24.07.2016
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Räuberwäldchen: Abwägen zum Wohl der Kinder

Die Mitglieder des Vereins „Räuberwäldchen“ protestieren gegen eine Kindertagesstätte auf dem gleichnamigen Gelände – vermutlic

Die Mitglieder des Vereins „Räuberwäldchen“ protestieren gegen eine Kindertagesstätte auf dem gleichnamigen Gelände – vermutlich erfolglos.

Foto:

Kreikebaum

Sülz -

Wenn es um das Wohl unserer Kinder geht, schäumen schnell die Münder: Alle wollen für die Kleinen nur das Beste. Wer sich nicht dazu bekennt, wird öffentlich geächtet. Wenn es aber um die Entscheidung für neue Kindergärten geht – ganz gleich, dass diese politisch und gesellschaftlich gewollt sind – bleiben die Kinder gelegentlich auf der Strecke. Dann streiten sich die Erwachsenen – meistens sind es wie jetzt in Sülz die Anwohner, die um die Lebensqualität des Viertels fürchten, und die Mitarbeiter der Stadt, die dem Auftrag des Gesetzgebers nach mehr Betreuungsplätzen nachkommen sollen. Es gilt dann, abzuwägen zum Wohl der Kinder – und das ist schwierig. Weil es nie nur Gewinner gibt und weil die Gefühle schnell den Verstand überlagern.

Exemplarisch für viele Plätze

Das Räuberwäldchen steht exemplarisch für viele Plätze in Köln, an denen Kita- oder Schulerweiterungen entstehen: Die Wiese ist einer der letzten Plätze im Viertel zum Spielen und Chillen. Gleichzeitig fehlen in Sülz jede Menge Kindergartenplätze. Und ein Kindergarten am Räuberwäldchen ist günstig gelegen, da in einem verkehrsberuhigten Bereich und gut zu erreichen. Ob der Platz alternativlos ist, kann hier nicht abschließend beurteilt werden. Fakt ist, dass einige der vorgeschlagenen Alternativplätze an Verkehrsadern wie der Luxemburger Straße liegen und es nicht viele ernsthafte Ausweichmöglichkeiten gibt. Der Ärger der Anwohner, denen eine Spielwiese für ihre Kinder genommen wird, bleibt nachvollziehbar. Zumal, wenn Initiativen wie der Verein Räuberwäldchen, der viel Zeit und Geld in das Areal investiert, nicht rechtzeitig über die Entscheidung informiert werden.

Was aber tun in einer Zeit, in der möglichst viele unter Dreijährige betreut werden sollen, es aber zu wenig Flächen gibt? Und die Interessenkonflikte umso härter aufeinanderprallen, je weniger Grün es gibt? Wer nur das Beste für die Kinder will, muss gelegentlich auch bittere Pillen schlucken.