24.08.2016
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Nach Silvesterübergriffen: Maulkorb für die Bundespolizei in Köln

Polizeipräsident Jürgen Mathies und OB Henriette Reker.

Polizeipräsident Jürgen Mathies und OB Henriette Reker.

Foto:

Thomas Banneyer

Köln -

Die gemeinsame Pressekonferenz von Stadt und Polizei am Montag zum Sicherheitskonzept für die Karnevalstage wird zum Politikum. Seite an Seite hatten Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Polizeipräsident Jürgen Mathies und Vertreter von Feuerwehr, Verkehrsverbänden und Abfallwirtschaftsbetrieben ausführlich ihren Beitrag zu den Planungen für friedliche Karnevalstage dargestellt. Nur der Präsident der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin, Wolfgang Wurm, fehlte auf dem Podium.

Zur großen Überraschung der übrigen Konferenzteilnehmer hatte Wurm seine ursprüngliche Zusage am Morgen kurzfristig zurückgezogen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ soll er das allerdings nicht freiwillig getan haben, sondern auf Weisung des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam. Das wiederum untersteht dem Bundesinnenministerium in Berlin. Die Gründe für die Entscheidung sind unklar.

Insider spekulieren über einen möglichen Zusammenhang zur Polizei-Schelte von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) nach den Silvesterereignissen. „So kann Polizei nicht arbeiten“, hatte der Minister gesagt. Vielleicht, so wird gemutmaßt, wollte das Ministerium mit der Absage verhindern, dass mögliche Fehler beim Karnevalseinsatz später auch auf die Bundespolizei zurückfallen könnten. Wie es heißt, sollen Bundespolizeipräsidium oder Innenministerium nicht einmal Wolfgang Wurm mitgeteilt haben, warum er seine Zusage so unvermittelt zurückziehen sollte.

„Kurzfristig verhindert“

Auf Anfrage wollte sich der Sprecher der Direktion Sankt Augustin, Jens Flören, nicht näher zu der Absage seines Behördenleiters äußern. Er sagte nur: „Herr Wurm war kurzfristig verhindert.“ Und: Er bedaure, dass er nicht an der Konferenz habe teilnehmen können, sei aber überzeugt, dass das weder Einfluss auf die gute Zusammenarbeit mit den Netzwerkpartnern in Köln habe noch auf den Einsatzverlauf an Karneval. Bundesinnenministerium und Bundespolizeipräsidium ließen eine Anfrage dieser Zeitung bis zum Abend unbeantwortet.

Während der Pressekonferenz mutete es reichlich merkwürdig an, dass das Einsatzkonzept bis zur Zahl der Müllfahrzeuge im Detail erläutert wurde, aber nicht zu erfahren war, wie die Bundespolizei die Sicherheit im Kölner Hauptbahnhof gewährleisten möchte.