26.07.2016
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Gerichtsverfahren: Parfüm sollte Drogen finanzieren

Teure Parfüme wollte ein Pärchen stehlen, um die Drogensucht des Mannes finanzieren zu können.

Teure Parfüme wollte ein Pärchen stehlen, um die Drogensucht des Mannes finanzieren zu können.

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dpa

Weiden -

Sechs Flaschen Parfüm für 695,85 Euro – diese Beute hätte ein Pärchen im Rhein-Center in Weiden beinahe gemacht. Darum ging es am Mittwoch am Amtsgericht. Angeklagt waren Reinhard W. (30) und seine Freundin Monika G. (28), die vier gemeinsame Kinder haben und ein „ungleiches Paar“ sind, wie der Amtsrichter sagte. Während er keinen Schulabschluss hat, mit Gelegenheitsjobs Geld verdiente und zurzeit Hartz IV bezieht, hat sie eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau gemacht und bekommt als Kundenbetreuerin bei einem Energieversorger durchschnittlich 1800 Euro netto im Monat. Ein gravierender Unterschied ist außerdem, dass Reinhard W. seit Jahren schwer heroinabhängig ist und Monika G. (Namen geändert) „nie was mit Drogen zu tun hatte“, wie sie vor Gericht beteuerte.

Flaschen im Kinderwagen

Am einem Samstag im Dezember des vergangenen Jahres waren beide um die Mittagszeit in der Galeria Kaufhof unterwegs. Sie nahm jene Parfümflaschen aus dem Regal und legte sie in das Metallkörbchen unten im Kinderwagen. Als Reinhard W., der die Beute bei einem Dealer gegen Drogen tauschen wollte, bemerkte, dass ein Kaufhausdetektiv sie beobachtete, stellte er die Flaschen woanders rasch zurück ins Regal. Zu spät: Das Paar erhielt eine Anzeige wegen versuchten Diebstahls. Vor allem, weil Monika G. keine Vorstrafen hat, stellte der Richter nach einem Rechtsgespräch mit Ankläger und Verteidiger das Verfahren gegen sie ein. „Wir wollen Ihnen den Weg nicht verbauen“, sagte er, fügte aber hinzu: Auch wenn sie aus Liebe zu ihrem süchtigen Freund gehandelt habe, müsse sie beim nächsten Mal mit einer Verurteilung rechnen.

Reinhard W., der mehr als ein Dutzend Vorstrafen hat und nach dem Vorfall im Kaufhof eine halbjährige Freiheitsstrafe wegen früherer Delikte antreten musste, wurde zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt – mit der Auflage, regelmäßigen Kontakt zur Drogenhilfe seines Wohnorts Bornheim zu halten. Nach der Haftentlassung hat Monika G. ihn trotz aller Bedenken und Enttäuschungen wieder zu Hause aufgenommen. Sein Anwalt Joachim Schmitz-Justen sagte, dies komme einem „Sechser im Lotto“ gleich. Der Mandant, der im Gefängnis kurz Methadon bekommen, danach einen kalten Entzug gemacht habe und seitdem clean sei, habe sich bereits um einen Therapieplatz bemüht und stehe auf der Warteliste. „Er ist noch nicht an Schmitz Backes vorbei.“


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