichte versammelt hat. Paul Carrack etwa, der seine Orgel durch einen rotierenden Leslie-Lautsprecher jagt und immer dann den Gesang übernimmt, wenn eine volltönende Soulstimme gefragt ist, und nicht Claptons kehlige Einwürfe.

Gerade noch hat der Meister mit "I Shot The Sheriff", einem seltenen Zugeständnis an ein klassisches Greatest-Hits-Programm die Zuschauer von den Stühlen gerissen, da nimmt er schon wieder das Tempo raus, setzt sich, nervös mit den Beinen schlackernd, mit einer Akustikgitarre an den Bühnenrand, unterspielt "Layla" als Blues mit extrem gedrosselten Tempo, als Vehikel für die virtuosen Solisten seiner Band. "Lay Down Sally" rollt mit Johnny Cashs Tschacka-Boom-Rhythmus daher, wie eine kleine Dampflock in einem Country-Erlebnispark, "Wonderful Tonight" entlockt dem gesundheitsbewussten Auditorium ein einzelnes romantisch entflammtes Feuerzeug.

Dann steht Eric Clapton wieder, vom Bandscheibenvorfall, der ihn vor einer Woche gezwungen hat, zwei Konzerte abzusagen, ist nichts mehr zu sehen. Jetzt folgt ein elektrifizierter Blues auf den nächsten, mal schnell, mal langsam und meist von Robert Johnson. Man konzentriert sich weniger auf die einzelnen Songs, Teufel lauern an Wegkreuzungen, Frauen packen ihre Koffer, das ist alles hinlänglich bekannt, es geht nun wirklich nur noch um das traumhafte Zusammenspiel von acht Superprofis, die niemanden mehr etwas beweisen müssen. Natürlich spielen sie J.J. Cales "Cocaine", und selten klang ein Lied über Aufputschpulver chilliger.

Immerhin, zur Zugabe gibt es mit Creams "Sunshine Of Your Love" den einzigen Abstecher in wildflirrenden Rock, dann heißt es schon "High Time We Went", Andy Fairweather Low, noch so eine britische Rocklegende, der das Vorprogramm bestritten hat, kommt noch auf ein Gitarrensolo vorbei, und schon gehen die Lichter an. Da wundert man sich, wie groß die Halle ist, wie viele Menschen jetzt in Richtung Parkhaus und U-Bahn strömen, und wie ein Konzert an diesem unwirtlichen Ort so viel beiläufige Schönheit entwickeln konnte. Gott steckt eben in den kleine Dingen.

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