25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Klettenbergpark: Ein Weiher voll Schlamm
26. November 2012
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Klettenbergpark: Ein Weiher voll Schlamm

Im Klettenbergpark am Weiher.

Im Klettenbergpark am Weiher.

Foto:

Marion Eickler

Klettenberg -

Da hat man gerade erst eine Familie gegründet. Der Nachwuchs liegt behütet in der Wiege. Doch plötzlich kommt jemand und wirft alle aus der Wohnung, weil das Haus von Grund auf renoviert werden soll. Dieses Szenario droht im Frühjahr 2013 zahlreichen Wasservögeln am Weiher im Klettenbergpark, wie Tierschützer Dino Marcotullio befürchtet. Er hatte aber offenbar die rettende Idee. Die Stadtverwaltung hat er jedenfalls zum Nachdenken gebracht.

Die Sanierung des Weihers ist beschlossene Sache. „Vor ein paar Tagen hat der Finanzausschuss die dafür benötigte Summe in Höhe von 300 000 Euro bewilligt“, bestätigt Joachim Bauer, Abteilungsleiter Stadtgrün im Amt für Landschaftspflege und Grünflächen. Die Sanierung ist dringend nötig, weil sich durch eine Überdüngung des Wassers giftige Blaualgen schon stark vermehrt haben. Vom idyllischen Weiher geht also eine Gefahr aus. Nicht von ungefähr stehen Warnschilder am Ufer des Weihers.

Dicke Schlammschicht am Grund

Die Schlammschicht auf dem Grund des Weihers soll abgetragen werden. Die Wasserfläche ist von hohen Böschungen umgeben, das Laub der Bäume am Ufer fliegt daher massenhaft hinein. Die Exkremente von Fischen und der wohlmeinende Mensch, der die Vögel mit Brot füttert, tun ein Übriges, dass die Schlammschicht immer dicker wird.

Ursprünglich betrug die Wassertiefe des zwischen 1905 und 1907 angelegten Weihers 1,20 Meter. „Zurzeit sind es noch zwischen 30 und 40 Zentimetern. Der Rest ist Schlamm. Und der muss raus“, erklärt Bauer.

Wird die Brutzeit gestört?

Für Dino Marcotullio aber ist die geplante Sanierung nicht unbedingt eine gute Nachricht. Er hat Bedenken, dass ausgerechnet im Frühjahr das Wasser abgelassen werden soll. „Damit wird massiv in die Brutzeit der Enten, Schwäne und Rallen eingegriffen. Gelege können nicht einfach umgesiedelt werden, Küken sind nicht in der Lage, weit entfernte Ausweichgewässer zu erreichen, denn sie sind noch nicht flugfähig“, warnt er. Marcotullio bittet die Stadt daher, mit den Arbeiten bereits im Winter zu beginnen.

Doch Joachim Bauer, der zuständige Abteilungsleiter im Grünflächenamt, sagt: „Nein.“ Man habe gute Gründe, das Wasser im Frühjahr abzulassen. „Vorher müssen die Fische rausgeholt und in andere Gewässer verfrachtet werden. Das können wir nicht im Winter machen“, sagt Joachim Bauer.Denn: „Der Schlamm am Grund des Sees muss offen liegen und abtrocknen. Das dauert ein paar Monate.“ Ließe man im Winter das Wasser ab, sei die Gefahr einfach höher, dass Niederschläge den Schlamm durchnässen.

Künftig wird Geld gespart

Dennoch sichert Bauer zu, die Belange der Brutvögel so weit wie möglich bei den weiteren Planungen zu berücksichtigen. Bauer ist deshalb sehr dankbar für „den Vorschlag des Vogelschützers Dino Marcotullio, einen kleinen Teil des Weihers abzutrennen und als eine Art Pool für die Vögel zu reservieren. Das scheint sehr sinnvoll. Das könnten wir vermutlich machen.“

Bei der Sanierung soll auch eine Sprudlerfontäne im Weiher installiert werden, damit mehr Sauerstoff ins Wasser kommt. Wegen des dichten Baumbestands rund um das Gewässer weht nämlich zu wenig Wind, so dass die Wasseroberfläche nicht ausreichend bewegt und mit Sauerstoff angereichert wird. Zudem wird eine Grundwasserpumpe eingebaut. Damit spart die Stadt künftig Geld, denn dann muss der Weiher nicht mehr – wie jetzt noch – mit teurem Trinkwasser gespeist werden.