28.09.2016
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Bebauungsplan Willi-Lauf-Allee: Anwohner gegen „Schildbürgerstreich“

Der beschauliche Gertrudenhofweg soll Erschließungsstraße für das Neubaugebiet werden.

Der beschauliche Gertrudenhofweg soll Erschließungsstraße für das Neubaugebiet werden.

Foto:

Eickler

Junkersdorf -

Bauland wird knapp – und in Junkersdorf allemal. In der Bezirksvertretung Lindenthal betonte Heinrich Funk vom Stadtplanungsamt: „Was einstmals als Erweiterungsfläche für den Friedhof frei gehalten wurde, ist kostbar. Es handelt sich um eine der letzten Baulandreserven in Junkersdorf. Die Verwaltung steht voll und ganz dahinter, dort 42 Einzel- und Doppelhaushälften, jeweils zweigeschossig und mit Flachdächern versehen, zu errichten.“ Dieselbe Einschätzung vertrat die Politik. Denn mittlerweile ist der Bebauungsplan für dieses gut zwei Hektar große Areal mit dem Arbeitstitel Willi-Lauf-Allee rechtskräftig.

Mehrbelastung von 240 Fahrzeugen

Einstimmig beschloss der Stadtentwicklungsausschuss, das Gelände zwischen dem Stüttgerhofweg, der Willi-Lauf-Allee, dem Friedhof und der vorhandenen Bebauung am Donauweg als Wohngebiet zu entwickeln. Auf dem Gelände soll es auch eine Kindertagesstätte für sechs Gruppen und einen Spielplatz geben. Außerdem wird die Reihe der Bäume in der Willi-Lauf-Allee durch die Anpflanzung weiterer 22 Linden in Richtung Norden verlängert. Was die Erschließung des Gebiets für den Straßenverkehr betrifft, so folgte der Ausschuss den Empfehlungen, die die Bezirksvertretung Lindenthal wenige Tage zuvor formuliert hatte.

Denn das Lindenthaler Stadtteilparlament befürchtet – anders als ihre Ratskollegen und die Verwaltung in der fernen Innenstadt – eine spürbare Zunahme des Autoverkehrs in den engen Wohnstraßen rund um das neue Wohngebiet. Die Verwaltung geht davon aus, dass es eine Mehrbelastung von 240 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden auf der Willi-Lauf-Allee, 140 zusätzliche Fahrten auf dem Gertrudenhofweg und ungefähr 100 Mehrfahrten auf dem Stüttgerhofweg geben wird, über den die zu bauende Kita angefahren werden soll. Die städtischen Verkehrsexperten halten das für „insgesamt moderat“, so steht es in der Verwaltungsvorlage.

Verkehr vom Getrudenhofweg fernhalten

Die Lindenthaler Bezirksvertreter sind dennoch besorgt. Deshalb haben sie den Satzungsbeschluss zur Bebauung einstimmig um einen entscheidenden Punkt ergänzt: Sie fordern eine Garantie, dass die Erschließung des Wohngebiets in erster Linie über die Willi-Lauf-Allee erfolgt, die auch jetzt schon etwas breiter ist. „Und wenn sie verlängert wird, sollte sie mindestens so gut ausgebaut sein“, sagte Roland Schüler (Bündnis 90/Die Grünen). Das Stadtteilparlament will so verhindern, dass zu viel Verkehr über den Gertrudenhofweg rollt, eine enge Spielstraße.

Und trotzdem – Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker erinnerte noch einmal daran: „Die Bezirksvertretung wollte ursprünglich etwas anderes, nämlich den Verkehr gänzlich vom Gertrudenhofweg fernhalten, der als Erschließungsstraße wegen des fehlenden Platzes gänzlich ungeeignet ist.“

Heribert Gödderz vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik bekräftigte gegenüber den Bezirksvertretern daher, dass die Willi-Lauf-Allee die Haupterschließungsachse sein werde, schränkte aber ein: „Verkehr vom und zum neuen Wohngebiet wird auch über den Gertrudenhofweg fließen. Etwas anderes wird nicht gehen.“

„Wie soll das in Zukunft gehen?“

Nicht zuletzt die Eingaben der Bürger während der Offenlage des Bebauungsplanentwurfs zeigten, dass einige Anwohner den Gertrudenhofweg freihalten wollen. Andere hingegen forderten eine gerechte Aufteilung des Verkehrs auf das vorhandene Straßennetz. Letztlich sind die Politiker der Bezirksvertretung und des Rates jetzt dieser zweiten Auffassung gefolgt.

Doch diesen Kompromiss hält einer der Anlieger des Gertrudenhofwegs schlicht für einen „Schildbürgerstreich“. Rudolf Gaul spricht für seine Nachbarn. Sie meinen, dass ihre enge Spielstraße denkbar ungeeignet ist, um mehr Verkehr aufzunehmen. Eine Anwohnerin: „Hier können sich nicht einmal ein Pkw und ein Radfahrer gefahrlos begegnen. Ausbauen kann man sie auch nicht, wie soll das in Zukunft gehen?“ Im Moment prüfen die Anlieger, ob sie juristisch gegen das Bauvorhaben vorgehen wollen.