28.09.2016
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Hobby-Gärtner: Gemüse vom eigenen Feld für jeden

Wanda Ganders (l.) gibt letzte Tipps vor dem Start in die Feldsaison

Wanda Ganders (l.) gibt letzte Tipps vor dem Start in die Feldsaison

Foto:

Rösgen

Lövenich -

Kerstin Oldendorf zeigt den künftigen Hobbygärtnern, was eine Hacke ist: „Schauen Sie sich das Gerät gut an, es wird in den nächsten Wochen Ihr bester Freund sein“, sagt die Meine-Ernte-Mitarbeiterin und reckt die Hacke in die Luft. Obwohl Kerstin ihnen harte Arbeit – nämlich Unkraut jäten – androht, ist die Stimmung auf dem Feld an der Widdersdorfer Landstraße gelöst. Viele wissen, auf was sie sich einlassen, denn schon 2012 startete das Angebot für Hobbygärtner. Das Konzept stammt vom jungen Bonner Unternehmen Meine Ernte.

Alle sind voller Vorfreude auf den Beginn der Feldsaison. Ganze Familien mit Kindern, Pärchen und Cliquen haben sich hier für eine Erntesaison ein paar Quadratmeter Ackerscholle angemietet. Oder richtiger: Online gebucht,denn so nostalgisch das Vergnügen auch erscheint – moderne Kommunikationsmittel sind ein wichtiger Bestandteil des Konzepts. 120 Parzellen sind es insgesamt, jeweils 45 oder 85 Quadratmeter groß. 179 oder 329 Euro kostet die jährliche Pacht. Das Feld gehört zum Hofgut Neuenhof von Landwirt Hermann-Josef Niehl. Es ist eines von inzwischen mehr als 2000 Gemüsegärten, die Meine Ernte an 22 Orten in ganz Deutschland betreibt.

Keine Chemie und kein Dünger

Nach weiteren Einsteiger-Tipps: „Mit dem Rechen kämmen Sie den Boden“ oder „Wenn es regnet, brauchen Sie nicht zu gießen“, begibt sich die Gruppe aufs Feld. Zunächst muss das eigene Terrain abgesteckt werden. Die zarten Sprossen Kopfsalat, die sich schon zeigen, verlangen nach Schutz vor gefräßigen Kaninchen und Fasanen. Ein paar Unkräuter lugen hier und da auch schon hervor.

Verena Prior und ihre Tochter Lilli breiten mit geübten Griffen eine große weiße Vliesplane über den noch recht kahlen Ackerfurchen aus. „Wir haben schon etwas Erfahrung vom vorigen Jahr“, sagt Verena Prior, die ganz in der Nähe wohnt. Die Ernte hätte gewiss noch besser ausfallen können. Doch der Geschmack von selbst gezogenen Kartoffeln, Möhren oder Porree sei einfach ein ganz anderer. Ehe dies alles herangewachsen ist, erwartet sie und alle anderen in den kommenden Wochen der Kampf gegen Kräuter wie Melde, Hirtentäschel und Vogelmiere. Außerdem sollen Schnecken und Kartoffelkäfer nicht die Oberhand gewinnen. Der Einsatz chemischer Mittel ist streng untersagt. Auch Düngemittel sind tabu.

Zur Entspannung im Matsch wühlen

Feldnachbarin Barbara Finke hat die Lösung parat: „Kaninchendraht komplett drumherum und drüber ein Netz – fertig ist der Gemüseknast“, sagt sie vergnügt. Die Aussicht auf schmackhaftes, selbst gezogenes Gemüse ist für sie nur ein Teil des Vergnügens, für das sie und ihr Partner mehrmals pro Woche eigens aus Pulheim herkommen. „Es ist unheimlich entspannend, hier buchstäblich im Matsch zu wühlen“, sagt sie.

„Es macht den Kopf total frei“, verspricht Wanda Ganders, die mit Natalie Kirchbaumer 2009 das Unternehmen Meine Ernte in Bonn gründete. Beide kannten sich aus dem Studium der Betriebswirtschaftslehre. Das Prinzip ist einfach. Ein Acker wird gepflügt und mit 20 verschiedenen Gemüsen, Kräutern und Feldfrüchten eingesät. Die weitere Pflege, Unkraut- und Schädlingsabwehr sowie natürlich die Ernte sind Sache der Mieter. Sie können dabei jederzeit auf das Fachwissen des Meine Ernte-Teams zugreifen. Außer im persönlichen Gespräch geht das vor allem mit modernen Kommunikationsmitteln wie E-Mail, Download-Angeboten und einem Forum auf den Internetseiten des Unternehmens. So erfahren die Meine-Ernte-Mieter noch weit mehr als nur, was eine Hacke ist.

www.meine-ernte.de