27.07.2016
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Berrenrather Strasse: Die Vision von einer Flaniermeile in Köln-Sülz

Die Berrenrather Straße in Köln-Sülz soll saniert werden.

Die Berrenrather Straße in Köln-Sülz soll saniert werden.

Foto:

Martina Goyert

Sülz -

Wie breit soll die Fahrbahn sein? Wie ausladend der Gehweg? Sollen Radfahrer auf einem eigenen Schutzstreifen oder mit den Autofahrern auf einer verkehrsberuhigten Straße unterwegs sein? Diese Fragen diskutierten Sülzer Bürger mit Mitarbeitern der Stadt und des Planungsbüros Via. Etwa 120 Menschen hatten sich in der Aula des Schiller-Gymnasiums versammelt. Die Diskussion war lebhaft.

Sanierung zwischen Universitätsstraße und Sülzgürtel

Denn die Berrenrather Straße soll saniert werden, und zwar im Bereich zwischen Universitätsstraße und Sülzgürtel. Somit wird eine Hauptverkehrsader im Mittelpunkt des Viertels neu gestaltet. Das steht schon lange fest, denn die Fahrbahn ist mehr als 80 Jahre alt und marode, der Boden darunter nicht ausreichend tragfähig.

Offen ist allerdings noch die Frage, wie die Berrenrather Straße nach der Sanierung gestaltet werden soll. Jetzt hat die Stadt den Anwohnern zum zweiten Mal die Möglichkeit gegeben, sich zu beteiligen. Während bei der ersten Bürgerwerkstatt im Oktober vergangenen Jahres noch alle Möglichkeiten offen waren und die Teilnehmer anhand von vier Grundmodellen auf dem weißen Papier Ideen entwickeln konnten, standen dieses Mal nur zwei Möglichkeiten zur Auswahl. Die waren unter Berücksichtigung der Ergebnisse der ersten Bürgerwerkstatt von den Planern des Kölner Büros Via entwickelt worden.

Mehr Raum für Fuß- und Radverkehr

Beide Varianten sehen deutlich mehr Raum für den Fuß- und Radverkehr vor als bisher, während die Fahrbahn schmaler wird. Das war nicht nur von den Bürgern ausdrücklich gewünscht worden, sondern entspricht auch einer modernen Verkehrsplanung, wie Peter Gwiasda vom Planungsbüro Via bereits bei der ersten Bürgerwerkstatt erklärt hatte.

Doch auch die Wahl zwischen beiden rad- und fußgängerverkehrsfreundlichen Varianten fiel den Anwesenden nicht leicht. Schließlich stand eine grundsätzliche Entscheidung an: Soll die Fahrbahn statt der bisherigen elf Meter nur noch neun Meter breit sein und bei Tempo 30 auf dieser Fläche jeweils einen eigenen Schutzstreifen für Radfahrer in beiden Richtungen aufweisen? Oder soll die Fahrbahn nur noch 6,50 Meter Breite haben?

„Im letzteren Fall müssten die Radler sich mit den Autofahrern die Straße teilen“, erläuterte Jörg Thiemann-Linden vom Planungsbüro Via. „Dann dürfen sie allerdings nicht am Rand fahren, das wäre bei dieser Straßenbreite gefährlich, sondern müssen in der Mitte radeln.“ Die Radler würden somit das Tempo vorgeben und der Verkehr würde sich zwangsläufig noch mehr verlangsamen als in der ersten Variante.

Totales Chaos in Köln-Sülz vermutet

Die Straße wäre stark verkehrsberuhigt – was bei vielen Besuchern Sorgen hervorrief. „Das gibt doch totales Chaos“, rief ein Besucher empört. 10 000 Autos befahren die Berrenrather Straße pro Tag. Die Planer haben das jedoch berechnet. Das klinge nach viel Verkehr, sei aber vergleichsweise wenig, erläuterte Jörg Thiemann-Linden. Dieses Pkw-Aufkommen müsste auch die 6,50 Meter breite Straße mit integriertem Radverkehr verkraften.

Immerhin würde die schmale Fahrbahn einen attraktiven Vorteil bieten: Die gewonnene Fläche würde den Bürgersteigen zugeschlagen. Und ein breiter Gehweg bietet viele Vorteile – zum Flanieren und zum Verweilen. Die Lokale könnten draußen Tische bereitstellen und die Sülzer an schönen Tagen einen Cappuccino im Freien genießen.

Eine Alternative mit Flair

Die Vorstellung brachte manche Sülzer zum Schwärmen. „Diese Alternative bringt einfach so viel Flair ins Viertel“, sagte eine Besucherin. „Ich finde, wenn man die Straße schon schmaler baut und beruhigt, dann aber richtig“, meinte eine andere. Das sei einfach konsequent.

„Ich habe dann allerdings Angst um die Kinder, die eventuell sehr langsam mit dem Rad auf der Straße unterwegs sind und ungeduldige Autofahrer dazu provozieren, eng an ihnen vorbei zu fahren“, sagte eine weitere Sülzerin. Angesichts der vielen Argumente für und gegen beide Vorschläge führte die Abstimmung zu keinem eindeutigen Votum.

Zwölf Parkplätze fallen weg

Eindeutiger fielen die Urteile der anwesenden Sülzer über weitere Planungspunkte aus. Dass vor der Nikolauskirche an der Berrenrather Straße ein großer neuer Platz entstehen soll, über den die Autos zwar fahren dürfen, auf dem aber keine Fahrbahnen markiert sind, befürworteten die meisten. Einige Sülzer sorgen sich jedoch, weil am Platz zwölf Parkplätze wegfallen.

Auch der Vorschlag des Planungsbüros, an den Kreuzungen der Berrenrather Straße mit Sülzburgstraße und Weyertal Mini-Kreisverkehre statt Ampeln einzurichten, gefiel den meisten Besuchern. Großen Anklang fand auch die Idee, die Ampeln auf der Berrenrather Straße, beispielsweise an den Grundschulen Am Manderscheider Platz und an der Katholischen Grundschule Berrenrather Straße, durch Doppel-Zebrastreifen zu ersetzen.

Engagierte Bürger

Vieles wurde besprochen, die Stimmung war am Ende gelöst: „Ich finde es toll, wenn die Bürger sich so engagieren und einbringen“, lobte Angela Stolte-Neumann vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik. Sie verließ den Saal mit vielen neuen Bürgerideen in der Tasche und einem Versprechen: „Die Vorschläge und Voten werden jetzt alle ausgewertet und fließen in die Planung ein.“

Auf der Homepage der Stadt können zu den Planungen Meinungen geäußert und Ideen eingebracht werden.

www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/verkehr/umgestaltung-der-berrenrather-strasse//www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/verkehr/umgestaltung-der-berrenrather-strasse


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